Flydubai-Copilot wollte offenbar Ben-Gurion-Flughafen stürzen lassen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 19:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Copilot eines Flydubai-Flugs von Dubai nach Tel Aviv wollte die Maschine nach Angaben der Ermittler in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf den Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv stürzen lassen.
Angriff im Cockpit
Der aus dem Oman stammende 29-Jährige habe geplant, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen und einen Selbstmordanschlag auf das Passagierterminal zu verüben, sagte der emiratische Generalstaatsanwalt Hamad al-Shamsi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur WAM.
Der Verdächtige habe sich demnach bei zwei früheren Flügen nach Tel Aviv mit der Route und dem Flughafen vertraut gemacht. In den Ermittlungen habe er erklärt, allein gehandelt zu haben.
Passagiere überwältigen Copiloten
Der Flug war am 30. September von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als es zu einem mutmaßlichen Angriff auf den Piloten kam. Der Copilot soll ihn mit einer Rettungsaxt angegriffen haben.
Trotz schwerer Verletzungen konnte der Pilot die Cockpit-Tür öffnen. Passagiere drangen daraufhin ein und überwältigten den Angreifer. Eine zweite Besatzung landete die während der Attacke stark abgesackte Maschine im saudi-arabischen Tabuk.
Ermittler sehen Radikalisierung
Nach Darstellung des emiratischen Generalstaatsanwalts gab es bereits 2017 erste Anzeichen dafür, dass sich der Mann während seines Studiums in Australien Extremismus und Terrorismus zugewandt habe. Er habe sich von den Anschlägen vom 11. September 2001 inspirieren lassen. Der Gedanke, eine ähnliche Aktion mit einem Flugzeug durchzuführen, habe sich laut al-Shamsi fest in seinem Denken verankert.
Der Verdächtige hatte im Januar dieses Jahres bei Flydubai angefangen. Zuvor soll er für mehrere Fluggesellschaften in verschiedenen Ländern gearbeitet haben.
Sicherheitsrisiko im Cockpit
Der Vorfall macht deutlich, dass die Sicherheit eines Linienfluges nicht allein von Kontrollen am Boden abhängt. Ein Angriff aus dem Cockpit kann innerhalb weniger Minuten eine große Zahl von Menschen gefährden. Deshalb gehören Zugangsschutz, die Kommunikation zwischen Besatzungsmitgliedern und Verfahren für medizinische oder gewaltsame Notlagen zu den zentralen Elementen der Flugsicherheit.
Besonders schwer wiegt in diesem Fall der Vorwurf, der Copilot habe sich bei früheren Flügen mit der Strecke und dem Flughafen vertraut gemacht. Sollte sich diese Darstellung im weiteren Verfahren bestätigen, würde der Vorgang über eine spontane Gewalttat hinausweisen. Er beträfe dann auch die Frage, wie Fluggesellschaften sicherheitsrelevante Warnsignale bei der Einstellung und im laufenden Beschäftigungsverhältnis erkennen können.
Regionale Folgen für den Luftverkehr
Die Strecke zwischen Dubai und Tel Aviv verbindet zwei wichtige Zentren des Nahostverkehrs. Der mutmaßliche Anschlagsplan richtet sich damit nicht nur gegen ein einzelnes Flugzeug, sondern gegen die Sicherheit eines internationalen Flughafens und das Vertrauen in grenzüberschreitende Verbindungen. Die Landung in Tabuk zeigt zugleich, wie stark Besatzungen und Flughäfen auf Ausweich- und Notfallverfahren angewiesen sind.
Für Reisende bedeutet der Fall vor allem, dass Sicherheitsmaßnahmen auch nach dem Boarding fortgesetzt werden müssen. Konkrete Änderungen für den regulären Flugbetrieb ergeben sich aus den vorliegenden Angaben noch nicht; im Mittelpunkt stehen zunächst die emiratischen Ermittlungen gegen den Verdächtigen.

