Johann Wadephul, Sergej Lawrow

Wadephul und Lawrow treffen sich in New York – keine Annäherung

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Außenminister Johann Wadephul und Sergej Lawrow haben sich in New York erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bilateral getroffen. Nach gut 20 Minuten blieb der grundlegende Dissens bestehen.

  • Die ersten direkten Gespräche seit Jahren: Wadephul hat Lawrow getroffen. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Die ersten direkten Gespräche seit Jahren: Wadephul hat Lawrow getroffen. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Ein Handschlag und 20 Minuten Gespräch: Lawrow und Wadephul treffen sich überraschend zu Gesprächen in New York. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Ein Handschlag und 20 Minuten Gespräch: Lawrow und Wadephul treffen sich überraschend zu Gesprächen in New York. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Wadephul bei seiner Rede der UN-Generaldebatte. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Wadephul bei seiner Rede der UN-Generaldebatte. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Die UN-Generalversammlung neigt sich ihrem Ende zu. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Die UN-Generalversammlung neigt sich ihrem Ende zu. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Die ersten direkten Gespräche seit Jahren: Wadephul hat Lawrow getroffen. - Bild: Michael Kappeler/dpa Ein Handschlag und 20 Minuten Gespräch: Lawrow und Wadephul treffen sich überraschend zu Gesprächen in New York. - Bild: Michael Kappeler/dpa Wadephul bei seiner Rede der UN-Generaldebatte. - Bild: Michael Kappeler/dpa Die UN-Generalversammlung neigt sich ihrem Ende zu. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Bundesaußenminister Johann Wadephul und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow haben sich in New York am Rande der UN-Generaldebatte erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu einem bilateralen Gespräch getroffen.

Kein Durchbruch nach 20 Minuten

Das Gespräch dauerte gut 20 Minuten. Wadephul bezeichnete es als intensiv und sagte, bei wesentlichen Punkten sei keine Einigung erzielt worden; Lawrow stellte den zusätzlichen Nutzen des Austauschs infrage.

Seit dem Treffen der damaligen Außenministerin Annalena Baerbock mit Lawrow im Januar 2022 in Moskau hatte es auf dieser Ebene kein direktes Gespräch zwischen deutschen und russischen Regierungsvertretern gegeben.

Berlin fordert Deeskalation

Nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen forderte Wadephul Russland zur Deeskalation auf. Er habe erklärt, Vorfälle wie der Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August und weitere hybride Angriffe würden Deutschlands Unterstützung für die Ukraine nicht erschüttern, belasteten aber das ohnehin beschädigte Verhältnis.

Zudem habe Wadephul eine ernsthafte Bereitschaft der russischen Führung zum Ende des Krieges verlangt. Die deutsche Seite habe das Treffen nach Lawrows Darstellung am Vortag kurzfristig angefragt. Am Rande der UN-Generalversammlung war dagegen auch zu hören, Lawrow habe über Drittstaaten Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Streit über russische Angriffe

Wadephul hatte wenige Tage zuvor vor einer neuen Stufe russischer hybrider Angriffe gegen europäische Unterstützer der Ukraine gewarnt. Die Bundesregierung macht Moskau unter anderem für den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich; Russland weist die Vorwürfe zurück.

Berlin kündigte einen Sanktionskatalog gegen Moskau an. Dazu gehört die Kündigung des Vertrags für den Betrieb des Russischen Hauses in Berlin, dem eine Nutzung als getarntes Spionagezentrum vorgeworfen wird. Russland kündigte Gegenmaßnahmen an und ordnete unter anderem die Schließung der Goethe-Institute im Land an.

Medwedew droht Deutschland

Der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, sagte, Deutschland verdiene wegen seiner russlandfeindlichen Politik eine Bestrafung. Er nannte dabei auch direkte Schläge gegen deutsche Rüstungsbetriebe, die Militärgüter an die Ukraine liefern.

Wadephul begründete das Gespräch mit der Notwendigkeit, auch mit Gegnern zu verhandeln. Zugleich betonte er, Europa dürfe den Austausch mit Russland nicht vollständig den USA überlassen, und bekräftigte den Grundsatz, nicht ohne die Ukraine über die Ukraine zu sprechen.

UN-Generaldebatte endet am Montag

Das Treffen fand während der laufenden UN-Generaldebatte statt, an der beide Außenminister teilnahmen. Die wichtigste Woche der Vereinten Nationen endet am Montag.

Direkter Kontakt trotz tiefem Zerwürfnis

Das Gespräch in New York markiert vor allem eine diplomatische Rückkehr zum direkten Austausch auf Außenministerebene. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hatten sich die politischen Positionen weiter verhärtet: Deutschland unterstützt die Ukraine, während Moskau den Krieg fortsetzt und Vorwürfe hybrider Angriffe zurückweist. Ein bilaterales Treffen schafft deshalb zunächst einen Kommunikationskanal, bedeutet aber keine politische Annäherung.

Diplomatie unter Bedingungen

Wadephuls Forderung nach Deeskalation steht im Zusammenhang mit der deutschen Sorge vor einer Ausweitung russischer Aktivitäten gegen europäische Unterstützer der Ukraine. Zugleich folgt das Gespräch dem Grundsatz, dass Konflikte mit Gegnern nicht allein über öffentliche Erklärungen bearbeitet werden können. Für Berlin bleibt dabei maßgeblich, dass Entscheidungen über die Ukraine nicht ohne die ukrainische Regierung getroffen werden.

Folgen für Deutschland und Europa

Die Bedeutung des Treffens liegt daher weniger in einem unmittelbaren Ergebnis als in der Frage, ob der Kontakt fortgesetzt werden kann. Gespräche könnten helfen, Missverständnisse zu begrenzen, Gefahrenlagen zu klären und internationale Verhandlungen vorzubereiten. Solange Russland jedoch keine Bereitschaft zu einer konstruktiven Friedenslösung erkennen lässt, bleiben Sanktionen, Unterstützung der Ukraine und die Abstimmung innerhalb Europas die bestimmenden politischen Instrumente. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das, dass der Gesprächskanal die Sicherheitslage kurzfristig nicht entspannt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Lawrow und Wadephul reden in UN-Generalversammlung“ (26.09.2026)

Der Bericht bestätige das Treffen am Rande der UN-Generalversammlung und ordne es als direkten Austausch der beiden Außenminister ein. Einen vollständigen redaktionellen Schwerpunkt über Gesprächsinhalte und die unterschiedlichen Bewertungen der Minister setze der Audiobeitrag jedoch nicht.

n-tv: „Ukraine-Krieg im Liveticker: +++ 17:18 Mindestens 16 Tote in Russland und der Ukraine bei gegenseitigen Angriffen +++“ (26.09.2026)

Der Liveticker bestätige das erste bilaterale Treffen seit Jahren und verorte es am Rand der UN-Generaldebatte. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Beitrag auf die Einordnung in die anhaltenden militärischen Ereignisse und liefere zum Gespräch selbst nur knappe Angaben; offen bleibe dort, ob weitere Kontakte folgen würden.

Beide Beiträge bestätigten den direkten Austausch in New York. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während der eine Bericht den diplomatischen Vorgang hervorhebe, stelle der andere ihn in den laufenden Krieg und die gegenseitigen Angriffe ein.

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