Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit am Limit: Lehrkräfte flüchten, Pflegekräfte warnen

24.05.2026 - 06:44:31 | boerse-global.de

Hohe Abbrecherquoten bei Lehrkräften in NRW und wachsende Belastung in Pflegeberufen belasten das System.

Psychische Gesundheit am Limit: Lehrkräfte flüchten, Pflegekräfte warnen - Foto: über boerse-global.de
Psychische Gesundheit am Limit: Lehrkräfte flüchten, Pflegekräfte warnen - Foto: über boerse-global.de

Im Regierungsbezirk Köln haben 2025 insgesamt 228 Lehrkräfte den Schuldienst vorzeitig quittiert. Landesweit waren es rund 870. Die Zahlen bleiben trotz eines leichten Rückgangs auf hohem Niveau – 2024 schieden 234 Kollegen aus, 2023 waren es 238.

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Jeder vierte Lehrer denkt an Ausstieg

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlägt Alarm. Laut einer Studie fühlen sich 36 Prozent der Lehrkräfte mehrmals pro Woche emotional erschöpft. Rund 27 Prozent ziehen einen Berufsausstieg in Betracht.

Die Gründe sind vielfältig: verändertes Schülerverhalten, stark heterogene Klassen und vor allem der grassierende Personalmangel. Ein UNICEF-Bericht aus 2026 sieht Deutschland beim Wohlbefinden von Kindern nur auf Platz 25 von 37 Nationen – Experten führen das auch auf mangelnde Beziehungsqualität in Schulen zurück.

Pflege: Wenn die Helfer selbst Hilfe brauchen

Auch in der Pflege wird die psychische Widerstandskraft zum Überlebensfaktor. Beim Gesundheitstag der Helios-Klinik Erlenbach am 12. Mai 2026 betonten Landrat Björn Bartels und Pflegebeauftragter Thomas Zöller: Wer andere versorgen will, muss zuerst auf sich selbst achten.

Die Klinik setzt auf konkrete Techniken: Resilienz-Training, Yoga und Atemübungen. Die LVR-Klinik Mönchengladbach bietet seit Anfang 2026 verstärkt „Hometreatment“ für psychisch Erkrankte an – das Angebot hat bereits Wartelisten.

Spardruck gefährdet Hilfsangebote

Auf einem Symposium zur seelischen Gesundheit in Berlin warnte Henner Braach, Vorstandschef der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), vor den Folgen des GKV-Stabilisierungsgesetzes. Die geplante Deckelung der Verwaltungskosten gefährde direkt Angebote zur mentalen Gesundheit – besonders in der Landwirtschaft, wo psychische Erkrankungen oft tabuisiert werden.

Braach appellierte an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer: Die Spielräume für Hilfsangebote müssten erhalten bleiben.

Neue Erschöpfung: Mehr als nur Burnout

Die Wissenschaft diskutiert derzeit über ein neues Phänomen. Dr. Marina Christodoulou von der Constructor University spricht von „ontologisch-existenzieller Erschöpfung“. Der Begriff geht über klassisches Burnout hinaus und beschreibt eine tiefgreifende Erschöpfung der Gegenwart.

Gleichzeitig plädiert Hirnforscher Volker Busch von der Uniklinik Regensburg für eine „Stressimpfung“. Statt Belastungen konsequent zu vermeiden, sollen Menschen lernen, Stress durch positive Bewältigungserfahrungen zu begegnen. Besonders junge Führungskräfte seien oft überfordert.

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Arbeitszeitdebatte: Achtstundentag wackelt

Die Diskussion um mentale Gesundheit wird durch die politische Betatte über den Achtstundentag angeheizt. Am 22. Mai 2026 debattierte der Bundestag über Pläne, die tägliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Betrachtung aufzugeben.

Die Union und Wirtschaftsvertreter wie IW-Chef Hüther werben für mehr Flexibilität. Die Grünen, die Linke und der Deutsche Gewerkschaftsbund warnen vor Gesundheitsrisiken. SPD-Arbeitsministerin Bas bremste die Erwartungen, räumte aber ein: Der Koalitionsvertrag sehe Spielräume für wöchentliche Arbeitszeiten von bis zu 48 Stunden vor. Ein Gesetzesentwurf wird für Juni 2026 erwartet.

KI gegen Stress: Technik als Rettung?

Beim 5. Work Health Day in Arnstadt diskutierten Experten über Künstliche Intelligenz im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Thomas Grieß empfahl regelmäßige kurze Einheiten zur Kompetenzvermittlung – um ein Auseinanderdriften der Belegschaft bei neuen Technologien zu verhindern.

Forscher der Northwestern University stellten zudem ein KI-Pflaster vor, das Stressbelastungen in Echtzeit misst. Auf individueller Ebene gewinnt die 10-3-2-1-Methode an Bedeutung: Verzicht auf Koffein, spätes Essen und Bildschirmzeit soll die Schlafqualität verbessern. Experte Dr. José Viña betont jedoch: Die konsequente Umsetzung bleibt der größte Hemmschuh.

Schulfach „Glück“: Prävention von Anfang an

Immer mehr Schulen setzen auf das Fach „Glück“. Die Berthold-Otto-Schule in Berlin ist eines von bundesweit mehreren hundert Beispielen. Der pädagogische Ansatz soll Lebenskompetenz und Achtsamkeit frühzeitig verankern.

Ob solche Konzepte die Abbruchquoten in sozialen Berufen senken können, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Stabilisierung der personellen Ressourcen in Bildung und Pflege wird davon abhängen, ob es gelingt, die Arbeitsbedingungen an die psychischen Belastungsgrenzen der Beschäftigten anzupassen.

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