Digitale Souveränität, Karsten Wildberger

Digitale Souveränität: Wildberger warnt vor Abschottung Europas

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 18:42 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger will Europas digitale Handlungsfähigkeit stärken, ohne die Zusammenarbeit mit internationalen Technologieunternehmen aufzugeben. Besonders bei künstlicher Intelligenz sieht er Nachholbedarf.

Wildbergers Maßstab für Europas Technologiepolitik

  • Karsten Wildberger sprach am Rand des Digitalgipfels mit RTL und ntv über digitale Souveränität.
  • Europa soll weiter mit US-Unternehmen arbeiten und zugleich die Kontrolle über Daten behalten.
  • Der Minister verwies auf Nachholbedarf Europas bei Cloud- und Chipthemen in den vergangenen 15 Jahren.
Karsten Wildberger (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Wildberger fordert digitale Souveränität ohne Abschottung

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) spricht sich für mehr digitale Souveränität in Europa aus, warnt zugleich aber vor einer Abschottung von internationalen Partnern. Europa werde auch künftig mit US-Unternehmen zusammenarbeiten müssen, sagte Wildberger am Rande des Digitalgipfels den Fernsehsendern RTL und ntv.

Kontrolle über Daten soll erhalten bleiben

„Souveränität kann ja nicht heißen, dass wir in Ablehnung sind, dass wir alles alleine machen“, sagte der Minister. Bei der Zusammenarbeit mit US-Unternehmen müsse sichergestellt sein, „dass die Daten sicher sind, dass wir auch Kontrolle behalten“.

Eigene europäische Lösungen im Fokus

Gleichzeitig setze die Bundesregierung verstärkt auf eigene europäische Lösungen. Souveränität bedeute für ihn vor allem „Wahlfreiheit zu haben, entscheiden zu können: Auf welche Lösung setze ich?“, sagte Wildberger.

Europa soll bei KI nicht zurückfallen

In den vergangenen 15 Jahren habe Europa bei Themen wie Cloud und Chips zu wenig am Wettbewerb teilgenommen. „Das darf uns bei KI nicht passieren“, sagte der CDU-Politiker.

Digitale Souveränität ist in Europa zu einem Leitbegriff der Technologie- und Sicherheitspolitik geworden. Gemeint ist nicht, sämtliche digitalen Produkte selbst zu entwickeln, sondern Abhängigkeiten bei kritischen Infrastrukturen, Daten und Schlüsseltechnologien begrenzen zu können.

Der Digitalgipfel stellt diese Frage vor allem im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Deutschland und Europa stehen dabei vor einem Zielkonflikt: Für leistungsfähige KI werden internationale Anbieter, Rechenkapazitäten und globale Lieferketten benötigt, zugleich sollen sensible Daten geschützt und politische Handlungsspielräume erhalten bleiben.

Europäische Optionen für kritische Technologien

Wildbergers Verweis auf Cloud- und Chipindustrie beschreibt einen strukturellen Nachteil Europas. Fehlende eigene Kapazitäten können dazu führen, dass öffentliche Stellen und Unternehmen bei zentralen Diensten von einzelnen außereuropäischen Anbietern abhängig werden. Europäische Alternativen sollen deshalb vor allem Wahlmöglichkeiten schaffen, nicht zwangsläufig internationale Anbieter verdrängen.

Für Bürger und Unternehmen geht es konkret um Datenschutz, Ausfallsicherheit und die Frage, wer über gespeicherte Daten und eingesetzte Software entscheidet. Bei KI kommen Anforderungen an Rechenleistung, transparente Regeln und verlässliche Sicherheitsstandards hinzu. Die politische Herausforderung besteht darin, europäische Angebote wettbewerbsfähig zu machen, ohne Kooperationen mit internationalen Partnern unnötig zu erschweren.

KI als nächste Bewährungsprobe

Der Digitalgipfel macht deutlich, dass die Debatte über Souveränität eng mit dem Tempo der KI-Entwicklung verbunden ist. Entscheidend wird sein, ob Europa eigene Kompetenzen bei Forschung, Chips, Cloud-Infrastruktur und Anwendungen ausbauen und zugleich offen für internationale Zusammenarbeit bleiben kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Ergebnisse des letzten Digitalgipfels: Ein bisschen digitale Souveränität“ (02.11.2026)

Der Beitrag ordnet Wildbergers Auftritt in die Ergebnisse des Digitalgipfels ein und hebt die Zusammenarbeit mit Frankreich bei digitaler Souveränität hervor. Im Vergleich zur dts-Meldung liegt der Schwerpunkt stärker auf der europäischen Kooperation und der politischen Bilanz des Gipfels.

ZDFheute: „Digitalgipfel der Bundesregierung: "Einfachere" Regeln für KI?“ (02.11.2026)

Der Bericht stellt den Zusammenhang zwischen digitaler Souveränität und KI-Sicherheit in den Mittelpunkt. Damit ergänzt er Wildbergers Betonung von Wahlfreiheit und Kontrolle um die offene Frage, wie Schutzanforderungen und nutzbare KI-Angebote politisch zusammengeführt werden.

Beide Beiträge verbinden den Gipfel mit der europäischen Technologiepolitik und der KI-Entwicklung. Unterschiede ergeben sich beim Schwerpunkt: Während die dts-Meldung internationale Zusammenarbeit und eigene Lösungen gegenüberstellt, beleuchten die anderen Beiträge stärker europäische Kooperation sowie Sicherheits- und Regulierungsfragen.

Disclaimer...
de | ausland | 70447124 |