Psychische Erkrankungen erreichen historischen Höchststand
24.05.2026 - 10:29:40 | boerse-global.deDas zeigt die aktuelle Auswertung der Lancet-Studie für den Zeitraum 1990 bis 2023. Die Fallzahlen haben sich damit im Vergleich zum Beginn der Untersuchung verdoppelt. Besonders drastisch ist der Anstieg seit 2019: Schwere Depressionen legten um 24 Prozent zu, Angststörungen sogar um 47 Prozent. Psychische Leiden sind damit die häufigste Ursache für gesundheitliche Beeinträchtigungen – noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Stressimpfung statt Vermeidung
Wie lässt sich dieser Trend bremsen? Beim 5. Work Health Day in Arnstadt und dem New Work Summit in Berlin diskutierten Experten Ende der Woche über neue Strategien. Der Hirnforscher Volker Busch von der Uniklinik Regensburg plädierte für ein Konzept der Stressimpfung. „Resilienz entsteht nicht durch die Abwesenheit von Belastung, sondern durch positive Bewältigungserfahrungen“, so Busch. Problematisch werde Stress erst, wenn er chronisch verlaufe oder mit Kontrollverlust einhergehe.
Der technologische Wandel verschärft die Situation. Thomas Grieß empfahl auf dem Work Health Day regelmäßige „KI-Boxenstopps“ – kurze Einheiten von 15 Minuten, zweimal im Monat. Ziel: Kompetenzgefälle in Teams abbauen und psychische Belastung durch digitale Überforderung minimieren.
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Benefits sind kein Ersatz für faire Bezahlung
Sandra Strauss vom Urban Sports Club warnte auf dem New Work Summit vor oberflächlichen Mitarbeiter-Benefits. Diese dürften keine gesunde Führungskultur oder angemessene Gehälter ersetzen. Führungskräfte müssten gesundheitsfördernde Maßnahmen aktiv vorleben.
Streit um den Acht-Stunden-Tag
In der Bundespolitik hat eine grundsätzliche Debatte begonnen: Soll der starre Acht-Stunden-Tag einer flexibleren Wochenarbeitszeit weichen? IW-Chef Michael Hüther wirbt für mehr Flexibilität. Der DGB und Sozialverbände warnen vor weiterer Arbeitsverdichtung. Arbeitsministerin Bärbel Bas positionierte sich gegen die Pläne der Union.
Der finanzielle Druck auf die Sozialsysteme verschärft die Lage. Henner Braach, Vorstandschef der SVLFG, warnte vor den Folgen des GKV-Stabilisierungsgesetzes. Der Verwaltungskostendeckel gefährde bewährte Hilfsangebote für Landwirte.
Neue Forschung: Erschöpfung hat viele Gesichter
Dr. Marina Christodoulou von der Constructor University führt das Konzept der ontologisch-existenziellen Erschöpfung in die Debatte ein. Es beschreibt eine tiefgreifende Erschöpfung aus der ständigen Notwendigkeit, sich in einer komplexen Welt selbst zu behaupten.
Eine internationale Studie mit 120 Probanden zeigt: Akuter Stress reduziert die Aktivität im Hippocampus signifikant. Lernen und Problemlösen sind unter Stress physiologisch benachteiligt. Als Gegenmaßnahme empfehlen Experten Atemtechniken mit verlängerter Ausatmungsphase.
Eine UCL-Studie mit über 3.500 Erwachsenen liefert überraschende Ergebnisse: Regelmäßige kulturelle Aktivitäten bremsen die epigenetische Alterung. Bei wöchentlicher Ausübung wurde ein um vier Prozent langsameres Altern beobachtet – vergleichbar mit regelmäßigem Sport.
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Versorgungslage bleibt prekär
Trotz des Wissens um die Krise bleibt die Versorgung mangelhaft. Nur neun Prozent der Betroffenen mit schwerer Depression erhalten weltweit eine minimal angemessene Therapie. In 90 untersuchten Ländern liegt die Quote unter fünf Prozent. Frauen (620 Millionen Betroffene) und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren sind überproportional betroffen.
Selbsthilfeangebote gewinnen daher an Bedeutung. In der Wetterau hat sich die Zahl der Selbsthilfegruppen seit 1998 von 70 auf rund 170 mehr als verdoppelt. Der Schwerpunkt liegt heute auf psychischen Belastungen. Am 16. September soll erstmals ein bundesweiter Tag der Selbsthilfe stattfinden.
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