Euro-Office 1.0: Europas Antwort auf Microsoft-Dominanz startet
08.06.2026 - 20:27:42 | boerse-global.de
Am 9. Juni 2026 geht mit Euro-Office 1.0 eine quelloffene Büro-Suite an den Start, die europäische Institutionen von amerikanischen Plattformen unabhängiger machen soll.
Das Projekt vereint namhafte Partner wie Nextcloud, IONOS, Open-Xchange, XWiki, Tuta und OpenProject. Es kommt zu einem Zeitpunkt, an dem europäische Regierungen und Behörden verstärkt nach digitaler Souveränität streben. Die Software wird unter der AGPLv3-Lizenz veröffentlicht und direkt in Nextcloud Hub 26 integriert sein.
Ein neuer Anlauf für Cloud-Produktivität
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Euro-Office 1.0 bietet browserbasierte Editoren für Dokumente, Tabellen, Präsentationen und PDFs – inklusive Echtzeit-Zusammenarbeit. Technisch basiert die Suite auf einem Fork des OnlyOffice-Kerns und nutzt HTML5-Canvas-Technologie für eine hohe Darstellungstreue. Verfügbar sein wird die Lösung zunächst über IONOS Managed Nextcloud und Nextcloud Workspace.
IONOS-CEO Achim Weiß betonte die Notwendigkeit einer souveränen europäischen Büro-Lösung. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen hätten dem Projekt zusätzlichen Schub verliehen. Die offizielle Vorstellung ist für den Vormittag des 9. Juni auf dem Nextcloud Summit in München geplant, der Livestream ist öffentlich zugänglich.
Desktop- und mobile Anwendungen sind für kommende Versionen angekündigt – der Fokus liegt zunächst auf der Web-Funktionalität.
LibreOffice-Entwickler kritisieren Strategie
Noch vor dem offiziellen Launch hagelt es Kritik von der Document Foundation (TDF), der Organisation hinter LibreOffice. In einem offenen Brief vom 8. Juni 2026 warf Vorstandsmitglied Italo Vignoli den Entwicklern vor, mit Euro-Office einen strategischen Fehler zu begehen.
Der Vorwurf wiegt schwer: Euro-Office setzt als natives Format auf Microsofts OOXML (DOCX, XLSX, PPTX). Vignoli argumentiert, dass ein von Microsoft kontrollierter Standard als Standardformat die Abhängigkeit vom US-Konzern zementiere – das Gegenteil von digitaler Souveränität. Nur das offene ODF-Format gewährleiste echte Kontrolle über die eigenen Inhalte.
Die TDF widerspricht zudem der Behauptung, Euro-Office sei die erste in Europa entwickelte Open-Source-Büro-Suite. Sie verweist auf OpenOffice.org (2001) und LibreOffice (2010) als frühere europäische Initiativen.
Nextcloud-CEO Frank Karlitschek reagierte gelassen: Volle ODF-Unterstützung sei für eine Folgeversion fest eingeplant.
Europas Tech-Wende nimmt Fahrt auf
Der Start von Euro-Office ist Teil einer größeren Bewegung. Am 3. Juni 2026 stellte die EU-Kommission ihr Europäisches Technologie-Souveränitätspaket vor – mit einem Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz sowie einem aktualisierten Chips-Gesetz. Ziel: kritische Abhängigkeiten von ausländischen Anbietern reduzieren.
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Die konkreten Schritte zeigen, dass es nicht bei Ankündigungen bleibt:
- Das Europäische Parlament machte am 4. Juni 2026 die französische Suchmaschine Qwant zum Standard – Google wurde abgelöst.
- Die französische Regierung führt LaSuite ein und will Microsoft Teams bis 2027 ersetzen.
- Die Niederlande migrieren Code von GitHub weg und bauen Microsoft- sowie Google-Dienste in der Verwaltung ab.
- Finnland und Belgien haben sich von AWS für bestimmte Regierungs- und Wahldaten getrennt.
Branchenbeobachter rechnen vor: Der jährliche IT-Etat der EU liegt bei rund 264 Milliarden Euro. Eine vollständige Abkehr von US-Technologie bleibt kurzfristig komplex. Doch die Nachfrage nach lokal kontrollierten Alternativen wächst – und Projekte wie Euro-Office zeigen, dass die europäische Tech-Industrie liefern will.
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