Deutschland, Volkswirtschaft

WIESBADEN - Alle Jahre wieder sollten Arbeitnehmer im November ihre Gehaltsabrechnung besonders aufmerksam lesen.

05.11.2018 - 14:22:24

Längst nicht alle Beschäftigten bekommen Weihnachtsgeld. Eine Mehrheit findet dort Sonderzahlungen in unterschiedlicher Höhe, die entweder längst verplant oder für Weihnachtsgeschenke hochwillkommen sind. Vor allem Tarifbeschäftigte können sich auf das Extra zum Jahresende verlassen, wie das Statistische Bundesamt am Montag berichtete. 87 Prozent dieser Gruppe erhalten danach im Schnitt 2583 Euro zusätzlich, im Osten etwas weniger, im Westen etwas mehr.

Allerdings sind den IAB-Forschern der Arbeitsagentur zufolge nur noch rund 54 Prozent der Beschäftigten in Unternehmen tätig, die an einen Flächen- oder Haustarifvertrag gebunden sind - Tendenz weiter rückläufig. Rund die Hälfte der nicht tarifgebundenen Betriebe orientiert sich aber an den aktuellen Verträgen zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften und zahlt dann dementsprechend auch Jahressonderleistungen. Nicht selten aber unter dem Vorbehalt der Betriebstreue oder erreichter Erfolgsziele.

Denn hinter dem volkstümlichen Begriff Weihnachtsgeld verbergen sich so unterschiedliche Dinge wie Erfolgs- und Treueprämien, freiwillige Boni ebenso wie tariflich festgeschriebene Entgeltansprüche der Beschäftigten. Die Wiesbadener Statistiker erfassen beispielsweise alle zusätzlichen Jahreszahlungen, die laut Tarifvertrag im November oder Dezember ausgezahlt werden müssen.

Mindestens jeder vierte Arbeitnehmer bekommt gar keine zusätzlichen Zahlungen. In die Röhre schauen beispielsweise hunderttausende Gebäudereiniger. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt rüstet bereits zu Streiks, sollten die bislang hartleibigen Arbeitgeber nicht in dieser Woche noch einlenken. Gelungen ist das im laufenden Jahr bereits beim ostdeutschen Bauhauptgewerbe. "Die Gewerkschaften schließen die Lücken beim Weihnachtsgeld", befindet der Chef des WSI-Tarifarchivs bei der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung, Thorsten Schulten. Aus seiner Sicht sind die Sonderzahlungen ein wichtiges Argument im Kampf um die besten Fachkräfte.

Beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln geht Experte Christoph Schröder hingegen von einem weitgehend gleich bleibenden Etat aus. Mehr als 50 Milliarden Euro brutto würden in den kommenden Wochen zusätzlich an die Beschäftigten ausgeschüttet, rund ein Drittel davon leistungs- und erfolgsabhängig. Sollte sich die Konjunktur dauerhaft abschwächen, stecken hier die ersten Ansatzpunkte der Betriebe für Einsparungen, erwartet Schulten.

Die tariflichen Weihnachtsgelder sind meist als Prozentsatz eines Monatsgehaltes verankert, so dass die Empfänger von den Lohnzuwächsen in ihrer Branche auch hier profitieren. Dem stehen einige Verträge mit Festbeträgen etwa in der Landwirtschaft oder im Steinkohlebergbau gegenüber. Laut Bundesamt werden die anteilig höchsten Weihnachtsgelder in den Sparten Erdöl- und Erdgasförderung, bei Rundfunkveranstaltern und bei den Energieversorgern gezahlt.

Das zusätzlich überwiesene und auch sofort besteuerte Weihnachtsgeld ist bei den meisten Empfängern schon fest eingeplant: Sei es, um aufgelaufene Rückstände auszugleichen, die Urlaubskasse zu füllen oder fürs Alter vorzusorgen, etwa über Direktversicherungen. Zum Jahreswechsel werden typischerweise auch Versicherungsprämien und Mitgliedsbeiträge fällig. Damit schmilzt das Weihnachtsgeld fast genauso schnell wie der erste Schnee.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

dpa-AFX Börsentag auf einen Blick: Anleger bleiben vorsichtig FRANKFURT (dpa-AFX) (Boerse, 22.01.2019 - 07:30) weiterlesen...

Merkel und Macron besiegeln Freundschaftspakt - Projekte vereinbart. Im Krönungssaal des historischen Aachener Rathauses wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron ihre Unterschriften unter den deutsch-französischen Vertrag setzen. BERLIN - Genau 56 Jahre nach der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages besiegeln Deutschland und Frankreich am Dienstag einen neuen Freundschaftspakt. (Wirtschaft, 22.01.2019 - 07:29) weiterlesen...

UBS steigert Gewinn trotz schwieriger Marktlage - Erwartungen aber verfehlt ZÜRICH - Die Schweizer Großbank UBS und Deutschen Bank konkurrierende Konzern am Dienstag in Zürich mitteilte. (Boerse, 22.01.2019 - 07:25) weiterlesen...

Devisen: Eurokurs kaum verändert. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1356 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,1362 Dollar festgesetzt. FRANKFURT - Der Euro hat sich am Dienstag nur wenig bewegt. (Boerse, 22.01.2019 - 07:21) weiterlesen...

DAX-FLASH: Erneut schwächer - Warten auf die Wall Street. Unklare weltweite Wachstumsaussichten hielten Anleger und Händler nun wieder zurück nach der Kursrally vom Freitag, sagte Chefstratege Michael McCarthy vom Broker Oanda. Der Broker IG taxierte den Dax am Dienstag knapp zwei Stunden vor Handelsbeginn ein halbes Prozent niedriger auf 11 080 Punkten. FRANKFURT - Auch am zweiten Handelstag der Woche dürften die Kurse am deutschen Aktienmarkt zum Auftakt nachgeben. (Boerse, 22.01.2019 - 07:19) weiterlesen...

Chinesischer Telekom-Gigant Huawei weist Sicherheitsbedenken zurück. "Huawei-Produkte sind nur wie ein Ziegelstein", sagte Dennis Zuo vor deutschen Journalisten, die am Dienstag das Cyber-Sicherheitslabor des Unternehmens in Dongguan in Südchina besichtigen konnten. "Er wird nach bestimmten Standards gebaut. Es lässt sich nicht sagen, dass die Sicherheit des Hauses von diesem Ziegelstein abhängt." Wenn ein ganzes Haus gebaut werde, hänge die Sicherheit vielmehr von vielen anderen Dingen ab. SHENZHEN - Der neue Deutschland-Chef des chinesischen Telekom-Riesen Huawei hat Sicherheitsbedenken gegenüber der Netzwerkausrüstung seines Konzerns zurückgewiesen. (Wirtschaft, 22.01.2019 - 06:48) weiterlesen...