Pistorius im Niger - erstes MinistergesprÀch nach Putsch
19.12.2023 - 16:54:51Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat der MilitĂ€rregierung im sicherheitspolitisch wichtigen Niger eine Fortsetzung von Kooperationsprojekten angeboten. Dabei sei auch ĂŒber den ausgesetzten Bau eines MilitĂ€rkrankenhauses gesprochen worden, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in der Hauptstadt Niamey, wo er den nigrischen General und Verteidigungsminister Salifou Modi traf. Es war der erste Besuch eines deutschen Ministers nach dem Coup gegen die demokratisch gewĂ€hlte Regierung vor knapp fĂŒnf Monaten, die inzwischen aber international UnterstĂŒtzung verloren hat.
«Ich habe gesagt fĂŒr die deutsche Seite, dass wir ein Interesse haben an der Wiederaufnahme von Kooperationsprojekten», sagte Pistorius. Es habe ein offenes GesprĂ€ch gegeben. «Wir haben auch nach der MachtĂŒbernahme lĂ€ngst nicht mit allem aufgehört. Wir haben unseren MilitĂ€rberater hier gelassen. Wir haben die SpezialkrĂ€fte in Niger gelassen. Wir haben die in der Ausbildung befindlichen nigrischen Soldaten bei uns gelassen. Wir haben nicht alle BrĂŒcken abgerissen, was gut und richtig ist», sagte er. Wichtig sei, dass sich Deutschland und andere Partner in dieser Region engagieren.
Pistorius besuchte auch die noch mehr als 100 deutschen Soldaten auf dem LufttransportstĂŒtzpunkt der Bundeswehr am Rande der Stadt. Die Zukunft der MilitĂ€rbasis ist unklar. Vor dem Putsch gab es PlĂ€ne, den StĂŒtzpunkt auszubauen. Er sollte fĂŒr das humanitĂ€re Engagement Deutschlands und das europĂ€ischer Partner genutzt werden und in der an Konflikten reichen Region Drehkreuz fĂŒr militĂ€risches Engagement sein - bis hin zu einer Rolle als Sprungbrett fĂŒr SpezialkrĂ€fte.
Beziehungen mit Deutschland verschlechtert
Das MilitĂ€r hatte am 26. Juli die Macht im Niger ĂŒbernommen. Das Land galt zuvor als letzter demokratischer Partner Europas und der USA im Kampf gegen Terrorismus in der Sahelzone («StabilitĂ€tsanker»). Die MilitĂ€rs hatten den von vielen Einwohnern der Hauptstadt öffentlich unterstĂŒtzten Putsch mit der Sicherheitslage und schlechter RegierungsfĂŒhrung begrĂŒndet. Der Putsch löste international scharfe Kritik bis hin zu Drohungen eines MilitĂ€reinsatzes der Nachbarstaaten aus. Mittlerweile etabliert sich die selbst ernannte Ăbergangsregierung unter dem frĂŒheren Chef der PrĂ€sidialgarde Abdourahamane Tiani international wieder als GesprĂ€chspartner.
Die zuvor guten Beziehungen mit Deutschland verschlechterten sich seit dem Putsch. So steckt auf der nigrischen Seite der Grenze zu Mali nun ein Konvoi mit deutschen MilitĂ€rgĂŒtern des beendeten UN-Einsatzes Minusma in der Zollabfertigung fest. In zwei FĂ€llen wurden die Landtransporte von Extremisten oder bewaffneten Banden angegriffen, wie es am Dienstag hieĂ. Mit zwei Verbalnoten teilte der Niger Deutschland mit, dass der Abtransport von MilitĂ€rmaterial und die RĂŒckfĂŒhrung des deutschen Minusma-Kontingents aus Mali nach Deutschland nicht ĂŒber Niger erfolgen dĂŒrfe.
Die Machthaber in Niamey - die eine Politik der offene Ablehnung gegen die frĂŒheren Kolonialmacht Frankreich betreiben - waren zuletzt auch auf Konfrontation zu anderen EU-Staaten gegangen: So soll die Schleusung irregulĂ€rer Migranten im Niger - ein wichtiges Thema fĂŒr die EU - kĂŒnftig straffrei bleiben. Die MilitĂ€rjunta hob ein entsprechendes Gesetz auf, das Teil der Strategie Europas zur EindĂ€mmung der Migration ĂŒber das Mittelmeer war.
Zusammenarbeit beider LĂ€nder seit 1961
Der Niger ist eins der wichtigsten TransitlĂ€nder fĂŒr afrikanische Migranten, die in Richtung Europa reisen. Die EU arbeitete mit dem Niger bereits seit 2015 zusammen, vor allem um die Migrationsroute von der nigrischen WĂŒstenstadt Agadez nach Libyen zu blockieren.
Anfang Dezember hatten Burkina Faso und Niger wie zuvor Mali ihren Austritt aus der 2014 gegrĂŒndeten Regionalorganisation G5 Sahel erklĂ€rt. Zeitgleich hatte der russische Vize-Verteidigungsminister Junus-bek Jewkurow die Staaten Mali, Burkina Faso und Niger besucht. Die drei von islamistischen Terrorgruppen heimgesuchten Nachbarstaaten hatten bereits zuvor die GrĂŒndung einer eigenen MilitĂ€rallianz verkĂŒndet. Mit Modi hat Jewkurow ein Memorandum ĂŒber eine Verteidigungszusammenarbeit unterzeichnet. Auch Mali und Burkina Faso arbeiten bereits mit Russland zusammen.
Modi, frĂŒher MilitĂ€rattachĂ© seines Landes in Deutschland, verwies am Dienstag auf die lange wĂ€hrende Zusammenarbeit mit Deutschland seit dem Jahr 1961. «Es gab Höhen und Tiefen und in den letzten fĂŒnf Jahren war die Zusammenarbeit sehr aktiv, vor allen Dingen im Bereich Kampf gegen den Terrorismus. Wir sehen weiterhin Projekte, die wichtig sind», sagte Modi vor Journalisten. Die Zusammenarbeit mit auslĂ€ndischen Truppen solle auf neue formelle Beine gestellt werden und immer abhĂ€ngig sein von der nigrischen Beurteilung der Lage.





