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WILSTER / NORTORF - Die Stromverbindung zwischen Deutschland und Norwegen hat eine weitere Etappe genommen.

06.10.2017 - 14:24:42

NordLink in Sicht - Wilster als Nordeuropas Energie-Drehscheibe. Am Freitag wurde in der Gemeinde Wilster/Nortorf Richtfest für die Konverterstation gefeiert, über die vom Jahr 2020 an Wasser- beziehungsweise Windstrom in die Versorgungsnetze beider Länder fließen soll. "Wir liegen im Zeitplan und sind im Budget", sagte Lex Hartmann, Mitglied der Geschäftsführung des Übertragungsnetzbetreibers Tennet. Bis zu zwei Milliarden Euro sind für das Gesamtprojekt mit Kabelverlegungen, neuer Konverterstation sowie neuem Umspannwerk in Wilster (Kreis Steinburg) geplant.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck bezeichnete Nordlink als ein Vorzeigeprojekt für die europäische Energiewende. "Wir können die Klimaziele nur erreichen, wenn wir über die Grenzen hinaus denken", ergänzte der Minister für Energiewende. Das Seekabel wird bei Büsum an der Westküste ankommen. Von dort führt ein 54 Kilometer langes Erdkabel zur Konverterstation Wilster. Hier wird dann der angelandete Gleichstrom in Hallen über mehrere Stationen in Drehstrom umgewandelt und an das deutsche Hochspannungsnetz angeschlossen.

Der Umweltminister appellierte an die Politiker der künftigen Bundesregierung sowie an die Länder südlich der Elbe, "den Beschleuniger anzuwerfen", damit die Stromverbindung Südlink vorankommt und die Energiewende weg von atomaren und fossilen Brennstoffen gelingen kann. Südlink soll ebenfalls an das Umspannwerk Wilster West angeschlossen werden.

Vom "Dreh - und Angelpunkt für die Energiewende" an der Westküste könne der Energietransport aus dem windreichen Norden über mehrere hundert Kilometer in den verbrauchsstarken Süden beziehungsweise umgekehrt nach Norwegen erfolgen, ergänzte der Tennet-Vertreter. Habeck forderte die Politiker auf, sich vor Ort mit unbequemen Fragen der Menschen zu Energiewende-Projekten auseinanderzusetzen und verantwortlich zu handeln. "Und wenn Bayern den sauberen Strom nicht haben will, nehmen wir ihn." Die Nordlink-Leitung hat eine Kapazität von 1400 Megawatt, was der Leistung eines Atomkraftwerks entspricht. Davon können mehr als 3,6 Millionen deutsche Haushalte profitieren.

Der Bürgermeister der rund 4400 Einwohner zählenden Gemeinde Nortorf, Manfred Boll (CDU), hätte es sich nach seinem Bekunden nicht träumen lassen, einmal direkt mit Norwegen verbunden zu sein. Angesichts des Marschlandes, das für die Konverterstation mit 200 000 Tonnen Sand und 2000 Stützpfählen verdichtet werden musste, mahnte der Gemeindevertreter den Minister: "Sorgen Sie dafür, dass die Elbdeiche erhalten bleiben. Denn wenn wir hier unter Wasser stehen, haben wir keinen Strom." Die über 20 Meter hohen Hallen am Ortsrand neben Kuhwiesen, Bauernhöfen und Windkrafträdern in der Ferne seien die höchsten Gebäude in einer der niedrigsten Ecken Deutschlands, berichtete der Bürgermeister.

Im August hatten die Projektpartner von NordLink mit der Verlegung des 516 Kilometer langen Seekabels auf dem Meeresboden begonnen, 134 Kilometer bis zur Grenze der dänischen Hoheitsgewässer sind eingebracht. Unter dem Landesschutzdeich bei Büsum wurden Leerrohre eingezogen. Die Verlegung auf See werde 2018 fortgesetzt, kündigte Tennet an. Außerdem wird dann das Erdkabel von Büsum nach Wilster gezogen. Umspannwerk und Konverteranlage werden von Lehrte bei Hannover (Niedersachsen) aus gesteuert.

Hinter dem NordLink-Projekt stehen zu jeweils 50 Prozent der norwegische Übertragungsnetzbetreiber Statnett sowie die DC Nordseekabel. An dieser sind wiederum Tennet und die Bank KfW jeweils zur Hälfte beteiligt.

@ dpa.de

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