Ex-BĂŒrgerkriegsland Liberia wĂ€hlt PrĂ€sidenten
10.10.2023 - 06:27:58 | dpa.deZwei Jahrzehnte nach Ende eines verheerenden BĂŒrgerkriegs wĂ€hlen die BĂŒrger des westafrikanischen Staats Liberia heute einen neuen PrĂ€sidenten.
Der PrĂ€sident und Ex-WeltfuĂballer George Weah (57) hofft auf eine zweite Amtszeit, nachdem er sich 2017 in einer Stichwahl um die Nachfolge der FriedensnobelpreistrĂ€gerin Ellen Johnson-Sirleaf gegen ihren VizeprĂ€sidenten Joseph Boakai durchsetzten konnte. Der 78-jĂ€hrige Boakai gilt erneut als aussichtsreichster der 19 Herausforderer Weahs, mit dessen erster Amtszeit viele Liberianer unzufrieden sind.
Zur Wahl sind rund 2,5 Millionen der rund 5,4 Millionen Liberianer registriert. Bis zum Nachmittag wurde aus vielen Teilen Liberias eine hohe Wahlbeteiligung berichtet. Schon in den frĂŒhen Morgenstunden bildeten sich teils lange Schlangen vor Wahllokalen. Die Stimmung blieb friedlich. ErhĂ€lt kein Kandidat die absolute Mehrheit, kommt es zu einer Stichwahl der zwei erfolgreichsten Bewerber. Neben dem PrĂ€sidenten werden 73 Abgeordnete sowie 15 der 30 Senatoren neu gewĂ€hlt. Die Wahllokale schlieĂen um 18.00 Uhr Ortszeit (20.00 Uhr MESZ). Mit vorlĂ€ufigen Ergebnissen wird in einigen Tagen gerechnet.
Viele Kriegsverbrecher bleiben straffrei
Der KĂŒstenstaat am Atlantik gehört trotz Vorkommen an Gold, Diamanten und Eisenerz zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt. Neben den wirtschaftlichen Problemen bewegen vor allem Korruption und die schleppende Aufarbeitung der Verbrechen der zwei BĂŒrgerkriege viele der rund 5,4 Millionen Liberianer. Zwischen 1989 bis 2003 wurden rund 250.000 Menschen getötet.
Die 2005 als erste Frau in Afrika zur PrĂ€sidentin gewĂ€hlte Johnson-Sirleaf (84) wurde 2011 fĂŒr ihre Arbeit zur Befriedung des Landes mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. WĂ€hrend ihr der Wiederaufbau der Institutionen des Landes gelang, wurden Empfehlungen der Versöhnungskommission nicht umgesetzt. Die meisten Kriegsverbrecher sind weiter straffrei. Weah - Vertreter der Koalition fĂŒr Demokratischen Wechsel (CDC) - hatte versprochen, das geforderte Sondergericht fĂŒr Kriegsverbrechen einzurichten. Doch auch er tat es bislang nicht.
Sorge vor Gewalt vor der Wahl
Daneben wird die Regierung des beliebten frĂŒheren FuĂballstars, der fĂŒr Clubs wie Paris Saint-Germain, AC Mailand und FC Chelsea spielte, auch mit mehreren Korruptionsskandalen in Verbindung gebracht. Weahs wichtiger UnterstĂŒtzer, der frĂŒhere Rebellenchef und heutige Senator Prince Johnson, stĂŒtzt nun seinen Herausforderer Boakai von der Partei fĂŒr Einheit (UP). Beide versprechen neue ArbeitsplĂ€tze und Investitionen in die Infrastruktur des hoch verschuldeten Landes.
Anlass zur Sorge gaben gewalttĂ€tige ZusammenstöĂe vor der Wahl in der trotz zahlreicher Probleme als friedlich und stabil geltenden Demokratie. Das UN-MenschenrechtsbĂŒro Ă€uĂerte sich wenige Tage vor der Wahl besorgt ĂŒber einen Vorfall mit zwei Toten und 20 Verletzten bei Auseinandersetzungen zwischen AnhĂ€ngern der CDC und UP Ende September. Dazu seien mindestens acht Journalisten angegriffen worden. Alle Parteien hatten zugesagt, sich fĂŒr friedliche Wahlen einzusetzen.
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