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Gesundheit, Krankheiten

Wie ergeht es Menschen, die eine Covid-19 überstanden haben, aber gesundheitlich weiterhin angeschlagen sind? Eine Leitlinie soll den Umgang der Ärzte mit Post- und Long-Covid-Patienten erleichtern.

07.07.2021 - 04:06:10

Coronavirus - Das Leiden an Covid-Spätfolgen - helfen Leitlinien?

Luftnot, Haarausfall und Ohrenschmerzen - das Spektrum der Symptome für Folgeerscheinungen der Infektion mit dem Coronavirus ist groß. Angesichts dieser Vielfalt ist es schwierig für Hausärzte, Probleme ihrer Patienten auf Covid-19 zurückzuführen, zumal wenn etliche Wochen nach der Infektion ins Land gegangen sind.

Dem soll jetzt abgeholfen werden. «Wir wollen den Medizinern Leitlinien an die Hand geben, die es ihnen erleichtern, Infektionsfolgen zu identifizieren», sagt Koczulla, Chefarzt der Schön Klinik Berchtesgadener Land. Die Handreichung, die er mit Experten anderer Fachrichtungen verfasst hat und in Kürze veröffentlichen will, dient einer möglichst strukturierten Diagnostik und daran ausgerichteten Therapien.

Langzeiteffekte über Erkrankung hinaus

Bezogen auf die Dauer der Folgeerscheinungen unterscheidet die DPG in Long-Covid und Post-Covid. Die fortbestehende Symptomatik der akuten Erkrankung über vier Wochen hinaus bezeichnet man als Long-Covid. Schlagen sich die Betroffenen nach zwölf Wochen immer noch mit den Symptomen herum, leiden sie unter Post-Covid. Betroffen von den medizinischen und psychologischen Langzeiteffekten sind sowohl Menschen mit schwerem Verlauf als auch solche mit leichtem.

Bei Paula verbesserten sich die Anfangssymptome wie Fieber, trockener Husten und Kopfschmerzen nach 3,5 Wochen in häuslicher Quarantäne. Geblieben ist ihr die Atem- und Kraftlosigkeit. Sie fühlt sich mit ihren Beschwerden allein gelassen. «In der Krankheitsphase wurde ich von meiner Hausarztpraxis an die Covid-Praxis verwiesen.» Doch dort würden nur Tests vorgenommen.

Unterschiedlichste Symptome

Um die 20 Symptome sind bei den Betroffenen zu finden. Vorherrschend sind mangelnde Belastbarkeit, Müdigkeit und Luftnot. Bei zuvor stationär behandelten Patienten treten häufig Veränderungen der Lunge auf, wie Koczulla erläutert. Neben Lungen- und Herzproblemen fallen auch Riech- und Geschmacksstörungen unter die sehr häufigen Symptome. Häufig sind Haarausfall, Schlafstörungen und kognitive Beeinträchtigungen. Selten äußern sich die Folgen von Corona in Tinnitus, Übelkeit, Durchfall oder Appetitverlust. In allen drei Häufigkeits-Gruppen treten psychologische Beeinträchtigungen verstärkt auf: Die Patienten sind stressanfälliger, ängstlicher und depressiver.

Paula war während der akuten und der Folge-Phase auf sich und die Erfahrungen anderer Betroffener gestellt. Vitamine, Magnesium und Schleimlöser gehörten zur Selbstmedikation. Wenn Freundinnen nicht jeden Tag Essen vor die Haustüre gestellt hätten, wäre sie heute noch kraftloser. «Man muss sich selbst organisieren und ist auf sein soziales Umfeld angewiesen.» Sie wünscht sich, dass Patienten wie sie ernst genommen werden. «Schulungen der Ärzte zum Umgang mit nicht klinisch behandelten Covid-Patienten sind dringend nötig.» Per Video-Sprechstunde oder Telefon sei ein Kontakt doch kein Problem.

Patienten können durchs Raster fallen

Hans-Michael Mühlenfeld von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) räumt ein, dass manch ein unter den Corona-Spätfolgen leidender Patient «durchs Raster» fallen kann. «Das passiert bei seltenen Erkrankungen wie Post-Covid.» Wenn der Hausarzt einräume, dass er sich nicht auskenne, sei das nur verantwortungsvoll. Gute Adressen seien die Uniklinik-Ambulanzen.

Von der geplanten Leitlinie der GDP ist er überrascht und weist darauf hin, dass die DEGAM das Thema Spätfolgen bereits in ihre Leitlinie zur Pandemie-Bekämpfung integriert hat. Wenn Fachbereiche Leitlinien für andere Ärzte-Gruppen erstellten, funktioniere das nicht. «Die wissen ja nicht, was bei uns los ist», sagt Mühlenfeld.

Claus Vogelmeier, Vorstandschef der Deutschen Lungenstiftung, rät Patienten, die glauben, an einem Covid-Folge-Syndrom zu leiden, ihre Symptome genau zu beobachten und ihren Arzt zu informieren. «Wenn nach sechs bis acht Wochen noch Atemnot vorherrscht, sollte das unbedingt untersucht werden.»

© dpa-infocom, dpa:210707-99-285791/3

@ dpa.de

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