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Krankheiten, Gesundheit

Die Sorge vor einer dritten Corona-Welle trifft auf Wünsche nach Wegen aus dem Lockdown: Vor der heutigen Bund-Länder-Runde hat der Virologe Christian Drosten seine Sicht auf die Risiken geschildert.

03.03.2021 - 01:14:09

Corona-Pandemie - Drosten: Anteil ansteckenderer Variante weiter gewachsen

Berlin - Vor den Beratungen von Bund und Ländern in der Corona-Pandemie hat der Virologe Christian Drosten Verständnis für Wünsche nach Lockerungen gezeigt, aber zur Vorsicht gemahnt.

Der Anteil der ansteckenderen Variante B.1.1.7 wachse weiter, die wärmere Jahreszeit werde das Problem nicht beseitigen, und beim Impfen brauche es mehr Tempo, betonte der Experte für Coronaviren von der Charité im «Coronavirus-Update» bei NDR-Info. Es sei «ein wirklich schwieriges Spiel, wenn man jetzt allzu schnell Lockerungen macht. Man läuft da einfach blauäugig in eine Situation rein.»

Der Anteil der in Großbritannien entdeckten Mutante an den Infektionen in Deutschland ist nach Schätzung Drostens auf ungefähr die Hälfte angewachsen - und der Anteil werde weiter steigen, das sei unausweichlich, sagte er. In Großbritannien gebe es mittlerweile nur noch Reste anderer Varianten, B.1.1.7 dominiere vollkommen. Die Maßnahmen dort seien strenger im Vergleich zu Deutschland.

Hierzulande sei bei Lockerungen mit einem Anstieg der Neuinfektionen zu rechnen, erläuterte Drosten. «Aber es ist berechtigt, solche Maßnahmen zurückzunehmen», sagte er und verwies auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Überlegungen. Er verstehe die Wünsche nach Lockerungen vollkommen. Es gelte jedoch, genau zu prüfen, wo dies möglich ist. Modelle der Intensivmediziner-Fachgesellschaft Divi, wonach die Intensivstationen bei zu frühen Lockerungen bereits im Mai wieder stark belastet wären, hält Drosten für realistisch. Die Divi-Experten sprechen sich für einen Lockdown bis Anfang April aus.

Mit einer großen Hilfe der wärmeren Jahreszeit beim Bewältigen der Pandemie rechnet der Virologe nicht. Er verwies auf eine Studie, wonach maximal mit einer Verringerung um 20 Prozent zu rechnen sei. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, «dass wir hier mit einem saisonalen Effekt rechnen können, der so ist wie bei den normalen Erkältungscoronaviren». Anderslautende Behauptungen in der Öffentlichkeit seien wissenschaftlich nicht haltbar.

Die derzeitige Lage sei auch nicht mit dem Frühjahr des vergangenen Jahres vergleichbar, betonte Drosten: Die Fallzahlen seien damals insgesamt niedriger gewesen, das Virus noch nicht flächig verbreitet. Inzwischen sei der Erreger zudem auch in schwer erreichbaren Teilen der Gesellschaft angekommen, wo es wenig Einsicht für die Maßnahmen gebe oder diese Botschaften gar nicht erst ankämen. «Alle diese Dinge müssen wir mit einberechnen und aufpassen, dass wir nicht blauäugig in so eine Situation reinlaufen, die dann später der Wirtschaft auf die Füße fällt.»

Um beim Impfen schneller voranzukommen, plädierte Drosten für mehr Pragmatismus. Mit den Haus- und Betriebsärzten gebe es bewährte Strukturen, die auch genutzt werden sollten. Diese Ärzte wüssten auch, wer bevorzugt geimpft werden müsse. Drosten schilderte seinen Eindruck einer sehr perfektionistischen Planung zu Fragen «wie man bis ins kleinste Glied und weit in den Sommer hinein eine Terminvergabe macht». Es müsse aber gar nicht alles perfekt laufen: Wichtig sei, die großen Impfstoffmengen, die bald zu erwarten seien, möglichst rasch zu verabreichen, um eine Bevölkerungsimmunität aufzubauen.

Nach monatelangem Lockdown deuten sich in Deutschland weitere Öffnungsschritte an - allerdings abhängig vom regionalen Infektionsgeschehen und mit einer «Notbremse». Das geht aus einem vorläufigen Beschlussentwurf für die Bund-Länder-Runde an diesem Mittwoch hervor, der den Stand Montag 19.10 Uhr hat und dem Vernehmen nach noch nicht mit allen Ländern abgestimmt ist. Verknüpft werden zahlreiche Öffnungen darin auch mit massenhaften Schnelltests. Grundsätzlich soll der Lockdown auch wegen der Gefahr durch die neuen Virusvarianten bis 28. März verlängert werden.

© dpa-infocom, dpa:210303-99-662520/2

@ dpa.de

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