Akupunktur, Millionen

Akupunktur: 20 Millionen Schmerzpatienten warten auf Fachtermine

04.06.2026 - 18:10:25 | boerse-global.de

Akupunktur und TCM zeigen klinische Erfolge, doch die Finanzierung bleibt in Deutschland und Europa uneinheitlich.

Akupunktur & TCM: Fortschritte und Finanzierungsprobleme
Akupunktur - Acupuncture needle being inserted into a hand, with a blurred background of a tranquil clinic. 04.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Klinische Erfolge bei chronischen Schmerzen

Die Wirksamkeit der Akupunktur ist wissenschaftlich gut belegt. Besonders die GERAC-Studie aus dem Jahr 2007 lieferte den Nachweis: Bei chronischen Rückenschmerzen erzielt die Nadeltherapie signifikante Erfolge. Moderne Praxen bestätigen diese Ergebnisse. In Karlsruhe etwa berichten Therapeuten, dass Patienten mit Bandscheibenproblemen nach acht Sitzungen ihren Schmerzmittelkonsum um die Hälfte reduzieren konnten.

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Doch die Anwendung geht weit über den Bewegungsapparat hinaus. Bei akuten und chronischen Nervenschmerzen – etwa durch Gürtelrose – setzen TCM-Spezialisten wie Dr. Chen Chaozong auf die sogenannte „Feuernadel"-Akupunktur. Durch gezielte Stimulation der Punkte Quchi (LI11) und Hegu (LI4) sollen Schmerzsignale blockiert werden. Auch die Ohr-Akupunktur findet zunehmend Verbreitung: Die Aktivierung des Shen-Men-Punkts dient der Stressreduktion, manche Praktiker setzen sogar Dauernadeln für eine mehrtägige Stimulation ein.

Krankenkassen entdecken die Traditionelle Medizin

Weltweit passen Regierungen und Versicherer ihre Politik an die wachsende Nachfrage an. In Vietnam etwa arbeitet das Gesundheitsministerium daran, die traditionelle Medizin stärker in die staatliche Krankenversicherung zu integrieren. 2024 entfielen bereits 5,42 Prozent der Versicherungsausgaben auf diesen Bereich – umgerechnet rund 120 Millionen Euro. Bis 2030 soll die Erstattungsquote auf 30 Prozent steigen, 94 Medikamente und fünf pflanzliche Heilmittel stehen zur Aufnahme in die Erstattungsliste an.

In Europa zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Schweiz ist Vorreiter: Spezialzentren in Wabern und Zürich bieten TCM-Behandlungen zwischen 118 und 156 Schweizer Franken pro Sitzung an – oft von Zusatzversicherungen übernommen. Anders in Österreich: Die BVAEB erhöhte zum 1. Juni 2026 den Selbstbehalt für Kassenbesuche von zehn auf 20 Prozent. Sozialverbände und Politiker kritisieren die Mehrbelastung für Patienten scharf.

Versorgungslücke bei chronischen Schmerzpatienten

Trotz der Fortschritte in der Alternativmedizin klafft in Deutschland eine eklatante Lücke in der Schmerzversorgung. Rund 20 Millionen Menschen leiden hierzulande an chronischen Schmerzen. Lilit Flöther vom Universitätsklinikum Halle beobachtet: Patienten warten oft monatelang auf Facharzttermine und Überweisungen in spezialisierte Einrichtungen.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft schlägt Alarm: Aktuelle Sparmaßnahmen der Regierung könnten die stationären multimodalen Einrichtungen gefährden. Gleichzeitig verändert sich die Abrechnung im ambulanten Bereich. Ab dem 1. Juli 2026 führt der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) eine neue halbjährliche Pauschale (Nr. 03100) ein – sie ersetzt die bisherigen quartalsweisen Pauschalen für chronisch Kranke und Standardpatienten.

Vielfalt der Verfahren und wachsende Präventionsangebote

Die moderne TCM-Praxis bietet weit mehr als die klassische Nadelakupunktur. Eine Behandlung beginnt stets mit einer ausführlichen Anamnese, bei der Puls- und Zungendiagnose Aufschluss über das innere Gleichgewicht geben sollen.

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Die therapeutischen Optionen sind breit gefächert:

  • Nadelakupunktur: Die Nadeln verbleiben 25 bis 30 Minuten im Gewebe.
  • Akupunkt-Massage (APM): Eine nadelfreie Alternative, die in Praxen in Grein und Zürich eingesetzt wird. Mit Massagegeräten werden Meridiane behandelt – etwa bei Narben, Schlafstörungen oder Erschöpfungszuständen.
  • Laserakupunktur und Moxibustion: Nicht-invasive oder thermische Verfahren für empfindliche Patienten oder spezifische muskuläre Probleme.
  • Phytotherapie und Ernährung: Im Primärversorgungszentrum PVE Wien West kombiniert man Allgemeinmedizin mit TCM, Diätetik und Kräutertherapie.

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen zwar nicht alle TCM-Leistungen, unterstützen aber zunehmend zertifizierte Präventionskurse. Techniker Krankenkasse, BARMER und DAK gewähren jährliche Zuschüsse zwischen 150 und 300 Euro für qualifizierte Programme – ein klares Signal für den Trend zur eigenverantwortlichen Gesundheitsvorsorge.

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