Ceuta: Felipe VI. besucht Exklave nach Migrantenansturm
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 14:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCeuta erwartet das Königspaar
- Felipe VI. und Letizia reisten zweieinhalb Monate nach dem Migrantenansturm in die Nordafrika-Exklave.
- Der letzte Besuch eines spanischen Königs in Ceuta fand 2007 mit Juan Carlos I. und Sofía statt.
- Am Mittwoch wollen die Royals auch die benachbarte Exklave Melilla besuchen.
Spaniens König Felipe VI. ist zweieinhalb Monate nach dem schweren Migrantenansturm gemeinsam mit Königin Letizia in Ceuta eingetroffen.
Tausende begrüßen Felipe und Letizia
Nach Schätzung des staatlichen Fernsehsenders RTVE säumten Tausende Menschen die Straßen und bejubelten das Königspaar. Felipe und Letizia schüttelten rund 20 Minuten lang Hände; dabei wurden spanische Fahnen geschwenkt und Rufe wie «Felipe, Felipe!» sowie «Viva España!» laut.
Der Besuch gilt als politisches Signal an die knapp 85.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Exklave. RTVE bezeichnete ihn als «historisch».
Gedenken an die Toten des Grenzgeschehens
Ende Juli waren nach verschiedenen Schätzungen bis zu 80.000 Migranten aus Marokko nach Ceuta gelangt. Felipe bezeichnete den Ansturm als «inakzeptable Verletzung einer spanischen und europäischen Grenze».
Nach einem Empfang im Rathaus wollen die Monarchen eine Schule besuchen und auf dem muslimischen Friedhof an einer interreligiösen Gedenkfeier teilnehmen. Sie erinnert an Menschen, die am 30. und 31. Juli beim Versuch starben, über das Meer nach Ceuta zu gelangen.
Mehr als 80 Tote wurden damals geborgen. Hilfsorganisationen gehen von einer deutlich höheren Zahl aus.
Erstmals Übernachtung seit Franco-Diktatur
Felipe und Letizia wollen erstmals auch in Ceuta übernachten. Eine Übernachtung eines spanischen Königspaares in der Exklave wäre seit dem Ende der Franco-Diktatur Mitte der 1970er Jahre ein Novum.
Der letzte Besuch eines spanischen Staatsoberhaupts in Ceuta und Melilla liegt knapp zwei Jahrzehnte zurück. 2007 waren Juan Carlos I. und Königin Sofía dort.
Aufnahmezentrum statt Strandlager
Die Lage in Ceuta hat sich seit dem Massenansturm deutlich entspannt. Nach der Räumung der letzten provisorischen Lager an den Stränden halten sich Tausende Migranten in einem zeitweiligen Aufnahmezentrum im Hafengebiet auf.
Viele hatten zuvor wochenlang unter schwierigen Bedingungen im Freien gelebt. Nach Angaben der Regierung in Madrid kehrte die Mehrheit der Ankömmlinge freiwillig nach Marokko zurück.
Streit um Spaniens Exklaven
Marokko beansprucht Ceuta und Melilla. Die Grenzkrise setzte die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez unter Druck und belastete die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Madrid und Rabat zusätzlich.
Der Besuch des Königspaares unterstreicht daher zugleich Spaniens Anspruch auf die beiden nordafrikanischen Exklaven.
Politisches Signal an der Außengrenze
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Ceuta nach dem Migrationsansturm wieder stärker unter staatlicher Kontrolle steht. Die provisorischen Lager an den Stränden sind geräumt, viele Menschen befinden sich in einer zeitweiligen Aufnahmeunterkunft, und die meisten Ankömmlinge kehrten nach Angaben der spanischen Regierung nach Marokko zurück.
Politisch reicht die Bedeutung über den Aufenthalt des Königspaares hinaus. Ceuta und Melilla sind spanische Exklaven an der nordafrikanischen Küste, die Marokko beansprucht. Jeder Besuch des Staatsoberhaupts macht deshalb sichtbar, dass Madrid seine Hoheit über die beiden Städte bekräftigt.
Grenzpolitik und Nachbarschaftsbeziehungen
Die Krise setzte Ministerpräsident Pedro Sánchez unter Druck und belastete die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Spanien und Marokko. Felipe verbindet mit dem Aufenthalt damit staatliche Präsenz, Solidarität mit der Bevölkerung und das Gedenken an die Toten des Grenzgeschehens.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner steht neben der symbolischen Wirkung die praktische Frage im Vordergrund, wie dauerhaft die Aufnahme- und Grenzstrukturen funktionieren. Der geplante Besuch in Melilla am Mittwoch erweitert das Signal auf beide Exklaven. Zugleich bleibt die Lage an der Außengrenze von der Zusammenarbeit mit Marokko und von sicheren, rechtsstaatlichen Verfahren abhängig.
