Quartalszahlen, USA

Hohe Teuerung, steigende Zinsen und ein trĂŒber Wirtschaftsausblick - das bekommt auch Amazon zu spĂŒren.

28.10.2022 - 16:19:31

Amazon erwartet maues Quartal - Aktie bricht ein. Entsprechend schwach ist die Prognose fĂŒrs Schlussquartal.

Der weltgrĂ¶ĂŸte Online-HĂ€ndler Amazon rechnet angesichts von erhöhter Inflation und Rezessionssorgen mit einem ĂŒberraschend schwachen WeihnachtsgeschĂ€ft. Der Konzern erwartet im Schlussvierteljahr Erlöse zwischen 140 Milliarden und 148 Milliarden Dollar, wie er am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte.

Das entspricht einem fĂŒr Amazons VerhĂ€ltnisse mauen Wachstum zwischen zwei und acht Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit deutlich mehr gerechnet. Anleger ließen die Aktie nachbörslich in einer ersten Reaktion um ĂŒber 20 Prozent fallen. Im regulĂ€ren Handel am Freitag gab der Kurs um rund 10 Prozent nach.

Auch die Gewinnprognose sorgte fĂŒr EnttĂ€uschung. Amazon stellte fĂŒr die drei Monate bis Ende Dezember ein Ergebnis in einer sehr breiten Spanne zwischen null und 4,0 Milliarden Dollar in Aussicht. Im abgelaufenen dritten Quartal verdiente das Unternehmen 2,9 Milliarden Dollar und damit gut neun Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs zwar um 15 Prozent auf 127,1 Milliarden Dollar, blieb aber ebenfalls unter den Markterwartungen. Selbst bei Amazons lukrativer Cloud-Sparte, die Speicherplatz und Onlinedienste fĂŒr andere Unternehmen anbietet, gab es einen WachstumsdĂ€mpfer.

Ausgaben steigen stÀrker als Einnahmen

Amazon Web Services, das Flaggschiff des Cloud-Bereichs, steigerte die Erlöse um 27 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar. Im Vorquartal hatte der Zuwachs noch bei knapp einem Drittel gelegen. Obwohl Amazon angesichts des Inflationsdrucks bei Benzin, Energie und Transport nach eigenen Angaben auf strikte Kostenkontrolle setzt, steigen die Ausgaben stÀrker als die Einnahmen. Im vergangenen Quartal kletterten die Betriebsausgaben um 18 Prozent auf 125 Milliarden Dollar. ZusÀtzlich leidet Amazon - wie viele international aufgestellte US-Konzerne - unter dem starken Dollar, der Auslandserlöse nach Umrechnung in heimische WÀhrung in der Bilanz verringert.

Amazons Finanzchef Brian Olsavsky kĂŒndigte in einer Konferenzschalte nach Vorlage der Quartalszahlen an, die Kosten weiter zu senken: «Wir ergreifen Maßnahmen, um den GĂŒrtel enger zu schnallen». In einigen GeschĂ€ftsbereichen soll es Einstellungspausen geben, zudem will das Unternehmen bestimmte Produkte und Services einstellen und Investitionen ĂŒberdenken. Sparmaßnahmen könnten das zuletzt schon relativ maue Wachstum jedoch noch weiter bremsen. An der Börse hat Amazon - wie die anderen großen Tech-Konzerne - ohnehin schon einen schweren Stand. Der Kurs der Aktie ist seit Jahresbeginn bereits um ĂŒber ein Drittel gesunken. Am Freitag fiel der Börsenwert von Amazon im frĂŒhen US-Handel unter die Marke von einer Billion Dollar.

@ dpa.de