Gesundheit, Ernährung

Eine der weltweit größten Gesundheitsstudien zeigt: Im globalen Vergleich geht es Deutschland ausgesprochen gut.

09.11.2018 - 11:00:06

Studie: Große Unterschiede - Deutschland weltweit spitze bei medizinischem Personal. Sorgen bereiten den Forschern vier Gesundheitsrisiken, die gut vermeidbar wären.

Seattle ? Was haben Deutschland, Island und Kuba gemeinsam? Sie gehören zu den 15 Ländern der Welt mit dem meisten medizinischen Personal. Das geht aus einer der weltweit größten Gesundheitsstudien hervor, die in der britischen Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht wurde.

Auf den letzten Platz kam demnach das westafrikanische Land Benin. Berücksichtigt wurde die Zahl der Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen im Vergleich zur Einwohnerzahl. Einen Rückschluss auf die Qualität der medizinischen Versorgung lasse die Studie mit Daten aus dem Jahr 2017 nicht zu, betonen die Autoren.

Sorgen bereitet den Wissenschaftlern, dass fast die Hälfte aller 195 untersuchten Länder mit einem Mangel an medizinischem Personal zu kämpfen hat. Hier standen im vergangenen Jahr weniger als zehn Ärzte und weniger als 30 Krankenschwestern und Hebammen pro 10.000 Einwohner zur Verfügung. Die Forscher bewerteten die Länder auf einer Skala von 0 bis 100 - in der Spitzengruppe, zu der Deutschland gehört, erzielten alle 15 Staaten den Bestwert. Die Versorgung mit medizinischem Personal wurde in der zuletzt alle zwei Jahre erscheinenden Studie mit dem Titel «Global Burden of Disease» (etwa: Weltweite Krankheitslast) zum ersten Mal untersucht.

Im Unterschied dazu analysieren die Forscher in dem Projekt bereits seit den Neunzigerjahren die wichtigsten Gesundheitsrisiken der Welt. Für alarmierend halten sie, dass mehr als die Hälfte der weltweit 56 Millionen Todesfälle im Jahr 2017 auf nur vier weitgehend vermeidbare Faktoren zurückging: hoher Blutdruck, Rauchen, hohe Blutzuckerwerte und Übergewicht. Alle vier Faktoren gewannen im Vergleich zu 1990 an Bedeutung. Außerdem habe sich die Zahl der Toten durch Konflikte und Terrorismus in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Weniger Menschen erkrankten und starben hingegen an verunreinigtem Wasser, schlechter Hygiene oder Luftverschmutzung in Häusern.

Die Lebenserwartung der Menschen stieg zwar im globalen Mittel, sie unterschied sich regional und je nach Geschlecht aber stark. 2017 geborene Mädchen hatten in 180 von 195 Ländern eine höhere Lebenserwartung als Jungen. Sie liegt im weltweiten Schnitt bei 75,6 Jahren, bei Jungen hingegen bei 70,5 Jahren. Zum Vergleich: Im wohlhabenden Deutschland lag die Lebenserwartung im selben Jahr jeweils mehr als sieben Jahre höher ? für Mädchen bei 83 Jahren und für Jungen bei 78,2 Jahren. Die Forscher weisen darauf hin, dass eine steigende Lebenserwartung eine bessere Gesundheitsversorgung erfordere.

Insgesamt bezeichnen die Forscher die globale Gesundheitsentwicklung als beunruhigend. Sie schreiben: «Die weltweiten Zahlen zeigen nicht nur eine besorgniserregende Verlangsamung des Fortschritts, der Blick auf die detaillierten Ergebnisse bringt auch exakt zutage, wie unausgewogen die Entwicklung ist.» Es bedürfe großer internationaler Anstrengungen, um Gesundheitsrisiken in allen Teilen der Welt zu reduzieren und die medizinische Versorgung zu verbessern.

Die Studie «Global Burden of Disease» wurde Anfang der Neunzigerjahre von der US-amerikanischen Harvard University, der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank ins Leben gerufen. Mittlerweile sind über 3500 Wissenschaftler aus mehr als 140 Ländern an dem Projekt beteiligt.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Start der Grippewelle steht bevor. In der zweiten Januarwoche seien bislang rund 1260 bestätigte Grippefälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza mit. Das war mit Abstand der höchste Wert dieser Saison, die offiziell im Oktober begann und Anfang Dezember langsam an Fahrt aufnahm. Bisher gab es in Deutschland elf gemeldete Todesfälle im Zusammenhang mit Grippe. Berlin - Experten rechnen mit dem baldigen Beginn einer Grippewelle in Deutschland. (Politik, 17.01.2019 - 11:50) weiterlesen...

Häufigere Arztbesuche - Eltern leiden besonders unter längeren Arbeitszeiten Gefährdet die Verlängerung der Arbeitszeit um eine Stunde pro Woche die Gesundheit? Vor allem Eltern und Frauen gehen dann häufiger zum Arzt. (Wissenschaft, 17.01.2019 - 07:10) weiterlesen...

Winzig und wartungsfrei - Atombatterie im Herz?. Doch Wissenschaftler erwägen, die strahlenden Energiequellen auch im menschlichen Körper zu verwenden. Nukleare Minibatterien sind in der Technik vielseitig einsetzbar. (Wissenschaft, 17.01.2019 - 07:06) weiterlesen...

Längere Arbeitszeiten bedeuten oft mehr Arztbesuche. Das berichten Forscher der Universitäten Halle-Wittenberg und Erlangen-Nürnberg. Sie analysierten Daten von 6500 Beamten und Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst aus den alten Bundesländern. Die Zahl der Arztbesuche stieg demnach um 13 Prozent. Der selbst eingeschätzte Gesundheitszustand habe sich durch die Arbeitszeiterhöhung um 2 Prozent verschlechtert, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Labour Economics». Halle - Steigt ihre Wochenarbeitszeit um eine Stunde, gehen zumindest einige Menschen häufiger zum Arzt. (Politik, 17.01.2019 - 04:54) weiterlesen...

Experte: Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum abschaffen Der Sozialmediziner und Präventionsexperte Ulrich John hat gefordert, Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum ganz abzuschaffen. (Wissenschaft, 16.01.2019 - 13:45) weiterlesen...

Zahl der Ebola-Toten im Kongo steigt auf über 400. Seit Beginn einer Impfkampagne im August haben rund 60 000 Menschen einen experimentellen Ebola-Impfstoff erhalten. Helfer können den Ebola-Ausbruch nur schwer unter Kontrolle bringen, weil im unruhigen Nordosten des zentralafrikanischen Landes zahlreiche Milizen und Rebellengruppen aktiv sind. Die Gruppen kämpfen dort meist um die Vorherrschaft und die Kontrolle über reiche Rohstoffvorkommen. Kinshasa - Im Ost-Kongo sind inzwischen mehr als 400 Menschen an einer Infektion mit dem Ebola-Virus gestorben. (Politik, 16.01.2019 - 12:04) weiterlesen...