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Gesundheit, Medizin

Während in Deutschland die Corona-Zahlen in die Höhe gehen und immer mehr Kliniken vor Kapazitätsengpässen warnen, beschreibt eine britische Studie ein besonderes Erkrankungsrisiko für medizinisches Personal.

14.12.2020 - 07:10:09

Britische Studie - Hohe Zahl schwerer Corona-Erkrankungen in Gesundheitsberufen

Glasgow übten dabei einen sogenannten «essenziellen» Beruf aus, arbeiteten also im Gesundheitswesen (neun Prozent), im Sozial- und Erziehungswesen (elf Prozent) sowie in den Bereichen Polizei, Transport und Lebensmittelzubereitung (neun Prozent). Dabei stellten die Forscher zunächst fest, dass in diesen Bereichen überdurchschnittlich viele Frauen sowie überproportional viele Schwarze und aus Asien stammende Menschen beschäftigt sind.

Wie die Wissenschaftler im Fachblatt «Occupational & Environmental Medicine» berichten, verglichen sie dann, wie hoch das Risiko einer Covid-19-Infektion mit schwerem Verlauf, also mit Klinikaufenthalt oder gar Todesfolge, für die unterschiedlichen Berufsgruppen war. Insgesamt traten 271 dieser Fälle auf. Ihre Untersuchung ergab, dass Angehörige des Gesundheitswesens - Ärzte, Apotheker, medizinisches Hilfspersonal, Pflegekräfte und Rettungssanitäter - ein siebenmal höheres Risiko für eine schwere Erkrankung hatten als Vertreter nicht-essenzieller Berufe. Beim medizinischen Hilfspersonal war dieses Risiko sogar neunmal höher.

Bei Beschäftigten im Sozial- und Bildungswesen war die Wahrscheinlichkeit eines schweren Covid-19-Verlaufs um 84 Prozent höher, während «andere» Beschäftigte essenzieller Berufe ein um 60 Prozent höheres Risiko aufwiesen. Eine genauere Aufschlüsselung der Berufsgruppen ergab zudem, dass das Risiko für Beschäftigte im sozialen Bereich um 2,5 Mal höher war als bei nicht-essenziellen Berufsgruppen.

Mit Blick auf die Ethnie fanden die Epidemiologen heraus, dass schwarze oder aus Asien stammende Menschen in nicht-essenziellen Berufen ein dreimal höheres Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung hatten, als weiße Menschen in den gleichen Berufsgruppen. Im Bereich essenzieller Berufe war das Risiko für die beiden Gruppen sogar achtmal höher.

Die Autoren betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die keine Aussage zu den Ursachen der erfassten Zusammenhänge treffen könne. Nichtsdestotrotz unterstreiche ihre Arbeit die Wichtigkeit adäquater Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen und der Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung für Menschen, die in essenziellen Berufen und hier vor allem im Gesundheits- und Sozialbereich arbeiteten. Sie schreiben: «Die Gesundheit und das Wohlergehen essenzieller Arbeitskräfte ist entscheidend für die Begrenzung der Ausbreitung und die Bewältigung der Belastung durch globale Pandemien.»

In Deutschland scheint zumindest die Versorgung mit Schutzkleidung für medizinisches Personal mittlerweile besser zu sein als noch im Frühjahr. Das ergaben Mitgliederbefragungen einiger Landesverbände des Marburger Bundes. Diese stellten aber auch fest, dass etwa regelmäßige Pausen für zwei Drittel der Befragten oder mehr gar nicht oder nicht ausreichend möglich seien, so die Befragungen aus Bayern, Sachsen und dem Saarland. Hinzu komme wachsende Personalnot. Jener Stress schade der Gesundheit des medizinischen Personals, wobei Infektionen eine zusätzliche Belastung darstellten.

Wie viele Angehörige von Gesundheitsberufen in Deutschland genau erkrankt sind und das insbesondere mit schwerer Symptomatik lässt sich indes nicht genau beziffern. So gibt es hierzulande kein zentrales Melderegister dafür. Bei registrierten Corona-Fällen fehlen oftmals die Angaben zum Beruf. Mehr und mehr Meldungen über erkrankte Angestellte wie zuletzt etwa aus dem Uniklinikum Augsburg deuten aber auf eine steigende Zahl hin.

© dpa-infocom, dpa:201214-99-682466/2

@ dpa.de

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