US-Midterms 2026, Demokraten

US-Midterms 2026: Demokraten hoffen auf blaue Welle

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 05:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Demokraten hoffen bei den US-Midterms auf Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat. Gleichzeitig fehlen der Partei eine einende Führung, ein klarer Kurs und ausreichende Finanzmittel.

Demokratische Kandidaten und Wahlkampfkassen

  • Die Partei sucht nach der Niederlage von Kamala Harris weiterhin eine landesweit überzeugende Führungspersönlichkeit.
  • Bei den Vorwahlen setzte sich weniger als ein Fünftel der linken Kandidaten durch.
  • Für Senatswerbung werden bei den Republikanern fast eine Milliarde und bei den Demokraten etwa 625 Millionen US-Dollar erwartet.
  • Der Wahlkampf in den USA biegt auf die Zielgerade ein: Nächsten Dienstag wird abgestimmt. (Archivbild) - Bild: Paul Sancya/AP/dpa
  • Texas ist zu einem umkämpften Bundesstaat im Wahlkampf geworden. (Archivbild) - Bild: Eric Gay/AP/dpa
  • Die demokratische Partei hadert immer wieder mit Geld. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
  • Auf Wahlkampfhilfe: Obama unterstützt die Demokraten vor den Parlamentswahlen. (Archivbild) - Bild: Paul Sancya/AP/dpa
  • Der Esel ist das Symbol der Demokratischen Partei. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
  • El-Sayed gehört zu den prominentesten Kandidaten im Midterms-Wahlkampf. (Archivbild) - Bild: Paul Sancya/AP/dpa
Der Wahlkampf in den USA biegt auf die Zielgerade ein: Nächsten Dienstag wird abgestimmt. (Archivbild) - Bild: Paul Sancya/AP/dpa Texas ist zu einem umkämpften Bundesstaat im Wahlkampf geworden. (Archivbild) - Bild: Eric Gay/AP/dpa Die demokratische Partei hadert immer wieder mit Geld. (Archivbild)  - Bild: Anna Ringle/dpa Auf Wahlkampfhilfe: Obama unterstützt die Demokraten vor den Parlamentswahlen. (Archivbild) - Bild: Paul Sancya/AP/dpa Der Esel ist das Symbol der Demokratischen Partei. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa El-Sayed gehört zu den prominentesten Kandidaten im Midterms-Wahlkampf. (Archivbild) - Bild: Paul Sancya/AP/dpa

Demokraten kämpfen an mehreren Fronten

Die Demokraten in den USA hoffen bei den Parlamentswahlen am Dienstag auf ein Comeback nach der Niederlage von Kamala Harris gegen Donald Trump. Eine «blaue Welle» mit Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat könnte dem Präsidenten seine verbleibende Amtszeit erschweren und die Ausgangslage der Partei für die nächste Präsidentenwahl verbessern.

Eine Galionsfigur fehlt

Seit der Niederlage im Präsidentschaftswahlkampf 2024 fehlt den Demokraten eine einende Persönlichkeit mit landesweiter Ausstrahlung. Zwar gibt es prominente Politiker in Senat, Kongress und Gouverneursämtern, doch niemand hat sich klar an die Spitze gesetzt.

Barack Obama unterstützt die Partei im Wahlkampf. Einen Nachfolger mit vergleichbarer Wirkung haben die Demokraten bislang nicht gefunden. Nach den Midterms beginnt traditionell die Vorbereitung auf die Präsidentschaftswahl 2028.

Streit über den politischen Kurs

Die Partei ringt zudem um eine gemeinsame Ausrichtung. Moderate Kandidaten wie Jon Ossoff aus Georgia und James Talarico aus Texas werben mit niedrigeren Wohn- und Lebenshaltungskosten sowie einer gerechteren Steuerlast.

Der linke Flügel fordert unter anderem eine allgemeine Krankenversicherung, mehr Klimaschutz und den vollständigen Erlass von Studiengebühren. Die Politologin Cathryn Clüver Ashbrook sagte der Deutschen Presse-Agentur, den Demokraten fehle ein gemeinsames Ziel, während sich die Maga-Bewegung trotz interner Konflikte hinter dem Streben nach umfassender exekutiver Kontrolle versammle.

Bei den Vorwahlen setzte sich laut einer Brookings-Auswertung sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern eine größere Zahl gemäßigter Kandidaten durch. Bei den linken Demokraten schaffte weniger als ein Fünftel der Kandidaten die Vorwahl; von den DSA-Kandidaten gewann einer von fünf.

Linke Kandidaten mit unterschiedlichen Chancen

In Wisconsin unterlag die linke Kandidatin Francesca Hong dem moderateren David Crowley im Rennen um das Gouverneursamt. In Michigan setzte sich dagegen der linke Demokrat und gläubige Muslim Abdul El-Sayed durch, der in den US-Senat einziehen will.

