Physical AI: Nvidia investiert massiv in Südkoreas Robotik-Zukunft
05.06.2026 - 13:12:32 | boerse-global.de
Südkorea soll zum globalen Zentrum für „Physical AI" werden – Nvidia investiert massiv in die Zukunft der Industrieautomation.
Jensen Huang, Chef des US-Chipriesen Nvidia, ist am Donnerstag zu einem viertägigen Besuch in Südkorea eingetroffen. Im Mittelpunkt der Reise steht der Ausbau des Engagements in den Bereichen Robotik und künstliche Intelligenz. Bei seiner Ankunft bezeichnete Huang die Robotik als den nächsten großen Industriesektor des Landes. Südkoreas etablierte Fertigungskapazitäten und seine Expertise in Mechatronik und KI seien entscheidende Wettbewerbsvorteile.
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Strategische Expansion in die „Physical AI"
Der Besuch markiert eine strategische Neuausrichtung von Nvidias Regionalstrategie. Das Unternehmen verlässt sich nicht mehr nur auf das Halbleitergeschäft, sondern fokussiert sich zunehmend auf das gesamte KI-Ökosystem – insbesondere auf die sogenannte „Physical AI". Dabei geht es um die Integration von KI in Hardware, die mit der physischen Welt interagiert, etwa in autonome Fahrzeuge und Industriemaschinen. Analysten bezeichnen Südkorea aufgrund seiner hohen industriellen Automatisierung als idealen Testmarkt für diese Technologien.
Aktuelle Industriedaten belegen: Südkorea führt weltweit bei der Dichte an Industrierobotern – 1.220 Roboter kommen auf 10.000 Arbeiter. Nvidia will diesen Vorteil nutzen. Das Unternehmen baut derzeit ein Forschungs- und Entwicklungszentrum vor Ort auf und arbeitet mit Doosan Robotics zusammen, um Automatisierungslösungen zu entwickeln. Doosan Robotics kündigte an, erste Ergebnisse im Bereich Physical AI ab 2027 vorlegen zu wollen. Das Ziel: humanoide Roboter bis 2028. Beide Unternehmen nutzen Nvidias „Cosmos"-Plattform für das virtuelle Training von Robotersystemen.
Spitzentreffen mit den Industriegiganten
Huangs Terminkalender ist eng getaktet. Am Donnerstagabend traf er sich zu einem Arbeitsessen mit den Chefs der größten südkoreanischen Konzerne: SK Group (Chey Tae-won), Hyundai Motor Group (Euisun Chung), LG Group (Koo Kwang-mo) und Naver (Lee Hae-jin).
Im Fokus der Gespräche stehen gemeinsame Projekte in den Bereichen High-Bandwidth Memory (HBM), KI-gesteuerte Rechenzentren und autonomes Fahren. Erst im Oktober 2025 hatten Hyundai und Nvidia eine Vereinbarung über Investitionen in Höhe von rund 2,8 Milliarden Euro getroffen – für ein gemeinsames KI-Technologiezentrum und ein Physical-AI-Anwendungszentrum.
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Weitere Treffen sind geplant. Am Samstag will Huang mit NC-Corp-CEO Kim Taek-jin über Gaming und KI sprechen. Auch ein mögliches Treffen mit Krafton zum Thema RTX Spark steht im Raum. Am Sonntag schließlich geht es um die breitere Innovationsszene: Ein Treffen mit verschiedenen KI- und Robotik-Startups ist vorgesehen.
Zertifizierung für HBM4 – ein Meilenstein für die Chipindustrie
Ein zentraler Punkt der Reise ist die Sicherung der Lieferkette für Nvidias nächste KI-Beschleunigergeneration. Huang gab heute in Seoul bekannt, dass Samsung Electronics, SK Hynix und Micron den Zertifizierungsprozess für den HBM4-Speicher erfolgreich bestanden haben. Diese Komponenten sind für Nvidias kommende „Vera Rubin"-KI-Architektur vorgesehen.
Die Ankündigung unterstreicht die enge Verflechtung zwischen Nvidia und den südkoreanischen Herstellern. Samsung und SK Hynix liefern derzeit rund 70 Prozent des weltweit in KI-Chips verbauten Speichers. Marktbeobachter betonen, dass Nvidias Abhängigkeit von diesen Zulieferern weiter wächst – vor allem, weil Südkorea massiv in KI-Infrastruktur investiert. Erst im Oktober 2025 hatte das Land mehr als 260.000 KI-Chips bei Nvidia bestellt.
Public Outreach und kulturelle Annäherung
Der Besuch – bereits Huangs zweiter in Südkorea innerhalb von sieben Monaten – umfasst auch mehrere öffentlichkeitswirksame Auftritte. Der CEO besuchte ein Internetcafé, um sich mit E-Sport-Profis zu treffen, darunter die Legende „Faker".
Am Samstag wird Huang den symbolischen ersten Pitch bei einem Baseballspiel der Doosan Bears werfen. Weitere Programmpunkte: ein Besuch der Seoul National University und ein Auftritt in der beliebten Talkshow „You Quiz on the Block". Huang bezeichnete Südkorea als „kritischen Teil des globalen Nvidia-Ökosystems" und machte deutlich, dass sein Besuch darauf abziele, dem Land substanzielle Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen.
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