Brasilien-Wahl, Lula da Silva

Brasilien-Wahl: Lula führt mit 51,24 Prozent vor Bolsonaro

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach mehr als drei Vierteln der Stimmen liegt der linke Amtsinhaber knapp vor seinem rechten Herausforderer. Die Führung wechselte während der Auszählung mehrfach, ein endgültiges Ergebnis steht noch aus.

Die Auszählung in Rio de Janeiro

  • Nach mehr als drei Vierteln der Auszählung liegt Luiz Inácio Lula da Silva bei 51,24 Prozent.
  • Flávio Bolsonaro erreicht nach den vorläufigen Zahlen des Obersten Wahlgerichts 48,76 Prozent.
  • Die Führung wechselte während der Auszählung mehrfach, im Süden von Rio de Janeiro gab es Jubel und Feuerwerk.
Beide Kandidaten lagen bei der Auszählung der Stimmen lange Zeit fast gleichauf. - Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa

Brasilien zählt Stimmen nach Stichwahl aus

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien liegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und sein rechter Herausforderer Flávio Bolsonaro fast gleichauf. Nach Auszählung von mehr als drei Vierteln der Stimmen führt Lula mit 51,24 Prozent vor Bolsonaro mit 48,76 Prozent.

Führung wechselt mehrfach

Die Zahlen stammen vom Obersten Wahlgericht und sind vorläufig. Im Verlauf der Auszählung wechselte die Führung mehrfach: Flávio Bolsonaro holte einen zwischenzeitlichen Rückstand auf, fiel anschließend aber wieder hinter Lula zurück.

Im Süden der Millionenmetropole Rio de Janeiro waren bei beiden Wendungen laute Jubelrufe, Musik und Feuerwerk zu hören.

Duell um eine vierte Amtszeit

Der 80-jährige Lula von der linken Arbeiterpartei PT bewirbt sich um eine vierte Amtszeit. Er steht für die Fortsetzung seines Regierungskurses mit Sozialprogrammen und staatlichen Investitionen.

Flávio Bolsonaro, der Sohn des früheren Staatschefs Jair Bolsonaro, tritt für die rechte Liberale Partei an. Er warb mit konservativen Positionen und insbesondere einem härteren Vorgehen gegen Kriminalität um Stimmen.

Erster Wahlgang setzte knappen Ausgang voraus

In der ersten Wahlrunde hatte Flávio Bolsonaro mit rund 47 Prozent der gültigen Stimmen vor Lula mit 45 Prozent gelegen. Weil keiner der beiden Kandidaten die Mehrheit erreichte, kam es zur Stichwahl.

Die Stichwahl entscheidet über die politische Richtung des größten Landes Südamerikas. Lula steht für die Fortsetzung von Sozialprogrammen und staatlichen Investitionen, während Flávio Bolsonaro mit konservativen Positionen und einem härteren Kurs gegen Kriminalität antritt.

Das knappe Ergebnis verschärft die Bedeutung jeder noch nicht ausgezählten Stimme. Bereits der erste Wahlgang hatte ein polarisiertes Kräfteverhältnis gezeigt: Flávio Bolsonaro lag mit rund 47 Prozent vor Lula mit 45 Prozent, verfehlte aber die erforderliche Mehrheit.

Politische Folgen

Ein Lula-Sieg würde den bisherigen Regierungskurs fortsetzen. Ein Erfolg Bolsonaros könnte dagegen eine konservative Neuorientierung einleiten. Dabei geht es auch um den Umgang mit staatlichen Institutionen, Sicherheitsfragen und der politischen Rolle der Bolsonaro-Familie.

Die Wahl hat zudem regionale und internationale Bedeutung. Brasilien ist ein zentraler Akteur in Südamerika, wirtschaftlich eng mit China verbunden und für Klima- und Amazonaspolitik besonders wichtig. Das knappe Rennen dürfte die politische Polarisierung unabhängig vom endgültigen Ergebnis weiter prägen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Wahl in Brasilien: Bleibt Lula Präsident oder siegt Bolsonaro? Was auf dem Spiel steht“ (25.10.2026)

Der Beitrag habe vor der Stichwahl ein enges Rennen beschrieben und die politischen Gegensätze der Kandidaten herausgearbeitet. Einen Schwerpunkt habe er auf die mögliche internationale Bedeutung, das Verhältnis zu den USA und China sowie die Folgen für den Amazonas gelegt.

tagesschau: „Brasilien Stichwahl in einem polarisierten Land“ (25.10.2026)

Der Bericht habe die tiefe gesellschaftliche Spaltung und die Rolle unentschlossener Wählerinnen und Wähler betont. Anders als der Beitrag der Frankfurter Rundschau habe er stärker die innenpolitische Polarisierung, persönliche Angriffe und das Erbe der Bolsonaro-Regierung in den Mittelpunkt gestellt.

Beide Beiträge hätten ein knappes Rennen und grundverschiedene politische Programme beschrieben. Unterschiede lägen vor allem bei der Gewichtung internationaler Folgen, der Klimapolitik und der gesellschaftlichen Polarisierung.

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