Benjamin Netanjahu verteidigt Gaza- und Iran-Krieg vor der UN
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 23:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIsraels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei der UN-Generaldebatte in New York Israels Vorgehen im Gazastreifen und die Angriffe auf iranische Atomanlagen verteidigt.
Delegierte verlassen den Saal
Netanjahu wies internationale Vorwürfe gegen Israel zurück und sagte: «Israel des Völkermords zu bezichtigen, ist die größte Lüge des Jahrhunderts».
Wenige Stunden zuvor hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Israel in einer per Video übertragenen Rede einen «Völkermordkrieg» im Gazastreifen vorgeworfen. Als Netanjahu an das Rednerpult trat, standen zahlreiche Delegationen auf und verließen den Saal.
Netanjahu spricht von verhinderten Völkermorden
«Israel hat keinen Völkermord begangen. Israel hat einen Völkermord verhindert», sagte Netanjahu. Hamas hätte einen Völkermord begangen, wenn Israel die islamistische Organisation nicht gestoppt hätte, argumentierte der Ministerpräsident.
Der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 mit rund 1.200 Toten in Israel und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppten Menschen löste den Gaza-Krieg aus. Nach Angaben der von Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem mehr als 73.900 Palästinenser getötet; die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten Kämpfern.
UN und Israel auf Konfrontationskurs
UN-Vertreter und von den Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungskommissionen werfen Israel schwere Verstöße gegen das Völkerrecht vor. Ein UN-Bericht kam zu dem Schluss, Israel begehe im Gazastreifen und im Westjordanland Völkermord und Kriegsverbrechen. Israel weist die Vorwürfe zurück und wirft der Weltorganisation seit Jahren Voreingenommenheit vor.
Auch außerhalb des UN-Gebäudes demonstrierten Hunderte propalästinensische Menschen gegen Netanjahus Teilnahme. Eine kleinere proisraelische Gruppe stellte sich ihnen entgegen. Nach Angaben der New Yorker Polizei wurden mehrere Menschen in Gewahrsam genommen, darunter Medienberichten zufolge die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Hannah Einbinder.
Angriff auf New Yorks Bürgermeister
Netanjahu bezeichnete New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani als «antisemitischen Bürgermeister von New York». Mamdani gilt als scharfer Kritiker des israelischen Regierungschefs und bezeichnet ihn als Kriegsverbrecher; zugleich wirft er Israel einen Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen vor.
Fast zeitgleich mit der Rede teilte Mamdani mit, er habe an seinem Amtssitz einen Olivenbaum mit einer palästinensischen Familie aus Gaza gepflanzt. Später erklärte er, Netanjahu wiederhole unbegründete Lügen, um seinen «Völkermord an den Palästinensern reinzuwaschen».
Rechtfertigung für Angriffe auf Iran
Netanjahu verteidigte außerdem die Angriffe auf iranische Atomanlagen. Deren Zerstörung sei schwierig gewesen, aber eine der leichtesten Entscheidungen seiner Amtszeit, sagte er. Ohne das Vorgehen wären «wir alle tot», fügte er hinzu.
Das Ausmaß der dauerhaften Schwächung des iranischen Atomprogramms wird von der Internationalen Atomenergie-Behörde, Geheimdiensten und Experten unterschiedlich bewertet. Im nicht klassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste hieß es, es gebe keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung im Iran zum Bau einer Atombombe.
Kurzer Aufenthalt in den USA
Netanjahu hielt sich nur wenige Stunden in den USA auf und führte am Rande der UN-Vollversammlung nur wenige Gespräche mit hochrangigen Politikern anderer Länder. Nach israelischen Medienberichten richtete sich seine Rede auch an das heimische Publikum. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt; Umfragen zufolge könnte es für Netanjahus Lager schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.
Internationaler Druck auf Israels Regierung
Netanjahus Auftritt fällt in eine Phase, in der Israels Vorgehen im Gazastreifen international besonders scharf kritisiert wird. Der Gaza-Krieg begann nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem in Israel rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Die humanitären und rechtlichen Folgen des israelischen Militäreinsatzes prägen seither die internationalen Beziehungen Israels.
Die Rede vor der UN macht sichtbar, wie weit die politischen Positionen auseinanderliegen: Palästinenserpräsident Abbas und zahlreiche Staatenvertreter stellen Israels Vorgehen als schwersten Verstoß gegen das Völkerrecht dar, während Netanjahu den Krieg als notwendige Verteidigung gegen Hamas und als Verhinderung eines weiteren Massakers rechtfertigt. Der Streit betrifft damit nicht nur die Bewertung einzelner Militäroperationen, sondern auch die Frage, wie Israel Sicherheit, Selbstverteidigung und den Schutz der Zivilbevölkerung gegeneinander abgrenzt.
Folgen für Diplomatie und Nahostpolitik
Der demonstrative Auszug von Delegationen und die Proteste in New York erhöhen den politischen Druck auf Israels Regierung. Zugleich erschweren die verhärteten Fronten eine gemeinsame internationale Linie: Während einige Staaten auf Sanktionen, einen Waffenstillstand und mehr humanitäre Hilfe drängen, betont Israel weiterhin die militärische Zerschlagung der Hamas und die Abwehr regionaler Bedrohungen.
Mit der Verteidigung der Angriffe auf iranische Atomanlagen verbindet Netanjahu den Gaza-Krieg mit Israels strategischem Konflikt mit Teheran. Für die internationale Diplomatie bedeutet das eine zusätzliche Eskalationsebene, weil sich die Debatten über Gaza, das iranische Atomprogramm und die regionale Sicherheitsordnung zunehmend überlagern. Für Menschen in Deutschland bleibt der Vorgang vor allem wegen möglicher Folgen für die transatlantische Nahostpolitik, humanitäre Hilfsleistungen und die internationale Rechtsordnung relevant.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Benjamin Netanyahu: Etliche Delegierte verlassen vor Rede bei der Uno-Vollversammlung den Saal“ (24.09.2026)
Der Bericht bestätige, dass zahlreiche Ländervertreter vor Netanjahus Rede aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen den Saal verlassen hätten. Er setze einen besonderen Schwerpunkt auf Netanjahus scharfe Reaktion, seine Angriffe auf New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani und die innenpolitische Bedeutung der Rede vor der israelischen Parlamentswahl; außerdem greife er die internationale Kritik und den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs auf.
Der Artikel bestätige Netanjahus Verteidigung des Vorgehens gegen den Iran und hebe stärker den regionalen Zusammenhang hervor. Im Mittelpunkt stünden der Krieg zwischen den USA und dem Iran, die fortgesetzten diplomatischen Kontakte sowie die Bedeutung der UN-Generaldebatte als Forum, in dem trotz militärischer Konfrontation Gesprächskanäle offengehalten würden.
Beide Berichte stellten Netanjahus konfrontativen Auftritt und die Kritik an Israels Gaza-Politik heraus; der SPIEGEL fokussiere stärker auf den Saalprotest und den innenpolitischen Druck, während die Frankfurter Rundschau den Iran-Krieg und die parallelen diplomatischen Bemühungen betone. Offen bleibe, ob der internationale Druck zu einer politischen Kursänderung oder zu weiteren diplomatischen und rechtlichen Konsequenzen führe.
