Israel-Wahl 2026, Benjamin Netanjahu

Israel-Wahl: Netanjahu-Lager verliert Mehrheit in der Knesset

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 04:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Prognosen deuten auf ein Patt zwischen dem rechtskonservativen Lager des Ministerpräsidenten und dem Bündnis seines Herausforderers Gadi Eisenkot hin. Arabische Parteien könnten bei der Regierungsbildung den Ausschlag geben.

Wahlbeteiligung und Machtoptionen

  • Die Likud-Partei bleibt laut Netanjahu stärkste Einzelpartei in der Knesset.
  • Bei der letzten Wahl Ende 2022 hatte Netanjahus Koalition 64 Sitze erhalten.
  • Zwischen 2019 und 2022 wählten die Israelis fünfmal wegen fehlender dauerhafter Mehrheiten.
  • Ministerpräsident Netanjahu gab sich angesichts des Wahlausgangs siegesgewiss. - Bild: Olivier Fitoussi/dpa
  • Ex-Militärchef Gadi Eisenkot will Netanjahu an der Regierungsspitze ablösen. - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa
  • Netanjahu warnt, die Bedrohung durch den Erzfeind Iran sei noch nicht gebannt. - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
Ministerpräsident Netanjahu gab sich angesichts des Wahlausgangs siegesgewiss.  - Bild: Olivier Fitoussi/dpa  Ex-Militärchef Gadi Eisenkot will Netanjahu an der Regierungsspitze ablösen. - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa Netanjahu warnt, die Bedrohung durch den Erzfeind Iran sei noch nicht gebannt.  - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Israel vor schwieriger Regierungsbildung

Bei der Parlamentswahl in Israel hat das rechtsreligiöse Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut Prognosen seine Mehrheit verloren. Netanjahu erklärte dennoch, seine Likud-Partei bleibe stärkste Kraft, während das Mitte-Lager von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot ebenfalls keine Mehrheit erreichte.

Beide Lager verfehlen Mehrheit

Eisenkot forderte Netanjahus Rücktritt und kündigte an, eine Regierung bilden zu wollen. Dafür wäre er auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen, die deutlich zulegten.

Netanjahu verlangte dagegen eine starke rechtsgerichtete Regierung ohne arabische Parteien. Er warf ihnen vor, gegen die Existenz Israels zu agitieren, und warnte zugleich vor der weiterhin bestehenden Bedrohung durch den Iran.

Iran-Frage erhöht den Druck

Netanjahu sagte, Israel müsse gemeinsam mit den USA die iranische Bedrohung beseitigen. Zugleich wurde über einen möglichen neuen US-israelischen Militäreinsatz gegen iranische Infrastruktur und Nuklearanlagen nach den US-Zwischenwahlen am 3. November spekuliert.

Prognosen verändern sich

Nach Schließung der Wahllokale hatten zunächst alle drei großen Fernsehsender das Oppositionslager vorn gesehen. Im Verlauf der Nacht holte Netanjahus Lager auf; nach der Auszählung von gut zehn Prozent der Stimmen lag es laut N12 bei 52 der 120 Sitze.

Bei der letzten Wahl Ende 2022 hatte Netanjahus Koalition 64 Sitze erhalten. Der Regierungschef ist mit Unterbrechungen seit 1996 an der Macht und seit Dezember 2022 zum dritten Mal Ministerpräsident.

Neue Blockade droht

Scheitert die Regierungsbildung, könnte Netanjahu zunächst eine Übergangsregierung führen. Israel drohte dann eine erneute politische Blockade mit möglichen Neuwahlen; zwischen 2019 und 2022 war das Land bereits fünfmal an die Urnen gerufen worden.

Hohe Mobilisierung

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Zentralen Wahlkommission bei 77,7 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 1999. Der Urnengang war die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg.

Im Wahlkampf dominierten neben der Sicherheitslage der Streit über den Justizumbau, die Wehrpflicht ultraorthodoxer Juden und Netanjahus politische Verantwortung für das Sicherheitsversagen. In diesen Fragen ist die israelische Gesellschaft tief gespalten.

Das Wahlergebnis zeichnet ein politisches Patt, bei dem nicht die stärkste Einzelpartei, sondern die Fähigkeit zur Bildung einer Koalition entscheidend ist. Für eine Mehrheit in der 120 Sitze umfassenden Knesset sind 61 Mandate erforderlich. Nach den Prognosen liegen sowohl das Lager Netanjahus als auch das Bündnis um Gadi Eisenkot darunter.

Die arabischen Parteien gewinnen dadurch eine Schlüsselrolle. Eisenkot könnte versuchen, sie als Koalitionspartner einzubinden oder ihre Unterstützung für eine Minderheitsregierung zu erhalten. Ein solches Bündnis wäre jedoch politisch anspruchsvoll, weil mehrere jüdische Oppositionsparteien eine formelle Zusammenarbeit mit arabischen Parteien ablehnen.

Schwierige Regierungsbildung

Auch eine erneute Regierung Netanjahus bleibt möglich, sofern sich bislang oppositionelle Abgeordnete anschließen oder kleinere Parteien die Kräfteverhältnisse verändern. Gelingt keinem Lager die Bildung einer stabilen Mehrheit, könnte die bisherige Regierung geschäftsführend im Amt bleiben. Israel kennt solche Blockaden: Zwischen 2019 und 2022 fanden fünf Parlamentswahlen statt.

Die hohe Wahlbeteiligung von 77,7 Prozent unterstreicht die politische Bedeutung des Urnengangs. Neben der Sicherheitslage prägen der Gaza-Krieg, der Streit über den Justizumbau, die Wehrpflicht ultraorthodoxer Juden und die Verantwortung für das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 die innenpolitische Auseinandersetzung.

Regionale Folgen im Blick

Zusätzliche Brisanz erhält die ungeklärte Machtfrage durch Netanjahus Warnungen vor dem Iran. Eine instabile oder nur geschäftsführende Regierung könnte außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen erschweren, während die Konflikte in Gaza und mit Iran ungelöst bleiben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Keine klare Mehrheit bei Parlamentswahl in Israel“ (28.10.2026)

Der Beitrag habe die fehlende absolute Mehrheit für beide Lager und die mögliche Schlüsselrolle arabischer Parteien herausgestellt. Anders als die dpa-Meldung habe er stärker die vorläufigen Sitzprognosen und die hohe Wahlbeteiligung in den Mittelpunkt gerückt.

Frankfurter Rundschau: „Netanjahu oder Eisenkot: Wahl in Israel droht im Patt zu enden – welche Szenarien denkbar sind“ (27.10.2026)

Der Artikel habe mehrere Wege der Regierungsbildung beschrieben, darunter eine Minderheitsregierung, eine große Koalition und Neuwahlen. Er bestätige damit die schwierige Mehrheitsfindung und setze den Schwerpunkt stärker auf die möglichen nächsten politischen Schritte.

Beide Beiträge hätten die offene Regierungsbildung als zentrale Folge des Wahlausgangs beschrieben. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während die tagesschau die vorläufigen Zahlen und die Wahlbeteiligung betone, konzentriere sich die Frankfurter Rundschau auf die Koalitionsszenarien.

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