Axa-Chef Buberl nennt deutsche Wirtschaft „dekadente Phase“
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 07:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSAxa-Vorstandschef Thomas Buberl sieht die deutsche Wirtschaft in einem tiefgreifenden Umbruch und spricht von einer „dekadenten Phase“. Zugleich erkennt er in den geplanten Investitionen der Bundesregierung eine historische Chance für einen wirtschaftlichen Neustart.
Buberl kritisiert Zustand der deutschen Wirtschaft
„Die deutsche Wirtschaft ist in einer dekadenten Phase, das muss man so klar benennen“, sagte Buberl in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Nach seiner Einschätzung sind die Triebkräfte des Wirtschaftswachstums der vergangenen 40 Jahre zusammengebrochen. Der Manager macht damit deutlich, dass bewährte Erfolgsfaktoren wie Industrieproduktion, Exportstärke und stabile Rahmenbedingungen aus seiner Sicht nicht mehr automatisch für Wachstum sorgen.
AfD-Erfolg als Warnsignal für Politik
Mit Blick auf den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt sprach Buberl von einem „Schock“. Gleichzeitig mahnte er, die Ursachen für dieses Ergebnis zu hinterfragen. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass die Politik nicht an den Themen arbeite, die ihnen wichtig seien, sagte der Axa-Chef. „Das sollte uns zu denken geben“, fügte er hinzu. Buberl stellt damit einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Verunsicherung, politischer Unzufriedenheit und Wahlentscheidungen her.
„Einmalige Chance“ durch staatliche Investitionen
Bei aller Kritik sieht Buberl in den Investitionsplänen der Bundesregierung eine positive Perspektive. „Deutschland hat jetzt eine einmalige Chance, sich mit diesen Investitionen neu zu erfinden“, erklärte der Vorstandschef. Aus seiner Sicht könnten umfangreiche staatliche Mittel in Bereichen wie Infrastruktur, Digitalisierung oder Energiewende dazu beitragen, die Wirtschaftsstruktur zu modernisieren und neue Wachstumsfelder zu erschließen.
Widersprüche in Präventions- und Gesundheitspolitik
Zur Gesundheitspolitik und insbesondere zur Prävention äußerte Buberl ebenfalls deutliche Kritik. Der Staat wolle auf der einen Seite Anreize für Vorsorge schaffen, begünstige auf der anderen Seite jedoch ungesunde Ernährung steuerlich. „Man kann nicht Prävention predigen und gleichzeitig Pommes subventionieren“, sagte der Axa-Chef. Er verweist damit auf aus seiner Sicht widersprüchliche Rahmenbedingungen, die eine wirksame Gesundheitsvorsorge erschweren.
Die Aussagen von Axa-Vorstandschef Thomas Buberl treffen auf eine ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland. Die Kombination aus schwachem Wachstum, anhaltend hohen Standortkosten und einem tiefgreifenden Strukturwandel in Industrie und Dienstleistungssektor prägt die aktuelle Debatte. Wenn Buberl von einer „dekadenten Phase“ spricht, knüpft er an Kritikpunkte an, die in der öffentlichen Diskussion seit längerem präsent sind: zu langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren, Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und Unsicherheit über die künftige Steuer- und Investitionspolitik.
Struktureller Wandel und politische Spannungen
Sein Verweis auf den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt ordnet die wirtschaftliche Diagnose zugleich politisch ein. Wirtschaftliche Verunsicherung, regionale Ungleichgewichte und der Eindruck, dass klassische Parteien zentrale Alltagsprobleme nicht ausreichend adressieren, gelten in vielen Analysen als Treiber für die Attraktivität populistischer Kräfte. Buberl macht deutlich, dass wirtschaftliche Reformen und politische Stabilität eng miteinander verbunden sind: Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihre Sorgen etwa zu Energiepreisen, Löhnen oder Gesundheitsversorgung nicht ernst genommen werden, wächst die Bereitschaft zu Protestwahlen.
Investitionschancen und Präventionspolitik
Mit dem Hinweis auf eine „einmalige Chance“ durch staatliche Investitionsprogramme betont Buberl die andere Seite der Entwicklung: Aus seiner Sicht kann der aktuelle Umbau von Energieversorgung, Infrastruktur und Gesundheitswesen Deutschland in eine neue Wachstumsphase führen, wenn Investitionen konsequent und effizient umgesetzt werden. Die Kritik an Widersprüchen der Präventionspolitik – Vorsorge fördern, aber ungesunde Ernährung steuerlich begünstigen – verweist auf Reformbedarf im Gesundheitswesen. Für Bürger und Unternehmen bedeutet das: Die kommenden Jahre dürften stark von Entscheidungen über Steueranreize, Regulierung und Förderprogramme geprägt sein, die mit darüber entscheiden, ob aus der „dekadenten Phase“ ein Neustart wird.
