Übergewicht: 45% tragen 47-mal höheres Herzinfarkt-Risiko
03.06.2026 - 17:31:13 | boerse-global.deDas ist das alarmierende Ergebnis einer aktuellen Untersuchung, die zeigt: Der BMI allein sagt wenig aus – entscheidend sind andere Werte.
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Die OBSCORE-Methode: Präziser als der BMI
Forscher der Queen Mary University of London und des Berlin Institute of Health an der Charité haben ein neues Diagnosemodell entwickelt. OBSCORE analysiert 20 verschiedene Gesundheitsmarker – darunter Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck – und soll das Risiko für Folgeerkrankungen bei Menschen mit einem Body-Mass-Index ab 27 vorhersagen.
Die Ergebnisse sind frappierend: Von den 197.264 Teilnehmern der britischen UK-Biobank-Studie, die über zehn Jahre beobachtet wurden, befanden sich fast 45 Prozent der leicht Übergewichtigen (BMI 27–30) in der höchsten Risikokategorie. Für diese Gruppe war die Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, 47-mal höher als für Menschen in niedrigeren Risikostufen.
Die Botschaft der Forscher ist klar: Cholesterinwerte und andere Stoffwechselmarker sind oft präzisere Indikatoren für die Sterblichkeit als der BMI allein. Eine weitere Analyse mit 9,4 Millionen Teilnehmern aus dem Jahr 2026 bestätigte: Werte über 200 mg/dl Gesamtcholesterin, Blutdruck über 120/80 mmHg und Nüchternblutzucker über 100 mg/dl gelten als kritische Schwellen.
Statine: Die Wahrheit über Nebenwirkungen
Eine große Übersichtsstudie, die 2026 im Lancet veröffentlicht wurde, bringt Licht ins Dunkel der Statin-Nebenwirkungen. Die Forscher untersuchten fünf verschiedene Statine und 66 berichtete Nebenwirkungen – wissenschaftlich bestätigen konnten sie nur sechs: Muskelschmerzen, ein moderat erhöhtes Diabetesrisiko (abhängig von der Dosierung), veränderte Leberwerte, Harnveränderungen und Ödeme.
Der Kardiologe Ulrich Laufs erklärt: „Muskelschmerzen werden von fünf bis zehn Prozent der Patienten berichtet – aber nur etwa zehn Prozent dieser Fälle sind tatsächlich auf die pharmakologische Wirkung der Statine zurückzuführen." Die Forscher schätzen, dass rund 90 Prozent der gemeldeten Nebenwirkungen auf den Nocebo-Effekt zurückgehen: Patienten erleben negative Symptome, weil sie sie erwarten. Die Studienautoren fordern daher eine Überarbeitung der Packungsbeilagen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen: Oft unterschätzt
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen – werden aber häufig unterschätzt. Der Grund: Die Symptome sind unspezifisch. Statt klassischer Brustschmerzen leiden Frauen oft unter ungewöhnlicher Müdigkeit, Atemnot, Übelkeit oder Schmerzen im Rücken und Nacken.
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Hormonelle Faktoren spielen eine entscheidende Rolle. Östrogen schützt das Herz-Kreislauf-System bis zu den Wechseljahren. Sinkt der Östrogenspiegel, steigt das Risiko für Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Arteriosklerose. Zudem zeigen Daten, dass Diabetes und Rauchen das Herzinfarktrisiko bei Frauen stärker erhöhen als bei Männern.
Neue Therapien: Gen-Editing und Herz-Pflaster
Die Behandlung von Cholesterin und Herzkrankheiten erlebt einen Innovationsschub. Drei Verfahren haben in jüngsten klinischen Studien besonders überzeugt:
- Gen-Editing: Die Behandlung VERVE-102 senkte das LDL-Cholesterin innerhalb von 18 Monaten um bis zu 62 Prozent – von durchschnittlich 128 mg/dl auf 51 mg/dl.
- Herz-Gewebe-Züchtung: Eine 2026 im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie bestätigte die Wirksamkeit eines aus Stammzellen gezüchteten Gewebepflasters. Bei zwölf Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz verdickte das „Herzpflaster" die Herzwand um 4,5 Millimeter und verbesserte die Pumpfähigkeit.
- Blutwäsche (Apherese): Neben der etablierten Anwendung bei familiärer Hypercholesterinämie wird die Methode für neue Einsatzgebiete erforscht – darunter die Entfernung von Mikroplastik und die Reduktion von Entzündungsmarkern bei Long-Covid-Patienten.
Forschung mit 11 Millionen Euro
Die Deutsche Gesellschaft für Lipidologie hat am 3. Juni 2026 ihren jährlichen Aufklärungstag begangen. Im Fokus steht das Gleichgewicht zwischen HDL (transportiert Cholesterin zurück zur Leber) und LDL (begünstigt Gefäßveränderungen).
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert derzeit den Sonderforschungsbereich „CARDIO-DIABETES-CROSSTALK" am Deutschen Diabetes-Zentrum und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit einem Budget von über elf Millionen Euro über vier Jahre sollen die biologischen Prozesse entschlüsselt werden, die Diabetes und Herzkrankheiten verbinden – in Deutschland sind rund 9,5 Millionen Menschen betroffen.
Die Harvard Medical School bezeichnet die kardiorespiratorische Fitness als den besten Einzelindikator für Langlebigkeit. Doch Experten betonen: Lebensstil allein reicht nicht. Entscheidend ist die frühzeitige Untersuchung von Cholesterin und Blutdruck – nur so lässt sich die globale Last der Herzkrankheiten reduzieren.
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