Russland, USA

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stand auch die Zusammenarbeit im All auf der Kippe.

21.09.2022 - 04:33:34

US-Amerikaner und zwei Russen fliegen gemeinsam zur ISS. In Zeiten schwerer Spannungen fliegen nun erstmals wieder zwei Russen und ein Amerikaner zusammen zur ISS.

Der US-Amerikaner Frank Rubio und die beiden russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew und Dmitri Petelin fliegen in Zeiten großer politischer Spannungen heute gemeinsam ins All. An Bord einer Sojus-Rakete sollen sie um 15.54 Uhr MESZ vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in der Steppe der Republik Kasachstan in Zentralasien abheben, wie die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mitteilte. Es ist der erste gemeinsame Flug seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar.

An Bord hat die Crew auch 120 Kilogramm Nachschubmaterial für die ISS, darunter Hygiene- und medizinische Artikel, wissenschaftliche Apparate und persönliche Gegenstände der Kosmonauten. Der 46-jährige Rubio sagte in Baikonur, er freue sich auf den Blick von dort oben auf die Erde. Gespannt sei er auf die «Dunkelheit und darauf, wie die Sterne von dort aus aussehen».

Rubio hatte schon vorab gesagt, dass die Raumfahrt eine Möglichkeit sei, auch in Zeiten politischer Spannungen gemeinsam etwas zu leisten. Die Crew sprach vorab nicht über den Krieg, sondern vor allem über Persönliches und den Alltag von Raumfahrern. Alle machten dabei deutlich, dass sie in dem halben Jahr auf der ISS vor allem ihre Familien vermissen würden.

Das Schwerste werde für ihn persönlich die lange Trennung von seiner Frau und seinen vier Kindern sein, sagte der in Los Angeles geborene Astronaut Rubio, der seit 2017 bei der Nasa ist und nun zum ersten Mal ins All fliegt. Ein paar Familienfotos werde er mit zur ISS nehmen. «Es ist eine Ehre für mich, in die Fußstapfen früherer Raumfahrer zu treten», sagte er vor dem Start.

Krieg belastet Zusammenarbeit im Weltraum

Die russische Invasion belastet die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Moskau und Washington zusätzlich. Russland beklagt, dass die von den USA und der EU erlassenen Sanktionen im Zuge des Kriegs die Arbeit in der Raumfahrt erschweren, darunter die Produktion der auch militärisch nutzbaren Raketen. Zeitweilig stand die Zusammenarbeit auch ganz auf der Kippe.

Die beiden Kosmonauten Prokopjew und Petelin reisen mit Rubio nun in einer Sojus-Raumkapsel vom Typ MS-22 in einem drei Stunden langen Flug zum Außenposten der Menschheit. Im Oktober soll die russische Kosmonautin Anna Kikina an Bord einer «Crew Dragon»-Kapsel von Elon Musks Firma SpaceX von den USA aus zur ISS fliegen. Die Flüge soll Hoffnung geben, dass die Zusammenarbeit auf der ISS noch über Jahre fortgesetzt wird. Russland hatte zuletzt einen Ausstieg aus dem Projekt nach 2024 angekündigt, aber kein Datum genannt.

Zahlreiche Aufgaben und Experimente

Zur 68. ISS-Mission sagte Kosmonaut Prokopjew vor dem Start: «Das Programm ist ziemlich voll - neben dem schnellen Andocken sind fünf Ausstiege ins Weltall geplant.» Zudem seien 48 Experimente vorgesehen, darunter die Arbeit mit einem 3D-Drucker in der Schwerelosigkeit. Geplant ist demnach das Ausdrucken von verschiedenen Figuren aus unterschiedlichen Materialien. Womöglich könnte das in Zukunft zu einer neuen Generation an 3D-Druckern führen.

Während es für Prokopjew der zweite Flug ins Weltall ist, fliegen Petelin und Rubio zum ersten Mal. Prokopjew sagte: «Wir spielen alle Fußball. Wir werden im All sicher einen Ball finden.» Er habe selbst schon Tennis und Badminton in der Schwerelosigkeit gespielt. Ansonsten sei der Tagesablauf wie auf der Erde auch: Tagsüber arbeiten, Nachtruhe sei von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr. «Ich schlafe besser als auf der Erde», sagte der 47-Jährige.

Allein sein werden die drei Raumfahrer nicht auf der ISS in rund 400 Kilometern Höhe über der Erde. An Bord sind bereits der Kommandant der 67. Expedition, Oleg Artemjew, die Kosmonauten Denis Matwejew und Sergej Korssakow sowie die Nasa-Astronauten Bob Hines, Kjell Lindgren, Jessica Watkins und die Italienerin Samantha Cristoforetti von der europäischen Raumfahrtbehörde Esa.

@ dpa.de

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