Kali365: Phishing-Plattform umgeht Microsoft-365-Schutz für 230 Euro
05.06.2026 - 19:44:06 | boerse-global.de
Ursprünglich auf Microsoft-365-Umgebungen konzentriert, nehmen die Betreiber nun verstärkt Identitätsdienste, Cloud-Infrastrukturen und Messenger-Apps ins Visier. Sicherheitsforscher identifizierten bereits 126 schadhafte Hosts.
So umgeht Kali365 die Zwei-Faktor-Authentifizierung
Das Geschäftsmodell basiert auf einem Abonnement-System. Für monatliche Beträge ab etwa 230 Euro verkaufen die Betreiber Zugänge über Kanäle wie Telegram. Die Plattform nutzt einen legitimen OAuth Device Code Flow aus, um die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen.
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Dabei imitieren die Angreifer Prozesse, bei denen Opfer einen Code auf einer echten Anmeldeseite eingeben. So erlangen sie Zugriffstoken für Konten – ohne das tatsächliche Passwort des Nutzers zu kennen. Betroffen sind unter anderem Outlook, Teams und OneDrive.
Neue Ziele: Messenger und Cloud-Dienste
Die Infrastruktur von Kali365 zielt mittlerweile auch auf den MAX Messenger ab, der rund 110 Millionen Nutzer zählt. Zudem dokumentierten Analysten Angriffe auf Okta SSO und Amazon Web Services (AWS). Bereits im April stiegen die bösartigen Login-Versuche in Microsoft-Umgebungen um etwa 25 Prozent.
Parallel dazu wurde Anfang Juni eine neue Bedrohung durch die Malware IronWorm bekannt. Sie infizierte am 4. Juni 2026 insgesamt 36 npm-Pakete. Das deutet auf eine anhaltende Gefährdung von Software-Lieferketten hin. In den vergangenen zwölf Monaten registrierten Sicherheitsexperten zudem über 1.500 verdächtige Interaktionen über Kollaborations-Tools in mehr als 170 Organisationen.
Deutsche Nutzer überschätzen ihre Passwortsicherheit
Trotz der technologischen Aufrüstung der Angreifer zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbands eco und YouGov: Ein Großteil der deutschen Internetnutzer hält die eigenen Zugangsdaten für sicher. Rund 74 Prozent der Befragten bewerten ihre Passwörter als sicher – doch nur 25 Prozent nutzen eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Lediglich jeder Dritte setzt auf Passkeys.
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So schützen sich Unternehmen
Sicherheitsexperten und Behörden wie das FBI raten dringend zur Sensibilisierung. Administratoren sollten den Device-Code-Flow über Conditional Access in den Identitätseinstellungen blockieren. Das schließt die spezifische Schwachstelle, die Kali365 ausnutzt.
Die Kosten für die manuelle Abwehr von Phishing-Angriffen steigen stetig. Automatisierte und KI-gestützte Sicherheitslösungen gewinnen daher an Bedeutung – auch wenn Angreifer dieselbe Technologie zur Optimierung ihrer Kampagnen nutzen.
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