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Auto, Messen

Zuspruch statt Dieselkritik: Kanzlerin Angela Merkel sucht auf der umstrittenen Autoschau IAA die NĂ€he der Industrie.

12.09.2019 - 14:42:24

Schulterschluss mit Industrie - Merkel wird bei der IAA zur E-Kanzlerin. Im aktuellen Umbruch der MobilitĂ€t mĂŒssten Regierung und Unternehmen gemeinsam agieren.

  • IAA 2019 - Foto: Silas Stein

    Ausstellung eines Mercedes-Benz Vision EQS auf der IAA in Frankfurt am Main. Foto: Silas Stein

  • Angela Merkel - Foto: Andreas Arnold

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht zur Eröffnung der IAA. Foto: Andreas Arnold

  • IAA 2019 - Protest - Foto: Boris Roessler

    Eine Greenpeace-Aktivistin protestiert am Stand von Volkswagen mit einem Transparent «Klimakiller». Foto: Boris Roessler

  • Merkel auf der IAA - Foto: Boris Roessler

    Mit dem Robo-Taxi da: Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Eröffnungsrundgang auf der IAA neben Bernhard Mattes, PrÀsident des Verbands der Automobilindustrie. Foto: Boris Roessler

IAA 2019 - Foto: Silas SteinAngela Merkel - Foto: Andreas ArnoldIAA 2019 - Protest - Foto: Boris RoesslerMerkel auf der IAA - Foto: Boris Roessler

Frankfurt/Main - Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU) hat auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) der deutschen Autoindustrie eine enge Zusammenarbeit versprochen.

Gemeinsam mĂŒsse man die «Herkulesaufgabe» bewĂ€ltigen, den Verkehrssektor schnell klimafreundlicher zu machen, sagte sie zur offiziellen Eröffnung am Donnerstag in Frankfurt. Am Ende ihres 90-minĂŒtigen Rundgangs mit Besichtigung etlicher Elektroautos, autonom fahrender Shuttle-Busse sowie mit etwas Klimaprotest zieht die E-Kanzlerin ein zufriedenes Zwischenfazit: «Ich konnte mich ĂŒberzeugen, dass wir nicht vor einem Umbruch stehen, sondern dass dieser Umbruch bereits RealitĂ€t ist.»

Nichts ist mehr ĂŒbrig von der vor zwei Jahren noch deutlich formulierten Kritik an den Dieselschummlern, auch die Vorbehalte gegen die beim Kunden erfolgreichen, aber schweren StadtgelĂ€ndewagen macht sich die Kanzlerin nicht zu eigen. Die Greenpeace-Proteste gegen angebliche «Klimakiller» an den StĂ€nden von VW und BMW ignoriert die Kanzlerin, fragt die Autobosse nach Batteriereichweiten und nach den verschiedenen Entwicklungsstufen zum autonomen Fahren.

«Wir können das schaffen, als Deutschland vorne mit dabei zu sein», sagt Merkel. Bis 2022 solle entlang aller Autobahnen der neue Mobilfunkstandard 5G zur VerfĂŒgung stehen, und zwei Jahre spĂ€ter auch entlang der Bundesstraßen. Die Technologie ist wichtig fĂŒr neue digitale Funktionen in den Autos.

FĂŒr den Erfolg der ElektromobilitĂ€t sei die VerlĂ€sslichkeit der Ladeinfrastruktur von grĂ¶ĂŸter Bedeutung, mahnt die Kanzlerin. 20.000 Ladepunkte seien noch lange nicht ausreichend, befindet sie zur Freude der Hersteller.

Bernhard Mattes, PrĂ€sident des Verbandes der Automobilindustrie, wendet sich gegen eine VerschĂ€rfung der bereits geltenden Klimaziele. ZunĂ€chst mĂŒsse das erledigt werden, was vereinbart worden sei. WĂ€hrend die Industrie Technologien zur VerfĂŒgung stelle, halte die notwendige Infrastruktur fĂŒr alternative Antriebe nicht mit. Mattes nennt den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Lade-Infrastruktur und den Netzausbau als Beispiele.

