International, Gesundheit

Es gab Fortschritte im Kampf gegen die Infektionskrankheit Tuberkulose, die unbehandelt zum Tod führen kann.

15.10.2021 - 11:46:11

WHO - Corona wirft Kampf gegen Tuberkulose um Jahre zurück. Die Pandemie allerdings hat viele positive Entwicklungen zunichtwe gemacht.

Genf - Die Coronavirus-Pandemie hat den Kampf gegen Tuberkulose nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um Jahre zurückgeworfen.

Von knapp zehn Millionen Menschen, die nach Schätzungen im vergangenen Jahr an Tuberkulose (TB) erkrankten, wurden nur 5,8 Millionen diagnostiziert, berichtete die WHO am Donnerstag in Genf. Im Jahr davor waren es noch 7,1 Millionen. Der Rückgang ist unter anderem auf Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen zurückzuführen sowie auf die Überlastung von Gesundheitsdiensten.

TB war 2020 nach Covid-19 die zweithäufigste Todesursache durch einen einzelnen Infektionserreger. Es starben gut 1,5 Millionen Menschen daran, nach 1,4 Millionen im Jahr davor. Der über Jahre geschaffte Trend eines Rückgangs von Neuansteckungen wurde fast gestoppt. Wenn Kranke nichts von ihrer Infektion wissen, können sie nicht behandelt werden.

Die Zahlen für 2021 und 2022 dürften deshalb noch schlechter sein, so die WHO. Ausgaben für Diagnose, Behandlung und Prävention gingen 2020 von 5,8 auf 5,3 Milliarden Dollar (4,6 Mrd Euro) zurück. Das ist weniger als halb so viel, wie nach WHO-Angaben nötig wäre.

Tuberkulose ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen, etwa den Husten von Infizierten, übertragen wird. Sie befällt vor allem die Lunge. Die Krankheit kann erst Jahre nach einer Infektion ausbrechen. Anzeichen sind Husten, Müdigkeit und Fieber. Mit einer mehrmonatigen Antibiotikabehandlung kann sie geheilt werden. Unbehandelt kann sie zum Tod führen.

Die WHO-Mitgliedsländer hatten vor sechs Jahren beschlossen, die TB-Epidemie bis 2030 maßgeblich einzudämmen. Verglichen mit 2015 sollte die Zahl neuer Fälle pro 100 000 Menschen um 80 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 90 Prozent sinken. Die Zwischenziele für 2020 wurden deutlich verfehlt. Die Inzidenz ging bis dahin nur um elf Prozent zurück statt wie angepeilt um 20 Prozent. Bei den Todesfällen lag der Rückgang bei 9,2 statt bei 35 Prozent. Die besten Ergebnisse verzeichnete die WHO-Region Europa, wo die Inzidenz sogar um 25 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 26 Prozent zurückging, vor allem wegen Fortschritten in Russland.

Gut ein Viertel aller Tuberkulose-Infizierten lebt in Indien, 8,5 Prozent in China und 8,4 Prozent in Indonesien, gefolgt von den Philippinen, Pakistan und Nigeria. Acht Prozent der TB-Kranken waren mit dem HI-Virus infiziert, das eine Immunschwäche verursacht.

© dpa-infocom, dpa:211014-99-596664/2

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Covid-19 - WHO will globalen Pandemie-Pakt schließen. Solidarität ist nicht so wichtig. Ein globaler Pandemie-Pakt soll das künftig verhindern. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Länder in der Krise oft auf nationale Alleingänge setzen. (Wissenschaft, 01.12.2021 - 13:06) weiterlesen...

Krankheiten - Biden will HIV-Epidemie in USA bis 2030 beenden. Aids soll in den USA bald keine Chance mehr haben. Zum Welt-Aids-Tag gibt US-Präsident Biden ein großes Versprechen ab und will die Anstrengung im Kampf gegen die Immunkrankheit verdoppeln. (Politik, 01.12.2021 - 11:22) weiterlesen...

Zwei Jahre Corona - Wie lange noch von der Pandemie zur Endemie? Wie geht die Corona-Pandemie weiter? Kommt die erwartete Endemie? Oder muss man befürchten, sie ende nie? Was Fachleute nach zwei Jahren mit Sars-CoV-2 und Millionen Toten weltweit sagen. (Wissenschaft, 01.12.2021 - 10:54) weiterlesen...

Coronavirus - G7: Zugang zu Impfstoffen für Kampf gegen Omikron zentral. Nach Einschätzung der G7-Gesundheitsminister braucht es für einen erfolgreichen Kampf gegen die Mutation vor allem genügend Impfstoff - und das für alle. Aus immer mehr Ländern werden neue Fälle mit der Corona-Variante Omikron gemeldet. (Politik, 29.11.2021 - 19:40) weiterlesen...

Coronavirus - Omikron breitet sich aus - G7-Gesundheitsminister beraten. Zahlreiche Länder verschärfen ihre Einreisebestimmungen. Nun wollen die G7-Fachminister über das weitere Vorgehen sprechen. Die neue Virusvariante versetzt die Welt in Alarmstimmung. (Politik, 29.11.2021 - 03:52) weiterlesen...

Pandemie - Immer mehr Nachweise: Was wir bislang über Omikron wissen. Auch von dieser Variante waren zunächst nur wenige Fälle bekannt - und schon kurze Zeit danach bestimmte sie vielerorts das Infektionsgeschehen. Vieles bei Omikron erinnert an die Anfangsphase von Delta. (Wissenschaft, 28.11.2021 - 15:16) weiterlesen...