Gesundheit, Krankheiten

Was passiert, wenn Impfstoffhersteller auf Omikron umstellen mĂŒssen? Wie sieht die Versorgung der Ă€rmsten LĂ€nder aus? Ein Datenanalyse gibt Einblicke - auch darĂŒber, woher die meisten PrĂ€parate kommen.

17.12.2021 - 04:48:28

Pandemie - Bericht: China und Europa grĂ¶ĂŸte Corona-Impfstoff-Hersteller

Genf - Die meisten Impfstoffe gegen das Coronavirus werden in China und Europa hergestellt - bislang in diesem Jahr schon mehr als 6,8 Milliarden Dosen. Auf den weiteren PlÀtzen folgen Indien und die USA.

Das geht aus Analysen des Datenverarbeiters Airfinity hervor, der seine Berechnungen zusammen mit dem Pharmaverband IFPMA in Genf prÀsentierte. Airfinity schÀtzt die weltweite Produktion allein in diesem Dezember auf insgesamt 1,4 Milliarden. Damit wÀren es seit Beginn des Jahres rund um den Globus schon 11,15 Milliarden Dosen.

Bei einer Weltbevölkerung von annĂ€hernd acht Milliarden gĂ€be es rein rechnerisch fĂŒr jeden Menschen mindestens eine Dosis. TatsĂ€chlich ist die Verteilung aber sehr ungleich, insbesondere zwischen den reichen Industrienationen und armen LĂ€ndern. In Deutschland zum Beispiel haben mehr als 23 Millionen Menschen schon eine Booster-Spritze erhalten, in der Regel also drei Injektionen.

Elf Milliarden Dosen

Von den gut elf Milliarden Dosen in diesem Jahr wurden rund 4,5 Milliarden in China hergestellt, knapp 2,3 Milliarden im europĂ€ischen Wirtschaftsraum, knapp 1,6 Milliarden in Indien und knapp 950 Millionen in den USA. Airfinity wurde 2015 in Großbritannien gegrĂŒndet. Das Unternehmen wertet Hunderte Millionen Unternehmens- und Wissenschaftsdaten aus.

Bei gleichbleibender Produktion wĂŒrden bis Ende Juni 2022 weitere 8,7 Milliarden Dosen produziert, so die Analyse. Wenn Hersteller die HĂ€lfte ihrer Produktion fĂŒr einen an die Omikron-Variante des Coronavirus angepassten Impfstoff umstellen mĂŒssten, gĂ€be es 3,7 Milliarden weniger.

Reiche LĂ€nder, die sich anfangs den Großteil der Impfstoffproduktion sicherten und wenig fĂŒr die Versorgung Ă€rmerer LĂ€nder ĂŒbrig ließen, spenden inzwischen deutlich mehr Impfdosen als Anfang des Jahres, als die Impfstoffe frisch auf den Markt kamen. Auch das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgegrĂŒndete Programm Covax, das ĂŒberwiegend Ă€rmere LĂ€nder versorgt, kann inzwischen mehr bestellen.

Übrige Impfdosen könnten gespendet werden

Bis Ende November standen fĂŒr die Versorgung der Ă€rmeren LĂ€nder insgesamt 784 Millionen Dosen zur VerfĂŒgung. Ende Oktober waren es 620 Millionen, Ende September erst 460 Millionen. Selbst, wenn reiche LĂ€nder allen Bewohnern Auffrischimpfungen anböten, hĂ€tten sie nach Airfinity-Berechnungen bis MĂ€rz noch fast 1,4 Milliarden Impfdosen ĂŒbrig, die sie spenden könnten.

Zwar haben nach Angaben des Instituts 57 Prozent der Menschen weltweit mindestens eine Impfdosis erhalten. Die Verteilung ist allerdings höchst ungleich: In 41 LĂ€ndern ĂŒberwiegend in Afrika sind nach WHO-Angaben nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung geimpft. «Wir haben bei der gerechten Verteilung der Impfstoffe auf erschreckende Weise versagt und mĂŒssen es 2022 besser machen», sagte der Generaldirektor des Verbands IFPMA, Thomas Cueni. Es mĂŒsse eine Impfstoffherstellung in Afrika aufgebaut werden.

Pharmaindustrie fĂŒr Patent in der Kritik

Kritiker werfen der Pharmaindustrie vor, auf ihren Patenten zu beharren und dadurch eine weltweite Produktion zu verhindern. Die Industrie widerspricht. Es werde lĂ€ngst mit 300 Partnern weltweit zusammengearbeitet, sagte Michelle McMurry-Heath, PrĂ€sidentin des Biotechfirmen-Verbandes Biotechnology Innovation Organization (BIO). Die Patente seien als Anreiz nötig, damit die Pharmafirmen Innovationen vorantreiben. Firmen können fĂŒr ihre Patente Lizenzen vergeben und dadurch viel Geld einnehmen.

Dass in vielen LĂ€ndern noch nicht viele Menschen geimpft seien, liege nicht daran, dass es zu wenig Impfstoff gebe, meinte McMurry-Heath. Vielmehr hĂ€tten viele LĂ€nder Probleme, in großem Umfang die Impfprogramme aufzulegen. Ebenso sei Skepsis der Impfung gegenĂŒber ein Problem.

@ dpa.de

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