Alberta stimmt mit 76 Prozent für Verbleib in Kanada
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 17:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWeitere Abstimmungsfragen in Alberta
- Die Einwohner stimmten am Montag über neun zusätzliche Fragen zu Einwanderung und Verfassung ab.
- Bei den weiteren Fragen deutet sich nach ersten Ergebnissen eine Mehrheit für eine restriktivere Migrationspolitik an.
- Das endgültige Ergebnis der Abstimmung soll die Wahlbehörde am 29. Oktober veröffentlichen.
Alberta weist nächsten Schritt zur Abspaltung zurück
Die Einwohner der ölreichen kanadischen Provinz Alberta haben sich mit deutlicher Mehrheit für einen Verbleib in Kanada ausgesprochen. Knapp 76 Prozent votierten nach vorläufigen Teilergebnissen dafür, wie die Wahlbehörde mitteilte.
Die Abstimmung vom Montag zielte auf die Frage, ob Alberta ein zweites verbindliches Referendum über die Trennung von Kanada anstreben soll. Zugleich standen neun weitere Fragen zu Einwanderung und Verfassung zur Abstimmung.
Carney sieht Chance für nationale Einheit
Premierminister Mark Carney begrüßte das Votum gegen die Abspaltung und sprach von einer Chance, Kanada nun für alle besser zu machen. Das Ergebnis fällt höher aus als die zuletzt erwartete Zustimmung von etwa 70 Prozent für den Verbleib in Kanada.
Bei den zusätzlichen Abstimmungsfragen deutet sich nach ersten Ergebnissen eine Mehrheit für eine restriktivere Migrationspolitik an. Alberta gilt als besonders konservativ und ist das Zentrum der kanadischen Erdöl- und Erdgasindustrie.
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Separatisten halten Debatte offen
Die Premierministerin Albertas, Danielle Smith, erklärte, die Einwohner hätten für ein stärkeres Alberta in einem vereinten Kanada gestimmt. Oppositionsführer Pierre Poilievre forderte anschließend unter anderem bezahlbare Lebensmittel und Wohnungen, sichere Straßen, gesicherte Grenzen und weniger Einwanderung.
Der Separatist Keith Wilson sagte, die Sorgen über Albertas Platz innerhalb Kanadas würden mit dem Referendum nicht enden. Die Debatte über die Zukunft und Rolle der Provinz werde weitergehen.
Weitere Volksabstimmung bleibt möglich
Unabhängig von der jüngsten Abstimmung könnte es zu einem weiteren Referendum über die Unabhängigkeit kommen. Separatisten sammelten nach Angaben des kanadischen Rundfunks genügend Unterschriften für eine Bürgerinitiative; die Initiative wurde jedoch gerichtlich gestoppt.
Gegen diese Entscheidung läuft ein Berufungsverfahren. Sollte die Initiative wieder zugelassen werden, könnte ein weiteres Referendum erforderlich werden.
Ölindustrie prägt Konflikt mit Ottawa
Alberta hat rund fünf Millionen Einwohner und verfügt über große Ölsandvorkommen. Separatisten sehen in CO2-Abgaben und Vorgaben für die Energiebranche einen Angriff auf die wirtschaftliche Grundlage der Provinz.
Der Separatismus erhielt während der Corona-Pandemie zusätzlichen Auftrieb, unter anderem durch Proteste gegen staatliche Impfvorschriften. In Kanada gab es bislang zwei Unabhängigkeitsreferenden, beide in Québec.
Abspaltung würde Verhandlungen erfordern
Eine kanadische Provinz kann sich nicht einseitig vom Land lösen. Selbst ein eindeutiges Votum für die Unabhängigkeit würde Verhandlungen mit der Bundesregierung und allen anderen Provinzen sowie eine Änderung der kanadischen Verfassung erforderlich machen.
Das endgültige Ergebnis der aktuellen Abstimmung soll nach Angaben der Wahlbehörde am 29. Oktober veröffentlicht werden.
Das Votum in Alberta fällt in eine Phase, in der Kanadas politischer Zusammenhalt von mehreren Seiten unter Druck steht. Die westkanadische Provinz verbindet hohe Einnahmen aus Öl und Gas mit einem ausgeprägt konservativen politischen Milieu. Viele Separatisten begründen ihre Forderungen damit, dass Alberta wirtschaftlich überproportional zum Land beitrage, während Entscheidungen in Ottawa die Energiebranche belasteten.
Die Abstimmung hatte zunächst eine verfahrensrechtliche Funktion: Die Bürger entschieden darüber, ob ein weiteres verbindliches Referendum über die Trennung von Kanada angestrebt werden soll. Das klare vorläufige Ergebnis gegen diesen Schritt nimmt der Unabhängigkeitsbewegung kurzfristig politischen Rückenwind. Zugleich bleiben die Konflikte über Einwanderung, Verfassungsfragen, Klimapolitik und die Verteilung von Einnahmen zwischen Provinz und Zentralregierung bestehen.
Alberta bleibt politischer Streitpunkt
Für Premierminister Mark Carney ist das Ergebnis deshalb mehr als eine Absage an die Abspaltung. Es stärkt die Position der Bundesregierung bei ihrem Versuch, die nationale Einheit angesichts der Spannungen mit den USA und wirtschaftlicher Unsicherheit zu sichern. Auch ein späteres Referendum wäre kein unmittelbarer Weg zur Eigenstaatlichkeit: Es wären Verhandlungen mit Ottawa und den übrigen Provinzen sowie eine Änderung der kanadischen Verfassung erforderlich.
Für die Bevölkerung Albertas dürfte entscheidend sein, ob aus dem Votum konkrete politische Antworten folgen. Dazu gehören der Umgang mit Energieprojekten, die Finanzierung öffentlicher Leistungen und die Kontrolle über Migration. Das endgültige Ergebnis soll am 29. Oktober veröffentlicht werden; zudem bleibt ein gerichtliches Verfahren über eine separate Bürgerinitiative offen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Artikel berichtet über die deutliche Mehrheit für den Verbleib in Kanada und ordnet die Abstimmung als Rückschlag für die Separatisten ein. Einen Schwerpunkt legt er auf die politische Auseinandersetzung um den weiteren Kurs Albertas.
tagesschau: „Gegen Unabhängigkeitsreferendum: Alberta will kanadisch bleiben“ (20.10.2026)
Der Beitrag bestätigt das vorläufige Ergebnis von mehr als 76 Prozent für den Verbleib in Kanada. Er stellt zugleich heraus, dass die Abstimmung über den nächsten Schritt zu einem möglichen Unabhängigkeitsreferendum nicht alle politischen Konflikte der Provinz beendet.
Beide Beiträge stimmen beim klaren Ausgang überein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während die Frankfurter Rundschau den politischen Konflikt stärker zuspitzt, hebt die tagesschau die verfahrensrechtliche Bedeutung und die weiterhin offenen Fragen hervor.

