Huthi-Rebellen kontrollieren Rotmeer-Küste des Jemen und sichern Zugriff auf Bab al-Mandab
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 14:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen kontrollieren nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen inzwischen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen und mehrere strategisch wichtige Inseln.
Miliz sichert Zugriff auf Bab al-Mandab
Mit ihrem Vormarsch haben die Huthi ihren Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab deutlich ausgeweitet, durch die eine der zentralen Schifffahrtsrouten der Welt führt. Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist Teil der Route, die vom Mittelmeer über den Suezkanal in den Indischen Ozean führt. Diese Verbindung gilt als kürzester Seeweg zwischen Europa und Asien und ist für den globalen Warenverkehr von hoher Bedeutung.
Verflechtung mit anderer Engstelle für den Ölhandel
Die Straße von Hormus, die infolge des Iran-Kriegs stark beeinträchtigt ist, spielt vor allem für den Export von Öl und Flüssigerdgas aus dem Persischen Golf eine Schlüsselrolle. Der Bab al-Mandab ist hingegen für den gesamten Waren- und Rohstoffverkehr zwischen Europa und Asien wichtig. Die jüngsten Entwicklungen an beiden Engstellen verstärken die Sorge vor weiteren Störungen der internationalen Schifffahrtswege.
Ölpreis reagiert auf Lage im Jemen
Der Ölpreis ist in der Nacht auf Freitag deutlich gestiegen. Ein Barrel der Nordsee-Referenzsorte Brent mit Lieferung im November kostete zeitweise fast 110 US?Dollar. Marktbeobachter führen den Anstieg maßgeblich auf die zunehmenden Risiken für den Seehandel im Umfeld der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten zurück.
Kämpfe um Hafenstadt Mokka
Erst vor kurzem hatten die Huthi die jemenitische Hafenstadt Mokka eingenommen. Mit den jüngsten Vorstößen kontrolliert die Miliz nun die gesamte Rotmeer-Küste des Landes. Die international anerkannte jemenitische Regierung reagierte nach dpa-Informationen mit Luftangriffen auf Huthi-Kämpfer am Hafen und am Flughafen von Mokka.
Bedrohung für Schifffahrt nimmt zu
Von ihren neuen Positionen entlang der Küste und auf Inseln aus können die Huthi Handels- und andere Schiffe im Roten Meer gezielter angreifen oder stören als bisher. Der für den Welthandel zentrale Schifffahrtsweg durch das Rote Meer und den Bab al-Mandab gilt damit als noch stärker gefährdet als zuvor. Die Miliz hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen, teilweise versenkt oder gekapert.
Bewertung von Experten und Reaktionen aus Teheran
Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sprach der israelische Militärexperte Danny Citrinowicz von einem erheblichen Rückschlag für den Westen. Auf der Plattform X schrieb er, im Mittleren Osten habe es selten ein strategisches Versagen dieser Größenordnung gegeben und der jüngste Vormarsch der Huthi sei ein internationales Problem, nicht allein ein saudisches. Irans Vizepräsident Mohammed Resa Aref gratulierte der Miliz auf X und erklärte, man freue sich über die Siege des „heldenhaften Volkes des Jemen“.
Teil der iranischen „Achse des Widerstands“
Im Jemen ist der seit Jahren andauernde Konflikt zuletzt wieder aufgeflammt. Die Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete. Sie gehören zur iranischen „Achse des Widerstands“, einem Netzwerk regionaler Milizen, die von Teheran unterstützt werden. Der Iran versorgt die Huthi nach Einschätzung von Beobachtern ähnlich wie die Hisbollah im Libanon mit Waffen, Technologie, Fachwissen und finanziellen Mitteln.
Saudi-Arabien und Verbündete unter Druck
Auf der Gegenseite stehen die jemenitische Regierung, die von Saudi-Arabien gestützt wird, und regierungstreue Kräfte. Dazu zählen etwa die sogenannten Nationalen Widerstandskräfte, die zu strategischen Partnern der Regierung im Kampf gegen die Huthi geworden sind. Das von Saudi-Arabien angeführte Bündnis fliegt Luftangriffe gegen die Miliz und versucht, deren Vormarsch zu stoppen.
