Myanmar: Fast 50 Tote bei Luftangriff auf Markt in Rakhine
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 05:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei einem schweren Luftangriff des myanmarischen Militärs auf einen Markt und eine Brücke in Kyauktaw im Bundesstaat Rakhine sind nach Angaben von Augenzeugen und lokalen Medien mindestens 49 Menschen getötet worden.
Kampfjet greift Markt und Brücke an
Fast 60 weitere Menschen wurden demnach verletzt, viele von ihnen schwer. Der Angriff ereignete sich am Montagmittag Ortszeit in der Stadt Kyauktaw.
Ein Kampfflugzeug habe den Bereich um den sogenannten India Market und die nahegelegene Kassapanadi-Brücke angegriffen, berichteten der Sender DVB TV und die Arakan Army. Ein Bewohner sagte, der Kampfjet habe insgesamt dreimal Bomben abgeworfen.
Wichtiger Handelsplatz in umkämpfter Region
Der Markt gilt als wichtiges Handelszentrum für die Region. Rakhine ist wegen des Bürgerkriegs und der vom Militär verhängten Beschränkungen der Handelswege weitgehend vom übrigen Myanmar abgeschnitten. Die Bevölkerung ist deshalb nach eigenen Angaben auf Versorgungswege über die Nachbarländer angewiesen.
Kyauktaw unter Kontrolle der Arakan Army
Kyauktaw wird von der Arakan Army kontrolliert. Die bewaffnete ethnische Organisation kämpft für eine größere Autonomie Rakhines und steht seit Jahren im Konflikt mit dem Militär.
Das Militär äußerte sich zunächst nicht zu dem Angriff. Menschenrechtler werfen den Streitkräften seit Langem vor, gezielt Orte anzugreifen, die nicht unmittelbar mit militärischen Operationen verbunden seien. Dazu zählen Schulen, Krankenhäuser, Märkte und Wohngebiete.
Konflikt nach Putsch von 2021
Myanmar befindet sich seit dem Militärputsch von 2021 in einer schweren Krise. Die Entmachtung der gewählten Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi löste landesweite Proteste und einen anhaltenden bewaffneten Konflikt aus.
Seither prägen Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und der Widerstand gegen die Militärjunta das frühere Birma.
Bürgerkrieg als Hintergrund
Der Angriff fällt in einen seit dem Militärputsch vom Februar 2021 andauernden bewaffneten Konflikt. Aus den landesweiten Protesten gegen die Entmachtung der gewählten Regierung entwickelte sich ein Krieg zwischen der Militärjunta, bewaffneten ethnischen Organisationen und lokalen Widerstandsgruppen. Rakhine gehört zu den Regionen, in denen die Kämpfe besonders stark von territorialen Gegensätzen und eingeschränkten Verkehrswegen geprägt sind.
Die Arakan Army kontrolliert Kyauktaw und verfolgt das Ziel einer größeren Autonomie für Rakhine. Für die Militärführung bedeutet der Verlust von Einfluss in solchen Gebieten eine direkte Herausforderung. Luftangriffe ermöglichen Angriffe auch dort, wo Bodentruppen nur eingeschränkt operieren können, erhöhen aber zugleich das Risiko für Menschen in dicht besiedelten und wirtschaftlich wichtigen Orten.
Folgen für die Bevölkerung
Der Markt und die Brücke haben über die lokale Wirtschaft hinaus Bedeutung, weil Rakhine weitgehend vom übrigen Myanmar abgeschnitten ist. Beschränkte Handelswege und die Abhängigkeit von Versorgungsrouten über Nachbarländer machen jede Zerstörung von Verkehrs- oder Handelsinfrastruktur besonders folgenreich. Verletzte benötigen zudem medizinische Hilfe in einer Region, in der Transport und Versorgung durch den Konflikt erschwert sind.
Die hohe Zahl der Toten und Verletzten verschärft damit nicht nur die unmittelbare humanitäre Not, sondern kann auch Fluchtbewegungen und Versorgungsengpässe verstärken. Politisch erhöht der Angriff den Druck auf die Konfliktparteien, zivile Orte zu schützen und den Zugang für Hilfsorganisationen offenzuhalten. Zugleich dürfte die Kontrolle über Rakhine und seine Verkehrswege ein zentraler Streitpunkt bleiben.
