Alternativer Nobelpreis: Frauen kämpfen gegen KI-Macht, Gewalt und Repression
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 06:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Alternative Nobelpreis zeichnet in diesem Jahr Frauen und von Frauen geführte Organisationen aus, die sich gegen tief verwurzelte Machtstrukturen wehren und Menschenrechte stärken.
Vier Preisträgerinnen und Organisationen
Ausgezeichnet werden die pakistanische Anwältin Jalila Haider, das Netzwerk Rural Women’s Assembly im südlichen Afrika, die US-Informatikerin Timnit Gebru und die Georgian Young Lawyers’ Association aus Georgien unter der Führung von Tamar Oniani.
Haider setzt sich mit ihrer Kanzlei für die Rechte der unterdrückten Hazara-Gemeinschaft in Baluchistan ein. Sie war die erste Frau ihrer Volksgruppe, die Rechtsanwältin wurde. Die 1994 gegründete Georgian Young Lawyers’ Association erhält den Preis für den Aufbau und die Verteidigung der Demokratie sowie für die Wahrung zivilgesellschaftlicher Handlungsmöglichkeiten unter autoritärem Druck.
Widerstand gegen Diskriminierung und Gewalt
Die mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen der Rural Women’s Assembly in elf Ländern des südlichen Afrikas kämpfen für Selbstbestimmung über Land, Saatgut und den eigenen Körper. Sie wenden sich gegen sexuelle Gewalt und fordern, dass Frauen als Landbesitzerinnen anerkannt werden.
Gebru, die bei Google ein Team für ethische Fragen der KI mitleitete, warnt vor den Gefahren großer Sprachmodelle. Sie kritisiert riesige Rechenzentren und die fehlende Offenlegung von Algorithmen. Nach Darstellung der Right-Livelihood-Stiftung zeigt ihre Arbeit, wie KI-Systeme bereits heute Ungleichheiten verstärken können.
Preisverleihung im Dezember
Die Stiftung würdigt die Preisträger dafür, dass sie Menschen am Rand der Gesellschaft kollektive Handlungsmacht geben. Stiftungsdirektor Ole von Uexküll erklärte, Macht müsse nicht auf Hierarchie und Gewalt beruhen, sondern könne auch aus Zusammenarbeit und dem Zusammenhalt vieler Menschen entstehen.
Die Jury wählte die Preisträger aus 200 Nominierten aus. Überreicht werden die Preise am 1. Dezember in Stockholm. Der Right Livelihood Award wird jährlich für Engagement in Bereichen wie Klimaschutz, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden vergeben.
Ein Preis für Machtkritik
Die diesjährigen Auszeichnungen verbinden vier sehr unterschiedliche Konfliktfelder: den Schutz einer ethnischen Minderheit in Pakistan, die Rechte von Kleinbäuerinnen im südlichen Afrika, die Regulierung künstlicher Intelligenz und die Verteidigung demokratischer Handlungsspielräume in Georgien. Gemeinsam ist den Preisträgerinnen und Organisationen, dass sie Macht nicht primär über staatliche Ämter oder wirtschaftliche Größe ausüben, sondern über juristische Arbeit, Forschung und kollektive Organisation.
Besonders Timnit Gebrus Auszeichnung verweist auf eine globale Debatte über KI. Große Modelle werden zunehmend in Bildung, Verwaltung, Arbeit und Kommunikation eingesetzt. Fragen nach diskriminierenden Ergebnissen, mangelnder Transparenz, Datenherkunft, Energieverbrauch und der Konzentration technischer Infrastruktur betreffen deshalb nicht nur Fachkreise, sondern auch den Alltag von Bürgerinnen und Bürgern.
Lokale Kämpfe mit internationaler Bedeutung
Die Beispiele aus Pakistan, Afrika und Georgien zeigen zugleich, dass Menschenrechte häufig dort verteidigt werden, wo staatliche Institutionen schwach, repressiv oder für bestimmte Gruppen schwer zugänglich sind. Landrechte, Schutz vor Gewalt und die Beteiligung an politischen Entscheidungen sind dabei eng miteinander verbunden: Wer über Ressourcen und Sicherheit verfügt, kann gesellschaftliche Interessen eher durchsetzen.
Die Preisverleihung am 1. Dezember in Stockholm gibt diesen lokalen Initiativen internationale Sichtbarkeit. Unmittelbare politische Veränderungen garantiert eine Auszeichnung nicht. Sie kann jedoch Netzwerke stärken, Finanzierung und öffentliche Aufmerksamkeit erleichtern und den Gedanken verbreiten, dass demokratische und menschenrechtliche Macht auch von organisierten Gemeinschaften ausgehen kann.