Enge Meerenge mit großer Wirkung
Die Meerenge Bab al-Mandab ist an ihrer schmalsten Stelle nur rund 20 Kilometer breit und damit deutlich enger als die etwa 50 Kilometer breite Straße von Hormus. Die stärkere Kontrolle des Zugangs durch die Huthi wird als erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr gewertet. Die USA und die EU setzen militärische Mittel ein, um Handelsschiffe im Gebiet besser vor Angriffen der Miliz zu schützen.
Angriffe seit Gaza-Krieg und angekündigte Blockade
Bereits im Zuge des Gaza-Kriegs hatten die Huthi aus Solidarität mit der Hamas wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen und den internationalen Schiffsverkehr erheblich gestört. Nach Angriffen eines saudisch geführten Bündnisses kündigte die Miliz im Juli eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien an, griff seitdem mehrere Schiffe an und zwang weitere zu Kursänderungen.
Zehntausende Menschen auf der Flucht
Die militärischen Entwicklungen haben nach Angaben der Vereinten Nationen zusätzlich mehr als 46.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Familien müssten demnach zum zweiten oder dritten Mal vor den Kämpfen fliehen und hätten kaum noch Besitz. In der Nacht seien zahlreiche Menschen mit ihren Habseligkeiten aus der Hafenstadt Mokka geflohen, nachdem die Huthi diese strategisch wichtige Stadt am Donnerstag eingenommen hatten. In einigen Regionen des Bürgerkriegslands sollen ganze Dörfer verlassen worden sein. Die Internationale Organisation für Migration forderte die Konfliktparteien auf, humanitären Zugang zu ermöglichen und die Sicherheit von Helferinnen und Helfern zu gewährleisten.
Strategische Bedeutung von Bab al-Mandab
Die Kontrolle der jemenitischen Rotmeer-Küste durch die Huthi-Miliz verändert das militärische und wirtschaftliche Kräfteverhältnis an einer der wichtigsten Engstellen des Welthandels. Bab al-Mandab ist zusammen mit der Straße von Hormus und dem Suezkanal Teil einer durchgängigen Verbindung zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien. Wer ihre Zufahrten militärisch beeinflussen kann, verfügt über ein wirkungsvolles Druckmittel gegenüber Staaten und Unternehmen, die auf störungsfreie Lieferketten angewiesen sind.
Schon die bisherigen Angriffe der Huthi auf Handelsschiffe im Zuge des Gaza-Kriegs hatten Reedereien zu Kursänderungen, längeren Fahrwegen und höheren Versicherungsprämien gezwungen. Mit der nun geschilderten Ausweitung des Einflusses entlang der Küste und auf vorgelagerte Inseln wächst die Gefahr, dass einzelne Routen zeitweise unbenutzbar werden oder großräumig umfahren werden müssen. Das erhöht Kosten, verlängert Lieferzeiten und kann bei empfindlichen Gütern oder knapp bemessenen Lagerbeständen rasch zu Engpässen führen.
Ölmarkt und globale Folgen
Der Anstieg des Ölpreises auf nahezu 110 US?Dollar je Barrel verdeutlicht, wie sensibel die Märkte auf militärische Verschiebungen an kritischen Knotenpunkten reagieren. Der Fokus lag zuletzt stark auf der Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil des Öl- und Flüssigerdgas-Exports aus dem Persischen Golf abgewickelt wird. Mit dem verstärkten Zugriff der Huthi auf Bab al-Mandab gerät nun zusätzlich die maritime Verbindung zwischen Europa und Asien unter Druck, was über höhere Transport- und Versicherungskosten auch andere Rohstoffe und Konsumgüter verteuern kann.
Regionale Machtbalance und humanitäre Dimension
Politisch ist der Vormarsch der Huthi ein Rückschlag für die von Saudi-Arabien gestützte jemenitische Regierung und ihre Verbündeten. Die Miliz ist eingebunden in ein regionales Netzwerk iranisch unterstützter Akteure, was den Konflikt über den Jemen hinaus zu einem Teil der Auseinandersetzung zwischen Iran und westlichen Staaten macht. Die Reaktionen aus Teheran unterstreichen diesen Zusammenhang. Zugleich verschärft die militärische Entwicklung die ohnehin dramatische humanitäre Lage im Jemen: Zehntausende Menschen wurden nach UN-Angaben erneut zur Flucht gezwungen, ganze Dörfer sollen verlassen worden sein. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass Lieferkettenstörungen und Preisbewegungen auf globalen Märkten eng mit lokalen Konflikten und menschlichen Schicksalen verknüpft sind.
