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Klima, Forschung

Von 2019 bis 2020 war der Eisbrecher «Polarstern» in der Arktis unterwegs.

15.06.2021 - 16:22:07

Forscher: Arktis zog sich 2020 schneller zurück als je zuvor. Die Auswertung der gewonnenen Daten und Proben wird noch Jahre dauern. Doch die Forscher schlagen jetzt schon Alarm.

Berlin - Während der einjährigen «Mosaic»-Expedition des Forschungsschiffes «Polarstern» in der zentralen Arktis hat sich das Eis schneller zurückgezogen als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die Ausdehnung des Eises sei im Sommer 2020 nur noch halb so groß wie vor Jahrzehnten gewesen, sagte der damalige Fahrtleiter Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) am Dienstag in Berlin bei einer Zwischenbilanz acht Monate nach dem Ende der Expedition.

Zugleich sei das Eis nur noch halb so dick wie vor fast 130 Jahren gewesen. Im Herbst 2020 habe sich das Eis wiederum viel später geschlossen als je zuvor. «Durch die lange eisfreie Zeit im Sommer konnte der Ozean große Mengen an Wärme aufnehmen und speichern», sagte Rex.

Die «Polarstern» war im September 2019 von Bremerhaven aus Richtung Arktis gestartet, im Oktober 2020 kehrte sie zurück. Zehn Monate lang driftete das Schiff angedockt an eine riesige Eisscholle durch das Nordpolarmeer. Wissenschaftler konnten so zum ersten Mal den gesamten Eiszyklus vom Gefrieren bis zur Schmelze messen und dokumentieren. Sie versprechen sich von den gewonnenen Daten wichtige Erkenntnisse über das Nordpolarmeer - und über den weltweiten Klimawandel. 

Rex sagte, es seien mehr als 150 Terabyte Daten und mehrere 10 000 Proben von Eis, Schnee, Wasser und Luft mit nach Hause gebracht worden. «In etwa 300 derzeit laufenden einzelnen wissenschaftlichen Aktivitäten sind wir dabei, unser Wissen um das arktische Klimasystem Puzzlestück um Puzzlestück aus unseren Messungen zusammenzusetzen», so Rex. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, die Daten seien wichtig, um das Klimageschehen in der Arktis und damit auch in gemäßigten Breiten zu verstehen. «Mosaic hat das Epizentrum des Klimawandels umfassender erforscht, als es jemals zuvor möglich war», so die Ministerin.

Erst die Auswertung der nächsten Jahre werde zeigen, ob das ganzjährige arktische Meereis noch zu retten sei, sagte Rex. Er warnte, sollte die sommerliche Arktis eisfrei werden, könne dies «unkontrollierte Kaskaden» auslösen. Diese könnten die Erderwärmung immer weiter antreiben. «Das Auslösen des Kipppunktes, der zum Verschwinden des sommerlichen Meereises in der Arktis führt, steht unmittelbar bevor», betonte Rex. «Wir werden womöglich die letzte Generation sein, die eine eisbedeckte Arktis im Sommer erlebt hat», sagte auch Meereis-Physikerin Stefanie Arndt, eine der insgesamt 300 internationalen Forschenden an Bord der «Polarstern». 

Rex appellierte, die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid drastisch und schnell zu reduzieren, um die angestrebten Klimaziele noch zu erreichen. Zusätzlich müsse dringend an neuen Technologien gearbeitet werden, mit denen der Atmosphäre Kohlendioxid in großem Umfang entzogen werden könnte. «Diese Technologien haben wir noch nicht.» 

Karliczek sagte, spätestens nach 2030 müsse mit einer solchen CO2-Entnahme begonnen werden. Nur so könne das Ziel erreicht werden, bis 2045 klimaneutral zu leben und zu wirtschaften. «Wir brauchen gerade in den Klimatechnologien rasanten Fortschritt», sagte sie. 

© dpa-infocom, dpa:210615-99-04208/2

@ dpa.de