Xi und Trump in Washington: Staatsbesuch endet mit Harmonie und offenen Konflikten
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 20:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSChinas Präsident Xi Jinping hat seinen dreitägigen Staatsbesuch in Washington beendet, bei dem US-Präsident Donald Trump trotz zahlreicher Konflikte demonstrative Harmonie beschwor.
Viel Lob beim Staatsbankett
Trump empfing Xi mit militärischem Zeremoniell und einem Staatsbankett. Dabei betonte er, die Bande zwischen den Völkern beider Länder bestünden fort und die beiden Präsidenten hätten sich noch nie so gut verstanden wie jetzt.
Xi sprach von vielen neuen Einigungen, nannte jedoch keine Einzelheiten. Zugleich mahnte er die USA und China zu verantwortungsvollem Handeln und bezeichnete die Beziehungen als an einem historischen Ausgangspunkt.
Weitere Treffen vereinbart
Kurz vor Xis Abreise verständigten sich die Präsidenten auf ein weiteres Treffen im November beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft. Im Dezember soll ein Treffen beim G20-Gipfel in Miami folgen.
Vor seinem Abflug nahmen Trump und Xi an einer Teezeremonie teil und besuchten das Nationalarchiv. Trump teilte anschließend mit, es sei bereits viel erreicht worden und es werde noch viel erreicht werden.
Streit um Zugang für Medien
Überschattet wurde der Besuch vom Konflikt um den Zugang zum Weißen Haus. Mehrere große US-Sender hatten die Arbeit am Pool-TV eingestellt, nachdem CNN, MS NOW und Politico aus dem Weißen Haus verbannt worden waren.
Ein Richter hatte den Medien daraufhin vorläufig wieder Zugang angeordnet. Dennoch sei Journalisten von CNN und MS NOW beim Staatsbankett erneut der Zutritt verwehrt worden, meldeten die Sender.
Taiwan bleibt Streitpunkt
Bei seinem Treffen mit Trump unterstrich Xi Chinas Haltung zu Taiwan und forderte die USA auf, an ihrer Position gegen eine Unabhängigkeit der Insel festzuhalten. Peking beansprucht Taiwan für sich und schließt einen Militäreinsatz nicht aus.
Die USA unterstützen Taiwan mit Waffen, lassen aber traditionell offen, ob ihre Streitkräfte im Fall eines Angriffs eingreifen würden. Auch die Lage im Iran-Krieg, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der Zollstreit und die Sicherheit Künstlicher Intelligenz gehörten zum konfliktreichen Umfeld des Treffens.
Erster Empfang seit 2015
Für Xi war es die erste USA-Reise seit 2023 und der erste Staatsbesuch mit Empfang im Weißen Haus seit 2015. Direkt nach seiner Ankunft hatte die US-Regierung eine weitere Atempause im Zollstreit verkündet, die Peking zunächst nicht bestätigte.
Symbolik ersetzt keine Vereinbarungen
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Washington und Peking zugleich Partner, Wettbewerber und Gegenspieler sind. Der demonstrative Empfang soll Gesprächskanäle offenhalten und wirtschaftliche Stabilität signalisieren; konkrete Fortschritte bei Handel, Technologie und Sicherheitsfragen bleiben jedoch entscheidend.
Besonders sensibel ist Taiwan. Peking betrachtet die demokratisch regierte Insel als Teil Chinas und lehnt eine formelle Unabhängigkeit ab, während die USA Taiwan mit Waffen unterstützen und ihre militärische Reaktion im Konfliktfall bewusst offenlassen. Jede Formulierung der Präsidenten wird deshalb auch in Taipeh und bei den Verbündeten Washingtons aufmerksam bewertet.
Wirtschaft und globale Krisen als Belastungsproben
Der Zollstreit reicht über bilaterale Handelsfragen hinaus. China ist ein zentraler Abnehmer iranischen Öls und ein wichtiger Handelspartner Russlands. Neue US-Sanktionen oder Strafzölle könnten deshalb Lieferketten, Energiepreise und Pekings außenwirtschaftliche Spielräume beeinflussen.
Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet die angekündigte Atempause vor allem kurzfristige Planungssicherheit, nicht das Ende des Konflikts. Auch bei Künstlicher Intelligenz konkurrieren beide Staaten um technologische Standards, Investitionen und sicherheitspolitischen Einfluss. Die geplanten Treffen im November und Dezember schaffen Gelegenheiten für weitere Verhandlungen; ob daraus belastbare Abkommen entstehen, hängt von konkreten Zusagen zu Handel, Taiwan und geopolitischen Krisen ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Xi bei Trump: Fanfaren, Spalier, Bankett - aber kaum Lösungen“ (25.09.2026)
Der Bericht bestätige den pompösen Empfang und die betonte persönliche Harmonie, hebe aber hervor, dass bei den zentralen Konfliktthemen kaum greifbare Ergebnisse vorlägen. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt stärker auf die amerikanische Kritik am Empfang und auf die Bedeutung offener Gesprächskanäle.
Der Artikel bestätige die demonstrative Freundschaft und ergänze als eigenen Schwerpunkt angekündigte Panda- und Austauschprogramme. Zugleich berichte er von Trumps Darstellung großer Fortschritte, während konkrete Einzelheiten zu den politischen Vereinbarungen offenblieben.
Beide Berichte stimmten darin überein, dass die Inszenierung des Treffens von wirtschaftlichen und strategischen Konflikten begleitet werde; Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung von Kritik, Symbolik und ergänzenden Vereinbarungen.
