Griffkraft: Studie belegt 12 Prozent weniger Sterblichkeit im Alter
05.06.2026 - 08:33:57 | boerse-global.de
Neue Studien zeigen: Muskelkraft und Ausdauer sind die entscheidenden Faktoren für ein langes Leben.
Griffkraft als Lebensmesser
Eine aktuelle Studie im Fachjournal JAMA Network Open liefert beeindruckende Zahlen. Über acht Jahre beobachteten Forscher 5.472 Frauen mit einem Durchschnittsalter von knapp 79 Jahren. Ergebnis: Eine höhere Griffkraft senkt die Sterblichkeit um 12 Prozent – unabhängig von Bewegung oder Gehgeschwindigkeit.
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Der Körper baut bereits ab 30 Jahren Muskeln ab. Pro Jahrzehnt verlieren wir drei bis acht Prozent unserer Muskelmasse. Ab 50 beschleunigt sich der Prozess. Bis zum 80. Lebensjahr können 30 bis 40 Prozent der ursprünglichen Muskulatur verschwunden sein. Schuld sind schrumpfende Muskelfasern, nachlassende Mitochondrien und sinkende Hormonspiegel.
Bewegung als Lebensversicherung
Harvard Health Publishing hat in seinem Ratgeber „Pathways to Longevity“ die wichtigsten Faktoren für ein langes Leben zusammengefasst. Klarer Spitzenreiter: die kardiorespiratorische Fitness. Regelmäßige Bewegung senkt das Sterberisiko um 20 bis 40 Prozent.
Schon 7.000 Schritte täglich können die Lebenserwartung um 50 bis 70 Prozent verbessern. Noch besser: eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Die WHO empfiehlt mindestens zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche. Wer 90 bis 120 Minuten pro Woche Krafttraining macht, senkt sein Sterberisiko um 13 Prozent. In Kombination mit Ausdauertraining sind es sogar fast 50 Prozent.
Muskeln produzieren bei Belastung übrigens Botenstoffe namens Myokine. Diese kommunizieren mit verschiedenen Organen und senken das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Walking Football für die Generation 55+
Neue Sportangebote zielen gezielt auf ältere Menschen ab. Walking Football etwa – eine Fußballvariante ohne Laufen und Körperkontakt – richtet sich an Männer über 55 und Frauen über 40. In den Niederlanden und Deutschland, etwa bei Turnieren in Nürnberg, fördert der Sport nicht nur die Fitness, sondern auch die soziale Teilhabe.
Auch Kommunen reagieren. Die Stadt Wolfsburg hat im Juni eine neue Förderrichtlinie für Seniorengruppen beschlossen. Höhere Aktivitätspauschalen und Projektförderungen sollen die soziale Teilhabe und Mobilität älterer Bürger stärken – rückwirkend zum Jahresbeginn 2026.
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Medikamente als Hoffnungsträger?
Neben aktivem Training rücken medikamentöse Ansätze in den Fokus. Eine US-Kohortenstudie mit Daten von 2010 bis 2024 untersuchte GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Die Wirkstoffe könnten das Risiko für Kniegelenkersatz bei Arthrosepatienten senken. Nach achtjähriger Behandlung zeigte sich ein um fast fünf Prozent geringeres Risiko für eine OP. Experten vermuten eine entzündungshemmende Wirkung, die über den Gewichtsverlust hinausgeht.
Doch Vorsicht: Für Lebensverlängerung durch Supplements oder Wirkstoffe wie Rapamycin oder Metformin gibt es laut Harvard Health Publishing bisher keine belastbaren Belege beim Menschen. Die beste Strategie bleibt: Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht und proteinreiche Ernährung.
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