Gesellschaft, Medizin

Berlin - Bei Risikoschwangerschaften könnten Ungeborene künftig auf Kosten der Krankenkassen per Bluttest auf Down-Syndrom untersucht werden.

22.03.2019 - 21:54:06

Verfahren eingeleitet - Bluttest auf Down-Syndrom als Kassenleistung steht bevor

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, das höchste Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen, leitete ein offizielles Verfahren ein, bei dem unter anderem wissenschaftliche Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer und der Deutsche Ethikrat Stellungnahmen dazu abgeben sollen.

Bislang müssen Schwangere den ab rund 130 Euro teuren Bluttest meist selbst zahlen. Voraussichtlich im Spätsommer will der Bundesausschuss entscheiden, ob die Leistung in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden soll. Ein Bündnis von Organisationen wendet sich gegen das Vorhaben. Sie fürchten mehr Abtreibungen.

Der Vorsitzende des Bundesausschusses, Josef Hecken, verwies dagegen auf die Risiken anderer Untersuchungen wie der Biopsie der Plazenta oder von Fruchtwasseruntersuchungen sowie die «hohe Testgüte» der Bluttests. Eine Anerkennung der Tests sehe der Ausschuss daher im Einzelfall als medizinisch begründet an. «Es geht nicht etwa um eine Reihenuntersuchung aller Schwangeren», betonte Hecken. Als Risiko-Schwangere gelten unter anderem Frauen ab 35 Jahren.

Derzeit entscheiden sich nach Expertenangaben etwa zehn Prozent der Frauen, die mit einem Kind mit Down-Syndrom (Trisomie 21) schwanger sind, für das Baby. 90 Prozent der Kinder kommen nicht zur Welt.

Für die Tests wird den Schwangeren ab der 11. Woche Blut abgenommen. Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kann unter anderem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen würde. Die Treffsicherheit liegt nach Angaben des Herstellers bei 99 Prozent. Die Falsch-Alarm-Rate sei sehr gering: Etwa eine von 1000 Frauen bekomme fälschlicherweise die Information, ihr Kind habe Trisomie 21.

@ dpa.de