Tarife, Luftverkehr

Wegen eines Streiks in mehreren europäischen Ländern bei Ryanair mussten am Freitag Zehntausende Passagiere am Boden bleiben.

11.08.2018 - 09:23:24

Streiks im Flugverkehr - Cockpit fordert Kompromissbereitschaft von Ryanair. Doch viele Reisende reagierten nach Angaben der Pilotengewerkschaft verständnisvoll. Nun soll es zurück an den Verhandlungstisch gehen.

Frankfurt/Main - Nach dem 24-Stunden-Streik bei Ryanair hat die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) den irischen Billigflieger zu ernsthaften Verhandlungen aufgefordert.

«Wir erwarten von Ryanair einen Lösungsansatz und Kompromissbereitschaft», sagte VC-Präsident Martin-Joachim Locher der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). Allerdings habe die Airline «mit der Aussage, dass es keine Personalkostenerhöhung geben darf, (...) bereits jeglichen Ansatz für ordentliche Verhandlungen gestoppt».

Der in der Nacht zum Freitag gestartete Arbeitskampf sollte nicht verlängert werden, wie die Gewerkschaft mitteilte. Weitere Streiks schließt die VC aber nicht aus. Die Passagiere hätten verständnisvoll reagiert, sagte Locher. «Viele Bürger schreiben uns, dass es allerhöchste Zeit für diesen Streik gewesen sei und dass auch Ryanair endlich angemessene Arbeitsbedingungen schaffen müsse.» Die VC verlangt unter anderem höhere garantierte Gehälter.

Locher forderte gleiche Streikrechte in Europa. «Bislang sind die Unterschiede bei den Tarifvertragsrechten in den europäischen Ländern zu groß. Das muss dringend vereinheitlicht werden.» Kurzfristig sehe er aber keine Verbesserung.

Die 24-stündige, abgestimmte Aktion war der bisher größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas. Mitten in der Urlaubszeit mussten die Iren am Freitag jeden sechsten Flug ihres europaweiten Tagesprogramms absagen; etwa 55 000 Passagiere waren betroffen. Auf Deutschland entfielen 250 von 400 gestrichenen Verbindungen. Auch in Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden hatten Piloten ihre Arbeit niedergelegt, um bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten. Das Unternehmen teilte mit, dass trotz der Streiks rund 85 Prozent des ursprünglichen Flugplans eingehalten werden sollte.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will bei der Airline erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht zum Vergleich Konkurrenten heran. Ryanair verweist auf relativ hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten, die über dem Niveau der Billig-Airlines Eurowings oder Norwegian lägen. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Zeichen stehen auf Konflikt - Kein Fortschritt bei Ryanair-Tarifgesprächen. Die Gewerkschaften dringen auf eine Lösung für die Beschäftigten in Bremen, die ihre Arbeitsplätze verlieren sollen. Arbeitsminister Heil greift die Fluggesellschaft an. Keine Annäherung im Tarifkonflikt bei Ryanair. (Wirtschaft, 19.10.2018 - 13:10) weiterlesen...

Zeichen stehen auf Konfrontation - Kein Fortschritt bei Ryanair-Tarifgesprächen. Die Gewerkschaften dringen auf eine Lösung für die Beschäftigten in Bremen, die ihre Arbeitsplätze verlieren sollen. Arbeitsminister Heil greift die Fluggesellschaft an. Keine Annäherung im Tarifkonflikt bei Ryanair. (Wirtschaft, 19.10.2018 - 13:03) weiterlesen...

Standort Bremen - Weiter keine Lösung im Tarifkonflikt bei Ryanair Frankfurt/Berlin - Bei den Tarifverhandlungen für rund 1000 Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland zeichnet sich keine rasche Einigung ab. (Wirtschaft, 19.10.2018 - 12:35) weiterlesen...

Heil will Flugpersonal Betriebsratsgründung erleichtern. Er setze sich für eine «Betriebsratsgarantie in der Luftfahrt» ein und schlage vor, diese Gesetzeslücke zu schließen, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Heil trifft sich heute mit dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske und Mitarbeitern von Ryanair am Frankfurter Flughafen. Berlin - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will mit einer Gesetzesänderung Piloten und Flugbegleitern die Gründung eines Betriebsrats unabhängig von Tarifverträgen ermöglichen. (Politik, 19.10.2018 - 06:16) weiterlesen...

Tarifrunde für Ryanair-Flugbegleiter wird fortgesetzt. Zu Beginn der Runde will Verdi einen Sozialtarifvertrag für die 90 Ryanair-Beschäftigten in Bremen fordern, deren Standort Ryanair Anfang November schließen wird. Erst danach soll wieder über höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gesprochen werden. Zuletzt hatten Flugbegleiter und Piloten von Ryanair in Deutschland Ende September einen Tag lang gemeinsam gestreikt. Berlin - Die Gewerkschaft Verdi setzt heute in Berlin die Tarifverhandlungen für rund 1000 Flugbegleiter von Ryanair fort. (Politik, 18.10.2018 - 00:30) weiterlesen...

Erste Tarifrunde - Verdi will deutliches Plus für Flughafen-Sicherheitspersonal. Dem wollen oder können die Arbeitgeber nicht sofort nachkommen. Gleiches Geld für gleiche Arbeit: Mit dieser Forderung zieht die Gewerkschaft Verdi in die Tarifrunde für das Sicherheitspersonal an Flughäfen. (Wirtschaft, 16.10.2018 - 17:52) weiterlesen...