INS Drakon: Neues deutsches U-Boot in Israel eingetroffen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas neue israelische U-Boot „INS Drakon“ ist nach einer mehrwöchigen Fahrt von Deutschland im Hafen der Mittelmeerstadt Haifa eingetroffen.
Sechstes und größtes U-Boot
Das von dem Kieler Marineschiffbauer TKMS gebaute Schiff ist das sechste und letzte U-Boot der Dolphin-Reihe. Mit mehr als 70 Metern Länge ist es das größte U-Boot der israelischen Marine und mit zehn Torpedorohren ausgerüstet.
Israels Präsident Izchak Herzog sprach bei einer Zeremonie zur Ankunft von einer kaum zu begreifenden Symbolik. „81 Jahre nach den Schrecken des Holocaust baut der Nationalstaat des jüdischen Volkes gemeinsam mit Deutschland das ‚Kronjuwel‘ der weltweiten Verteidigungstechnologie“, sagte Herzog.
Marine soll weiter reichenden Einsatz ermöglichen
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte zuletzt eine deutliche Modernisierung und einen Ausbau der Marine angekündigt. Das deutsche U-Boot ist das erste größere Waffensystem, das im Rahmen des mehrjährigen Plans „Choschen“ zur Marine kommt.
Ziel ist nach israelischen Angaben, dass die Marine weiter entfernt von Israel, länger und mit größerer Feuerkraft operieren kann. Die „INS Drakon“ werde „mehr als alles andere den Wandel symbolisieren, den unsere Marine im vergangenen Jahr durchlaufen hat“, sagte Zamir.
Iran nicht ausdrücklich genannt
Die größere Reichweite gilt vor dem Hintergrund der fortwährenden Konfrontation mit dem Iran als bedeutsam. Zamir nannte Israels Erzfeind in seiner Rede allerdings nicht ausdrücklich.
Der Ausbau der Marine steht auch im Zusammenhang mit zunehmenden maritimen Bedrohungen in der Region. In der Straße von Hormus und im Roten Meer haben Iran und die mit Teheran verbündeten Huthi die freie Schifffahrt beeinträchtigt. Israel befürchtet, dass ähnliche Gefahren künftig auch andere Seewege, darunter das Mittelmeer, betreffen könnten.
Technische Details bleiben geheim
Mit 2.600 Tonnen ist die „INS Drakon“ nach Angaben der israelischen Wirtschaftszeitung „Calcalist“ das größte und schwerste U-Boot, das bisher in israelischen Dienst gestellt wird. Der Antrieb ermöglicht es dem U-Boot, länger unter Wasser zu bleiben, ohne Luft von außen aufnehmen zu müssen.
Die konkreten technischen Fähigkeiten sind weitgehend geheim. Das israelische Verteidigungsministerium spricht lediglich von „einzigartigen Systemen“ und „bahnbrechenden Technologien“.
Erst später voll einsatzbereit
Nach der Ankunft in Haifa ist das U-Boot zunächst noch nicht einsatzbereit. Zuerst sollen israelische Systeme eingebaut werden; die volle Einsatzbereitschaft wird erst einige Monate später erwartet.
Die gut dreiwöchige Reise von Kiel nach Israel erfolgte unter hoher Geheimhaltung und weitgehend unter Wasser. Die Lieferung deutscher U-Boote nach Israel ist ein zentrales Projekt der deutsch-israelischen Rüstungskooperation. Sie ist politisch umstritten, unter anderem wegen der möglichen Nachrüstung der Boote mit Atomwaffen und der Kritik an deutschen Rüstungsexporten nach Israel wegen des Vorgehens der israelischen Armee im Gazastreifen.
Teil einer langfristigen Rüstungskooperation
Die Ankunft der „INS Drakon“ markiert den Abschluss der Lieferung von sechs U-Booten der Dolphin-Reihe an Israel. Deutschland und Israel arbeiten bei diesen Schiffen seit vielen Jahren zusammen. Die Boote werden in Kiel gebaut und anschließend für die israelische Marine angepasst.
Für Israel verbindet das neue U-Boot militärische Reichweite mit strategischer Abschreckung. U-Boote können lange unentdeckt operieren und gelten deshalb als besonders widerstandsfähig gegen einen Angriff auf die eigenen Streitkräfte. Welche Bewaffnung die „INS Drakon“ konkret trägt, bleibt ebenso geheim wie Einzelheiten ihrer Einsatzmöglichkeiten.
Bedeutung für die regionale Sicherheitslage
Die Modernisierung fällt in eine Phase, in der Israel seine Sicherheitsinteressen stärker auf See absichert. Angriffe und Behinderungen der Schifffahrt im Roten Meer sowie Spannungen rund um die Straße von Hormus haben die Bedeutung geschützter Seewege erhöht. Zugleich bleibt der Konflikt mit dem Iran der zentrale strategische Bezugspunkt der israelischen Verteidigungsplanung.
Das U-Boot ist nach der Ankunft zunächst noch nicht voll einsatzbereit, weil israelische Systeme eingebaut werden sollen. Die Lieferung steht zudem politisch unter besonderer Beobachtung: Deutsche Rüstungsexporte nach Israel werden wegen des Gaza-Kriegs kontrovers bewertet, während Fachleute bei der Dolphin-Klasse grundsätzlich auch eine mögliche nukleare Rolle diskutieren. Konkrete Angaben zur Bewaffnung der „INS Drakon“ liegen nicht vor.