Merkel zeigt sich beim stressigen Rundgang auf der trotz zahlreicher Absagen immer noch imposanten Messe gut in Form und lockerte mit trockenen SprĂŒchen das Programm auf. «Ja, das sieht nach Zukunft aus», meint sie im Angesicht der autonom fahrenden Modell-Studie «EQS» von Mercedes Benz, um gleich zu ergĂ€nzen: «Da muss wenigstens Musik gespielt werden, damit man nicht einschlĂ€ft.» Den allzu plĂŒschig gestalteten Innenraum des BMW iNext kommentiert sie mit den Worten: «Der ruft nach einem Staubsaugeranschluss.»

Auch die Zulieferer wollen der Kanzlerin zeigen, was sie beisteuern zur MobilitĂ€t der Zukunft. Damit tun sie sich als Teilelieferanten naturgemĂ€ĂŸ eher schwer - aber die Technik fĂŒr automatisches Fahren etwa erproben sie alle in kleinen Shuttlebussen, ob nun Bosch, Conti oder ZF.

Bei Conti und ZF nimmt Merkel in den GefĂ€hrten Platz, lĂ€sst aber vor allem Ideenreichtum erkennen. Ob denn angedacht sei, die DĂ€cher der Busse mit Solarpaneelen auszustatten? ZF-Chef Wolf-Henning Scheider muss zugeben, dass der Energiegewinn daraus lediglich fĂŒr die Klimaanlage reichen wĂŒrde.

Bosch-Chef Volkmar Denner lĂ€sst die Kanzlerin wissen, dass der weltgrĂ¶ĂŸte Autozulieferer bereits ab nĂ€chstem Jahr komplett CO2-neutral arbeiten wolle. «Sie beziehen dann Strom aus erneuerbaren Energien oder pflanzen Sie BĂ€ume?» fragt Merkel kritisch nach. Einen Teil der Klimakompensation werde Bosch auch mit eingekauften Zertifikaten leisten mĂŒssen, gesteht Denner der Kanzlerin.

Hessens MinisterprĂ€sident Volker Bouffier (CDU) schlĂ€gt die gleiche autofreundliche Richtung ein und warnte vor «pseudoreligiösen Heilsgewissheiten» in den Diskussionen um den Verkehr von Morgen. «In der FlĂ€che wird individuelle MobilitĂ€t ohne Auto nach meiner Auffassung eine Illusion bleiben», meint der Hesse und stĂ€rkt gleich noch dem aktuell umstrittenen IAA-Standort Frankfurt den RĂŒcken. Die weiterentwickelte IAA sei ein guter Ort, ĂŒber verschiedene MobilitĂ€tskonzepte zu sprechen und die Interessen auszugleichen.

Dabei ist die Fortsetzung der IAA am Messestandort Frankfurt durchaus fraglich. So urteilt der frĂŒhere Opel-Chef Karl-Thomas Neumann: «Die IAA 2019 ist ein großer Reinfall. Sie ist ein trauriger Schatten ihrer selbst. Eine IAA 2021 wird es nicht geben.»

Der veranstaltende VDA will mit seinen Mitgliedern an diesem Donnerstag ĂŒber mögliche Alternativen oder auch eine FortfĂŒhrung an alter StĂ€tte in verĂ€nderter Form sprechen. Mit Ergebnissen sei noch nicht zu rechnen, erklĂ€rt der Verband. Der VDA hat bereits versucht, dem Ereignis mit zusĂ€tzlichen Kongressformaten neue Themen zu erschließen.

KlimaschĂŒtzer warfen der Autoindustrie am Donnerstag erneut vor, den Wandel zu emissionsfreier ElektromobilitĂ€t nicht entschlossen genug voranzutreiben und weiter auf klimaschĂ€dliche StadtgelĂ€ndewagen (SUVs) zu setzen. Am Ausstellungsstand von Volkswagen kletterten zwei Greenpeace-Aktivistinnen auf Autos und hielten Plakate mit der Aufschrift «Klimakiller» hoch. WĂ€hrend Merkel den BMW-Stand besuchte, wurde zudem ein herannahender Protestler vom Sicherheitsdienst abgefangen und abgefĂŒhrt. FĂŒr das Wochenende sind in Frankfurt große Demonstrationen angekĂŒndigt.

@ dpa.de