Iran warnt vor Energieengpässen im Winter nach Angriffen auf Gassektor
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 12:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die iranische Regierung warnt die Bevölkerung vor Engpässen bei der Energieversorgung im kommenden Winter, nachdem bei israelisch-amerikanischen Angriffen auf den Energiesektor erhebliche Produktionskapazitäten verloren gegangen seien.
Fast ein Viertel der Gasproduktion betroffen
Regierungssprecherin Fatemeh Mohadscherani sagte vor Journalisten, täglich fast 230 Millionen Kubikmeter Erdgas seien betroffen. Das entspreche knapp einem Viertel der nationalen Produktion.
Die Regierung bemühe sich, 100 Millionen Kubikmeter Produktionskapazität wiederherzustellen. Mohadscherani warnte zugleich, in den nördlichen Provinzen könne es im Winter zu Problemen kommen.
Engpässe gab es bereits vor dem Krieg
Schon vor dem militärischen Konflikt hatte der Iran zeitweise mit Energieengpässen zu kämpfen. Die Regierung führt die Schwierigkeiten auch auf internationale Sanktionen zurück, die eine Modernisierung der Energieinfrastruktur erschwerten.
In den vergangenen Jahren hatten Engpässe bei der Gasversorgung für Unmut in der Bevölkerung gesorgt und in einigen Regionen spontane Proteste ausgelöst.
Große Reserven, verwundbare Infrastruktur
Der Iran verfügt über umfangreiche Bodenschätze. Das gemeinsam mit Katar ausgebeutete Gasfeld South Pars gilt als weltweit größte bekannte Gasreserve und deckt rund 70 Prozent der iranischen Gasversorgung.
Angriffe verschärfen strukturelle Probleme
Die Warnung fällt in eine ohnehin angespannte Lage. Der Iran verfügt zwar über sehr große Gasreserven, doch Förderanlagen, Leitungsnetze und Kraftwerke sind seit Jahren von Investitionsmangel, Sanktionen und wiederkehrenden Wartungsproblemen belastet. Der Verlust von täglich fast 230 Millionen Kubikmetern Produktionskapazität trifft deshalb ein System, das schon vor dem Krieg regional zeitweise nicht genügend Gas bereitstellen konnte.
Besonders verwundbar sind die nördlichen Provinzen. Dort steigt der Verbrauch im Winter deutlich, während die iranische Gaswirtschaft auf eine stabile Förderung aus wenigen großen Feldern angewiesen ist. Die angekündigte Wiederherstellung von 100 Millionen Kubikmetern Kapazität könnte die Lücke verkleinern, würde den genannten Ausfall aber zunächst nicht vollständig ausgleichen.
Folgen über den Iran hinaus
Die internationale Bedeutung ergibt sich vor allem aus der regionalen Energieverflechtung. Die Straße von Hormus ist ein zentraler Transportweg für Öl und Flüssigerdgas; eingeschränkte Lieferungen aus dem Golf erhöhen weltweit den Wettbewerbsdruck um verfügbare LNG-Ladungen. In Europa liegen die Gasspeicher nach aktuellen Berichten deutlich unter früheren Vergleichswerten, zugleich gelten die dortigen Versorgungssysteme derzeit nicht als unmittelbar gefährdet.
Für iranische Haushalte und Unternehmen dürfte die Entwicklung zunächst höhere Versorgungsrisiken, mögliche Einschränkungen und steigende Kosten bedeuten. Engpässe bei Heizung und Strom können zudem den Unmut verstärken, weil vergleichbare Probleme in den vergangenen Jahren bereits spontane Proteste ausgelöst hatten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Geht uns das Gas aus? So sicher ist die EU für den Winter“ (28.09.2026)
Der Bericht ordne die iranische Energiekrise in die angespannte globale Gasversorgung ein und schreibe, die LNG-Lieferungen durch die Straße von Hormus seien auf einen Bruchteil des Vorkriegsniveaus gesunken. Zugleich betone er, die EU sehe derzeit keine unmittelbare Gefahr für die Versorgungssicherheit, warne aber vor hohen Preisen und größeren Risiken bei einem kalten Winter.
Berliner Zeitung: „Hormus-Blockade: Warum Europas Winter jetzt in Washington und Teheran entschieden wird“ (28.09.2026)
Die Analyse stelle die Abhängigkeit Europas von den Entwicklungen in Washington und Teheran heraus und verweise auf niedrige deutsche Gasspeicherstände sowie mögliche Belastungen für Gaspreise, Dünger und Verbraucher. Anders als der Euronews-Bericht richte sie den Schwerpunkt stärker auf Deutschlands Verwundbarkeit; offen bleibe, wie lange die Einschränkungen im Golf andauerten und welche Folgen daraus für die Winterversorgung entstünden.
Beide Beiträge bestätigten die internationale Bedeutung des Konflikts für Energiepreise und Gaslieferungen, setzten aber unterschiedliche Akzente: Euronews beschreibe vor allem die europäische Versorgungslage, während die Berliner Zeitung die politischen und wirtschaftlichen Folgen für Deutschland hervorhebe.
