Ceuta: Felipe VI. bekräftigt Spaniens Hoheit nach 80.000 Migranten
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 21:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCeuta bereitet Melilla-Besuch vor
- Felipe VI. und Königin Letizia übernachten erstmals seit dem Ende der Franco-Diktatur in Ceuta.
- Am Mittwoch wollen die Royals auch die zweite spanische Nordafrika-Exklave Melilla besuchen.
- Bei einer Gedenkfeier wurde an die Menschen erinnert, die Ende Juli beim Versuch starben, Ceuta zu erreichen.
Zweieinhalb Monate nach dem Migrantenansturm in Ceuta hat Spaniens König Felipe VI. bei seinem Besuch die Zugehörigkeit der Exklave zu Spanien bekräftigt.
Felipe verspricht Ceuta Unterstützung
Vor Vertretern der Gesellschaft sagte der Monarch, die Souveränität und territoriale Integrität Spaniens seien nicht verhandelbar. Ceuta und Melilla seien unverzichtbare Teile des Landes.
Gemeinsam mit Königin Letizia sicherte Felipe den knapp 85.000 Bewohnerinnen und Bewohnern den Rückhalt der Krone zu. Er versprach, man werde sie nicht allein und schutzlos lassen.
Grenzkrise belastete Madrid und Rabat
Ende Juli waren bis zu 80.000 Migranten aus Marokko nach Ceuta gelangt. Der Massenansturm setzte die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez unter Druck und belastete die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Madrid und Rabat.
Marokko beansprucht Ceuta und Melilla ebenfalls. Zugleich sprach sich Felipe für gute nachbarschaftliche Beziehungen zu dem nordafrikanischen Land aus.
Aufnahmezentrum im Hafengebiet
Seit dem Ansturm hat sich die Lage in Ceuta deutlich entspannt. Die letzten provisorischen Lager an den Stränden wurden geräumt; Tausende Migranten halten sich nun in einem zeitweiligen Aufnahmezentrum im Hafengebiet auf.
Die meisten Ankömmlinge kehrten nach Angaben der Regierung in Madrid freiwillig nach Marokko zurück. Felipe bezeichnete die irregulären Grenzübertritte als inakzeptabel, forderte Rückführungen und verlangte zugleich einen würdevollen und menschlichen Umgang mit den Menschen in Spanien.
Gedenken an mindestens 140 Tote
Auf einem muslimischen Friedhof nahm das Königspaar an einer interreligiösen Gedenkfeier für die Opfer des 30. und 31. Juli teil. Dutzende Leichen waren damals geborgen worden; die Zahl der Todesopfer wird auf mindestens 140 geschätzt.
Bei der Ankunft hatten nach Schätzung des Fernsehsenders RTVE Tausende Menschen die Straßen gesäumt. Sie jubelten dem Königspaar zu, schwenkten spanische Fahnen und riefen «Felipe, Felipe!» sowie «Viva España!».
Erster Besuch seit 2007
Der letzte Besuch eines spanischen Staatsoberhaupts in Ceuta und Melilla fand 2007 mit dem damaligen König Juan Carlos I. und Königin Sofía statt. Felipe und Letizia wollen nun erstmals auch in Ceuta übernachten.
Ceuta zwischen Grenzschutz und Zugehörigkeit
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Ceuta nach dem Massenansturm Ende Juli wieder stärker unter innen- und außenpolitischer Beobachtung steht. Die Exklave ist spanisches Hoheitsgebiet, liegt jedoch an der nordafrikanischen Küste und grenzt unmittelbar an Marokko. Dadurch verbinden sich Fragen der territorialen Zugehörigkeit, der Grenzsicherung und des Umgangs mit Migration besonders unmittelbar.
Felipes Botschaft richtet sich deshalb an mehrere Adressaten zugleich. Den Bewohnerinnen und Bewohnern soll die Krone Schutz und politische Aufmerksamkeit zusichern. Gegenüber Marokko bekräftigt der König den spanischen Anspruch auf Ceuta und Melilla, ohne die Bedeutung funktionierender nachbarschaftlicher Beziehungen auszublenden. Für die Regierung in Madrid bleibt die Lage sensibel, weil jeder größere Zustrom die Belastbarkeit des Grenzmanagements und die Zusammenarbeit mit Rabat sichtbar macht.
Humanitäre Folgen bleiben präsent
Die entspannte Lage an den Stränden beendet die Folgen der Krise nicht. Im zeitweiligen Aufnahmezentrum befinden sich weiterhin Tausende Migranten, während die Gedenkfeier auf dem muslimischen Friedhof an die Toten des 30. und 31. Juli erinnert. Damit verbindet der Besuch ein sicherheitspolitisches Signal mit einem humanitären Moment.
Für die Menschen in Ceuta dürfte entscheidend sein, ob die angekündigte Unterstützung dauerhaft in praktische Maßnahmen mündet: verlässliche Grenzsicherung, ausreichende Aufnahmeplätze und eine belastbare Kooperation mit Marokko. Der für Mittwoch geplante Besuch in Melilla kann diese politische Linie gegenüber der zweiten Exklave fortsetzen.