El-Sayed tritt unter anderem für eine allgemeine Gesundheitsversorgung, ein Verbot von Spenden aus Unternehmen und Lobbyorganisationen sowie die Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE ein. Donald Trump bezeichnete ihn im Wahlkampf als «Dschihadisten».

Parteikasse unter Druck

Auch die Finanzierung belastet die Demokraten. Die Parteizentrale DNC soll Dienstleister um spätere Rechnungsstellung gebeten und eine neue Kreditlinie aufgenommen haben, für die das Parteigebäude als Sicherheit hinterlegt worden sein soll.

Bei den erwarteten Werbeausgaben liegen die Republikaner im Senatswahlkampf vorn. Bis November werden für sie fast eine Milliarde US-Dollar prognostiziert, für die Demokraten etwa 625 Millionen. Bei den Rennen um das Repräsentantenhaus werden für beide Parteien ähnliche Summen erwartet.

Einzelne demokratische Kandidaten sammeln dennoch große Direktspenden. Jon Ossoff aus Georgia kommt laut Angaben der Bundeswahlkommission auf rund 131,1 Millionen US-Dollar, James Talarico aus Texas auf knapp 128,8 Millionen.

Die US-Midterms am 3. November 2026 sind die erste landesweite Bewährungsprobe für Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt. Gewinnen die Demokraten die Mehrheit in einer oder beiden Kongresskammern, könnten sie Gesetzesvorhaben blockieren, Untersuchungen einleiten und den politischen Druck auf die Regierung erhöhen.

Die Ausgangslage ist deshalb widersprüchlich: Aktuelle Wahlprognosen und Analysen sehen Chancen für demokratische Zugewinne, zugleich bleiben die Mehrheitsverhältnisse im Senat besonders schwierig. Dort werden nur gut ein Drittel der Sitze neu vergeben, während das gesamte Repräsentantenhaus zur Wahl steht.

Mehrheiten und politische Botschaften

Für die Demokraten geht es nicht nur um die Kontrolle des Kongresses. Ein Erfolg würde der Partei nach der Niederlage von Kamala Harris gegen Trump organisatorischen Auftrieb geben und die Auswahl möglicher Bewerber für die Präsidentschaftswahl 2028 beeinflussen.

Die Partei muss dabei unterschiedliche Wählergruppen verbinden. Themen wie Lebenshaltungskosten, Wohnen und Steuern sollen moderate Wähler erreichen, während linke Kandidaten mit Forderungen nach allgemeiner Gesundheitsversorgung, Klimaschutz und einer Reform der Einwanderungspolitik mobilisieren. Gerade bei umkämpften Senatsrennen kann diese Spannweite zur Stärke oder zur Belastung werden.

Entscheidung in umkämpften Staaten

Besondere Bedeutung haben Bundesstaaten wie Michigan, Georgia, Texas und Wisconsin. Dort treffen günstige nationale Trends für die Opposition auf individuelle Kandidaten, lokale Themen und hohe Anforderungen an die Finanzierung. Das Ergebnis wird daher nicht allein durch Trumps Zustimmungswerte bestimmt, sondern auch durch die Fähigkeit der Demokraten, ihre unterschiedlichen Flügel hinter gemeinsamen Botschaften zu versammeln.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Midterms 2026: In welchen Bundesstaaten sich die Wahl entscheiden könnte“ (27.10.2026)

Der Beitrag ordne die entscheidenden Bundesstaaten und Kandidaten ein und hebe Abdul El-Sayed in Michigan als besonders prägende Figur hervor. Damit bestätige er die Bedeutung einzelner Senatsrennen, setze aber stärker auf die regionale Verteilung der Entscheidungen als auf die innerparteiliche Organisation.

Frankfurter Rundschau: „Demokraten reiten auf der blauen Welle – doch die Republikaner haben drei Wege, den Senat zu halten“ (26.10.2026)

Der Artikel beschreibe mögliche demokratische Mehrheiten in beiden Kammern, konzentriere sich jedoch auf die Wege, über die Republikaner den Senat verteidigen könnten. Einigkeit bestehe über die offene Mehrheitsfrage; unterschiedlich gewichtet würden die demokratischen Chancen und die strategischen Hürden im Senat.

Übergreifend zeichne sich damit ein enges Rennen ab: Die Demokraten könnten von nationaler Unzufriedenheit profitieren, müssen aber Kandidaten, Regionen und Parteiflügel zusammenführen. Offen bleibt insbesondere, ob Zugewinne im Repräsentantenhaus auch für eine Senatsmehrheit reichen.

Disclaimer...
de | ausland | 70423836 |