Johann Wadephul, Sergei Lawrow

Wadephul trifft Lawrow in New York – SPD sieht Auftakt

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 14:07 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic bewertet den Austausch als wichtigen Auftakt für intensivere diplomatische Bemühungen. Grünen-Politiker Omid Nouripour verteidigt das Gespräch, warnt aber vor einer möglichen Schwächung der europäischen Geschlossenheit.

SPD sieht Wadephul-Lawrow-Treffen als wichtigen ersten Schritt
Johann Wadephul (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic bewertet das Treffen von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) mit seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow als „wichtigen ersten Schritt“ zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine. Das Gespräch fand am Rande der UN-Generalversammlung in New York statt.

Ahmetovic sagte der „Rheinischen Post“, neben der humanitären, finanziellen und militärischen Unterstützung für die Ukraine müssten verstärkt diplomatische Bemühungen treten. Weitere Vorstöße sollten aus seiner Sicht in Abstimmung mit Frankreich und Großbritannien im E3-Format folgen.

Wadephul erhält Rückendeckung

Auch Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) nahm Wadephul nach dem Gespräch in Schutz. Verhandlungen mit dem Kreml seien nur erfolgreich, wenn der russische Präsident Wladimir Putin den Willen zum Frieden habe; dieser fehle derzeit vollständig, sagte Nouripour dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Trotzdem sei es richtig gewesen, dass Wadephul sich mit Lawrow getroffen habe. Europa könne sich nicht darauf verlassen, dass US-Präsident Donald Trump seine Interessen vertrete, erklärte Nouripour.

Nouripour warnt vor Alleingängen

Nach Nouripours Darstellung habe das Gespräch zugleich gezeigt, dass Russland derzeit nicht an einer konstruktiven Verständigung interessiert sei. Er hoffe, Wadephul habe den Austausch mit Polen und anderen EU-Partnern abgestimmt. Andernfalls könne das Vorgehen die europäische Einigkeit schwächen.

Das Gespräch in New York fällt in eine Phase, in der Deutschland und seine europäischen Partner gleichzeitig militärische Unterstützung für die Ukraine leisten und diplomatische Wege offenhalten. Wadephul erklärte nach dem Austausch, Russland müsse den Krieg beenden und in eine konstruktive Verhandlungsposition eintreten. Ein unmittelbarer Durchbruch blieb aus.

Für Berlin hat der direkte Kontakt dennoch eine doppelte Funktion: Er ermöglicht, deutsche Positionen unmittelbar gegenüber Moskau zu formulieren, ohne die Unterstützung der Ukraine aufzugeben. Nach Angaben Wadephuls ging es neben dem Krieg auch um Getreideexporte sowie um einen Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Damit berührte das Gespräch sowohl humanitäre Fragen als auch die Sicherheitslage in Deutschland und Europa.

Diplomatie trotz verhärteter Fronten

Das Treffen war das erste bilaterale Gespräch auf Außenministerebene seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine 2022. Diese lange Unterbrechung verdeutlicht die politische Distanz zwischen beiden Staaten. Zugleich zeigt die Reaktion aus SPD und Grünen, dass der Gesprächskanal in Teilen des Bundestags als notwendig angesehen wird, auch wenn die Erwartungen an konkrete Ergebnisse gering bleiben.

Entscheidend ist nun, ob aus dem einmaligen Kontakt weitere Gespräche entstehen und ob europäische Partner eng eingebunden werden. Ahmetovic verwies deshalb auf Frankreich und Großbritannien im E3-Format, während Nouripour vor einer Schwächung der europäischen Geschlossenheit warnte. Für die weitere deutsche Ukraine- und Russlandpolitik bleibt damit die Verbindung von Gesprächsbereitschaft, europäischer Abstimmung und fortgesetzter Unterstützung Kiews maßgeblich.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Wadephul zum Treffen mit Lawrow: "Mit Gegnern muss man verhandeln"“ (27.09.2026)

Der Beitrag bestätigt das erste Treffen der Außenminister seit Beginn des russischen Angriffskrieges und stellt Wadephuls Begründung für den Gesprächskanal heraus. Anders als die politische Einordnung der SPD konzentriert sich der Artikel auf die Gesprächsinhalte, darunter Getreideexporte, den Drohnenvorfall in Leipzig und die ausbleibende russische Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen.

n-tv: „"Es war ein intensives Gespräch": Wadephul trifft Lawrow erstmals seit Beginn des Ukraine-Krieges“ (26.09.2026)

n-tv bestätigt die rund 20-minütige Dauer und hebt hervor, dass keine Annäherung erkennbar war. Der Schwerpunkt liegt auf den unterschiedlichen Darstellungen des Zustandekommens und der Bewertung durch Wadephul und Lawrow sowie auf dem angespannten deutsch-russischen Verhältnis.

Übergreifend besteht Einigkeit, dass der direkte Kontakt stattfand, aber keinen Durchbruch brachte. Offen bleibt, ob daraus weitere Gespräche im europäischen Rahmen entstehen und ob Moskau seine Haltung zu Verhandlungen verändert.

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