Brasilien-Wahl, Lula da Silva

Brasilien-Wahl: Lula gewinnt mit 51,8 Prozent gegen Bolsonaro

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 16:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der brasilianische Präsident setzt sich in der Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro durch. Der unterlegene Kandidat beruft sich auf eine verlängerte Öffnungszeit der Wahllokale und kündigt eine Anfechtung an.

Brasiliens vierte demokratische Wahl Lulas

  • Das Oberste Wahlgericht erklärte Lula mit 51,8 Prozent zum Sieger der Stichwahl.
  • Flávio Bolsonaro kam auf 48,2 Prozent und kündigte juristische Schritte an.
  • Bei seinem Amtsantritt im Januar 2027 wird Lula 81 Jahre alt sein.
  • Der Linkspolitiker Lula wurde zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. - Bild: Andre Penner/AP/dpa
  • Anhänger Lulas jubelten nach Bekanntgabe der Zahlen. - Bild: Lucas Landau/AP/dpa
  • Anhänger Lulas feierten auf der Avenida Paulista in São Paulo. - Bild: Andre Penner/AP/dpa
  • Anhänger des rechten Herausforderers Flávio Bolsonaro reagierten fassungslos. - Bild: Bruna Prado/AP/dpa
  • Lula ist gegen stärkere politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
  • Die Ikone der lateinamerikanischen Linken tritt nun ihre vierte Amtszeit an. - Bild: Andre Penner/AP/dpa
  • Flávio Bolsonaro und Lula duellierten sich vor der Wahl in einer TV-Debatte. - Bild: Andre Penner/AP/dpa
Der Linkspolitiker Lula wurde zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. - Bild: Andre Penner/AP/dpa Anhänger Lulas jubelten nach Bekanntgabe der Zahlen. - Bild: Lucas Landau/AP/dpa Anhänger Lulas feierten auf der Avenida Paulista in São Paulo. - Bild: Andre Penner/AP/dpa Anhänger des rechten Herausforderers Flávio Bolsonaro reagierten fassungslos. - Bild: Bruna Prado/AP/dpa Lula ist gegen stärkere politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa Die Ikone der lateinamerikanischen Linken tritt nun ihre vierte Amtszeit an. - Bild: Andre Penner/AP/dpa Flávio Bolsonaro und Lula duellierten sich vor der Wahl in einer TV-Debatte. - Bild: Andre Penner/AP/dpa

Lula gewinnt Stichwahl gegen Bolsonaro-Sohn

Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl in Brasilien gewonnen und sich mit 51,8 Prozent gegen Flávio Bolsonaro durchgesetzt. Der rechte Herausforderer erhielt 48,2 Prozent und kündigte an, das Ergebnis wegen einer verlängerten Öffnungszeit der Wahllokale anzufechten.

Protest gegen verlängerte Öffnungszeit

Das Oberste Wahlgericht hatte die Stimmabgabe landesweit bis 19.00 Uhr verlängert. Als Grund wurden Probleme im öffentlichen Nahverkehr und dadurch erschwerte Wahlmöglichkeiten genannt.

Flávio Bolsonaro erklärte, er könne das Ergebnis nicht anerkennen. Die Entscheidung sei ein Verstoß gegen die Chancengleichheit; deshalb werde er juristische Schritte einleiten.

Erinnerung an den Sturm auf Regierungsgebäude

Der Wahlausgang könnte Brasilien erneut vor eine angespannte innenpolitische Phase stellen. 2023 hatten Anhänger des abgewählten Präsidenten Jair Bolsonaro nach dessen Wahlniederlage das Regierungsviertel in Brasília gestürmt.

Jair Bolsonaro wurde später wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt und mit einem Ämterverbot belegt. Sein Sohn trat deshalb an seiner Stelle bei der Präsidentenwahl an.

Lula holt Rückstand aus erster Runde auf

Lula hatte in der ersten Runde rund 45 Prozent erreicht und damit hinter Flávio Bolsonaro gelegen, der auf rund 47 Prozent gekommen war. Mit der Aufholjagd gelang Lula erstmals seit der Wiedereinführung direkter Präsidentschaftswahlen 1989 der Sieg eines Kandidaten, der im ersten Wahlgang zurückgelegen hatte.

Bei seinem Amtsantritt im Januar 2027 wird Lula 81 Jahre alt sein. Er kann damit zum ersten brasilianischen Präsidenten werden, der viermal demokratisch ins Amt gewählt wurde.

