Huthi kontrollieren gesamte jemenitische Rotmeer-Küste – Bab al-Mandab unter Druck
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 16:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen kontrollieren nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen inzwischen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen samt strategisch wichtiger Inseln und erhöhen damit ihren Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab.
Huthi erweitern Kontrolle über zentrale Schifffahrtsroute
Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist Teil der Schifffahrtsroute vom Mittelmeer über den Suezkanal in den Indischen Ozean. Die Route gilt als kürzester Seeweg zwischen Europa und Asien. Mit der neuen Lage können die Huthi Handels- und andere Schiffe im Roten Meer gezielter angreifen oder stören als zuvor, was den für den Welthandel wichtigen Schifffahrtsweg zusätzlich bedroht.
Ölpreis steigt nach jüngsten Entwicklungen deutlich
Bereits in der Nacht auf Freitag hat der Ölpreis deutlich zugelegt. Ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November kostete zeitweise fast 110 US-Dollar. Die stark beeinträchtigte Straße von Hormus ist vor allem für den Öl- und Flüssigerdgashandel bedeutsam, während Bab al-Mandab für den gesamten Waren- und Rohstoffverkehr zwischen Europa und Asien eine Schlüsselrolle spielt.
Mokka fällt an die Huthi – Regierung antwortet mit Luftangriffen
Erst vor Kurzem hatten die Rebellen die jemenitische Hafenstadt Mokka eingenommen. Mit den jüngsten Vorstößen kontrollieren sie nun die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen. Die international anerkannte jemenitische Regierung reagierte nach dpa-Informationen mit Luftangriffen auf Huthi-Kämpfer am Hafen und am Flughafen von Mokka.
Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer
Von ihren neuen Positionen aus können die Huthi Handels- und andere Schiffe im Roten Meer leichter ins Visier nehmen. In den vergangenen Jahren griffen sie dort mehrfach Schiffe an, versenkten oder kaperten sie und störten damit den internationalen Schiffsverkehr. Im Zuge des Gaza-Kriegs hatten die Huthi aus Solidarität mit der Hamas wiederholt Schiffe attackiert und im Juli nach saudisch geführten Angriffen eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien angekündigt.
Militärexperten sehen strategischen Rückschlag für den Westen
Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den USA und dem Iran bewertet der israelische Militärexperte Danny Citrinowicz die Entwicklung als schweren Rückschlag für den Westen. Auf der Plattform X sprach er von einem seltenen strategischen Versagen dieser Größenordnung und betonte, es handele sich nicht nur um ein Problem für Saudi-Arabien, sondern um ein internationales Problem.
Iranische Unterstützung und regionale Achse des Widerstands
Irans Vizepräsident Mohammed Resa Aref gratulierte den Huthi-Rebellen nach ihrem Vormarsch und sprach auf X von Siegen des „heldenhaften Volkes des Jemen“. Die Huthi gehören zur sogenannten iranischen „Achse des Widerstands“, einem Netzwerk vom Iran unterstützter Milizen. Teheran unterstützt sie ähnlich wie die Hisbollah im Libanon mit Waffen, Technologie, Fachwissen und finanziellen Mitteln.
Saudi-Arabien und Verbündete auf der Gegenseite
Auf der Gegenseite stehen die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierung und regierungstreue Kräfte. Die sogenannten Nationalen Widerstandskräfte gelten als strategische Partner der Regierung im Kampf gegen die Huthi. Das saudisch angeführte Bündnis fliegt Luftangriffe gegen Stellungen der Rebellen.
Engstelle mit erheblicher Bedeutung für den Welthandel
Die Meerenge Bab al-Mandab ist an ihrer schmalsten Stelle etwa 20 Kilometer breit und damit deutlich schmaler als die Straße von Hormus mit rund 50 Kilometern. Die stärkere Kontrolle des Zugangs durch die Huthi wird als erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr betrachtet. USA und EU setzen bereits Militäreinsätze ein, um Handelsschiffe besser vor Angriffen der Miliz zu schützen.
Fluchtbewegungen und humanitäre Folgen im Jemen
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind durch die jüngsten Entwicklungen mehr als 46.000 Menschen zur Flucht gezwungen worden. Familien müssten teils zum zweiten oder dritten Mal ihre Heimat verlassen und hätten kaum noch Besitz, erklärte die Chefin der Internationalen Organisation für Migration, Amy Pope. In der Nacht sollen viele Menschen mit ihren Habseligkeiten aus Mokka geflohen sein, ganze Dörfer seien mancherorts verlassen worden.
Appell der IOM und Gespräche über Straße von Hormus
Die Internationale Organisation für Migration fordert die Konfliktparteien auf, humanitären Zugang zu gewährleisten und die Sicherheit von Helfern zu garantieren. Zugleich bereiten der Iran und Staaten am Persischen Golf ein Treffen zur Lage an der Straße von Hormus vor, das am Montag im Oman stattfinden soll. Außenminister mehrerer Länder wollen dort über einen Mechanismus beraten, wie der Schiffsverkehr durch die Meerenge geregelt werden kann.
Strategische Bedeutung von Bab al-Mandab
Die Kontrolle der Huthi über die gesamte jemenitische Küste des Roten Meers und vorgelagerte Inseln verschiebt das militärische und wirtschaftliche Kräfteverhältnis an einer der sensibelsten Engstellen des Welthandels. Über Bab al-Mandab und den Suezkanal laufen zentrale Versorgungsströme für Europa und Teile Asiens, darunter Containerwaren, Industrievorprodukte sowie Energieimporte. Eine militärisch dominierende Akteursgruppe mit einer Vorgeschichte gezielter Angriffe auf Handelsschiffe erhöht das Risiko für Reedereien, Versicherer und Importeure erheblich. Viele Reedereien dürften ihre Routen anpassen oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, was die Kosten des Seehandels steigen lässt.
Regionale Machtverschiebung und Rolle Irans
Politisch bedeutet der Vormarsch einen empfindlichen Rückschlag für die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierung. Die Huthi stärken ihre Position als zentraler Machtfaktor im Bürgerkriegsland und als Teil der iranischen „Achse des Widerstands“. Ihre erweiterten militärischen Fähigkeiten an der Meerenge verschaffen Teheran zusätzliche Hebel im Konflikt mit den USA und ihren Verbündeten: Neben der Straße von Hormus gewinnt Bab al-Mandab als Druckmittel gegenüber westlichen Staaten und Golfmonarchien an Gewicht. Glückwünsche aus der iranischen Führung unterstreichen, dass Teheran den Vorstoß als strategischen Erfolg betrachtet und den Huthi in ihrem Kampf gegen Saudi-Arabien und die international anerkannte Regierung den Rücken stärkt.
Folgen für Energiepreise und humanitäre Lage
Der deutlich gestiegene Ölpreis verweist auf die Nervosität der Märkte angesichts möglicher Störungen gleich mehrerer Routen für Öl und Flüssigerdgas. Unternehmen müssen mit längeren Transportwegen und höheren Versicherungsprämien rechnen, was sich mittelfristig auf Verbraucherpreise auswirken kann. Zugleich verschärft sich die ohnehin dramatische humanitäre Situation im Jemen: Zehntausende Menschen wurden in kurzer Zeit erneut zur Flucht gezwungen, Hilfsorganisationen drängen auf sicheren Zugang zu den betroffenen Regionen. Militärische Schutzoperationen von USA und EU stehen vor der Aufgabe, den Schiffsverkehr abzusichern, ohne den Konflikt weiter zu eskalieren – eine Gratlinie zwischen Sicherheit, geopolitischen Interessen und humanitären Verpflichtungen.