Rechte Opposition bleibt stark

Rund 159 Millionen Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen. Unter Lula sanken Arbeitslosigkeit und Armut, während der Mindestlohn stieg und die Entwaldung im Amazonasgebiet zurückging.

Gleichzeitig belasteten hohe Lebenshaltungskosten, die Staatsverschuldung und ein Skandal um mutmaßlichen Betrug bei der Rentenversicherung die Regierung. Lula wird zudem mit einer starken rechten Opposition im Kongress regieren und auf Kompromisse angewiesen sein.

Sicherheit und Verhältnis zu Washington

Kriminalität gehörte zu den wichtigsten Wahlkampfthemen. Lula kündigte ein eigenes Ministerium für öffentliche Sicherheit an, während Bolsonaro mit einer harten Linie und Hochsicherheitsgefängnissen nach dem Vorbild El Salvadors warb.

Außenpolitisch will Lula eine stärkere Abhängigkeit von Washington vermeiden. Sein Verhältnis zum erneut amtierenden US-Präsidenten Donald Trump dürfte schwierig bleiben; zugleich will Brasilien seine Partnerschaft mit Europa fortsetzen.

Lulas Sieg fällt in eine Phase, in der sich politische Lager in Lateinamerika neu sortieren. Brasilien bleibt wegen seiner Größe, seiner Wirtschaftskraft und seiner Rolle beim Amazonas- und Klimaschutz ein zentraler Akteur der Region. Der Ausgang der Stichwahl stärkt damit nicht nur den amtierenden Präsidenten, sondern auch die Position linksgerichteter Kräfte gegenüber dem regionalen Rechtsruck.

Innenpolitisch beginnt Lula seine vierte demokratische Amtszeit jedoch unter schwierigen Bedingungen. Die soziale Bilanz mit sinkender Arbeitslosigkeit, weniger Armut und einem höheren Mindestlohn steht einem anhaltenden Unmut über Lebenshaltungskosten, Staatsverschuldung und Korruptionsvorwürfe gegenüber. Eine starke rechte Opposition im Kongress dürfte den Präsidenten zu weiteren Verhandlungen zwingen.

Streit um die Wahlorganisation

Flávio Bolsonaros angekündigte Anfechtung richtet den Blick zunächst auf die verlängerte Öffnungszeit der Wahllokale. Das Oberste Wahlgericht begründete diesen Schritt mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr. Politisch entscheidend wird sein, ob der Protest auf juristische Verfahren begrenzt bleibt oder erneut Massenmobilisierung auslöst. Nach dem Sturm auf Regierungsgebäude 2023 steht Brasilien dabei unter besonderer Beobachtung.

Außenpolitik und Amazonas

International dürfte Lula seinen eigenständigeren Kurs gegenüber Washington fortsetzen und die Zusammenarbeit mit Europa vertiefen. Zugleich bleiben der Schutz des Amazonas und umstrittene Infrastrukturprojekte zentrale Bewährungsproben. Für Brasilianerinnen und Brasilianer zählt nach der Wahl vor allem, ob die Regierung soziale Entlastung, Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbinden kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Lula schlägt Bolsonaro-Sohn knapp: ‚Leugnung und Lügen‘ besiegt – doch der Verlierer gibt nicht auf“ (26.10.2026)

Der Artikel bestätige Lulas knappen Wahlsieg und stelle dessen politische Rückkehr sowie die Reaktion Flávio Bolsonaros in den Mittelpunkt. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf den Gegensatz zwischen Lulas Siegesbotschaft und dem fortgesetzten Widerstand des rechten Lagers.

tagesschau: „Wahlen in Brasilien: Eine Nacht zwischen Jubel und Misstrauen“ (26.10.2026)

Die tagesschau berichte ebenfalls über Lulas Wahlsieg und rücke neben den Feiern die angespannte Stimmung im Land in den Vordergrund. Damit bestätige der Beitrag den Ausgang der Wahl, setze aber einen stärkeren Schwerpunkt auf das Misstrauen und die politische Spaltung nach dem Ergebnis.

Medienübergreifend bestehe Einigkeit über Lulas Wahlsieg und die knappe Entscheidung. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von Comeback, Protest und gesellschaftlicher Spannung; offen bleibe, wie weit Bolsonaros angekündigte Schritte reichen würden.

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