Regierungen, Polen

WARSCHAU - Polen beziffert die von Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg angerichteten Schäden in einem Bericht auf umgerechnet mehr als 1,3 Billionen Euro.

01.09.2022 - 14:27:29

Polen beziffert Weltkriegs-Schäden auf mehr als 1,3 Billionen Euro. Der Vorsitzende der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, sprach am Donnerstag in Warschau von einem "enormen Schaden" bis heute. Das Gutachten wurde zum 83. Jahrestag des Beginn des Zweiten Weltkriegs im Königsschloss der polnischen Hauptstadt vorgestellt. Es soll die Reparationsforderungen von Polens nationalkonservativer Regierung an die Bundesrepublik untermauern. Die Bundesregierung sieht dafür keine Grundlage mehr.

"Die Deutschen sind in Polen eingefallen und haben uns enormen Schaden zugefügt. Die Besatzung war unglaublich verbrecherisch, unglaublich grausam und hatte Auswirkungen, die in vielen Fällen bis heute anhalten", sagte Kaczynski, der als starker Mann der polnischen Politik gilt. Daher werde Warschau von Berlin Reparationen fordern. "Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen, nur weil es jemandem so vorkommt, als befände sich Polen in einer besonderen, radikal niedrigeren Position als andere Länder." Er sei sich bewusst, dass es zu den Reparationen ein "langer und schwieriger Weg" sei.

Die nationalkonservative PiS-Regierung, die das Nachbarland seit 2015 führt, hat das Thema Entschädigungszahlungen immer wieder aufgebracht. Die PiS rief 2017 für das Gutachten eine Parlamentskommission ins Leben. Zudem gründete Polen ein Forschungsinstitut für Kriegsschäden. Der mehrfach angekündigte Bericht wurde nun an einem symbolischen Tag präsentiert: Am 1. September 1939 begann der deutsche Überfall auf Polen.

Dies war auch der Beginn des Zweiten Weltkriegs mit mindestens 55 Millionen Toten - andere Schätzungen kommen sogar auf bis zu 80 Millionen. Genaue Zahlen gibt es nicht. Allein in Polen kamen nach Schätzungen bis zu sechs Millionen Menschen ums Leben. Nach Angaben von Arkadiusz Mularczyk, dem Leiter der Parlamentskommission, waren an dem Gutachten 30 Experten beteiligt, darunter Historiker, Wirtschaftsfachleute und Immobiliengutachter.

Der erste Band umfasst mehr als 500 Seiten und ist in neun Kapitel unterteilt - Berechnungen zu den polnischen Kriegsverlusten in den Bereichen Demografie, der wirtschaftlichen Bewertung der menschlichen Verluste sowie den materiellen Verlusten. Außerdem geht es um den Verlust von Kultur- und Kunstgütern sowie verschiedenen Arten von Finanzmitteln, Bankguthaben und Wertpapieren.

Die Bundesregierung lehnt jegliche Reparationsforderungen ab. Für sie ist die Frage mit dem 2+4-Vertrag über die außenpolitischen Aspekte der deutschen Einheit abgeschlossen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Ukraine macht Russland für Lecks an Gasleitungen verantwortlich. "Das ist nichts anderes als ein von Russland geplanter Terrorakt und ein Aggressionsakt gegen die EU", schrieb der externe Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, beim Kurznachrichtendienst Twitter am Dienstag. Moskau wolle damit die wirtschaftliche Situation in Europa destabilisieren und "Panik vor dem Winter" erzeugen. KIEW - Die Ukraine macht Russland für die Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines verantwortlich. (Boerse, 27.09.2022 - 18:31) weiterlesen...

Kreise: Habeck bereitet mit Betreibern AKW-Einsatz bis April 2023 vor. Stand heute gehe man davon aus, dass man die "Reserve" ziehen werde und die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim im ersten Quartal 2023 am Netz sein werden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Kreisen des Ministeriums. Hintergrund ist die angespannte Lage auf dem französischen Strommarkt. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" über Aussagen von Habeck zu einem wahrscheinlichen AKW-Weiterbetrieb bis Mitte April 2023 berichtet. BERLIN - Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erwartet einen Weiterbetrieb von zwei Atomkraftwerken in Deutschland über das Jahresende hinaus. (Boerse, 27.09.2022 - 18:15) weiterlesen...

Bundestag debattiert in Aktueller Stunde über Proteste im Iran. Dort hatte der Tod einer jungen Frau, die wegen ihres Kleidungsstils von der sogenannten "Sittenpolizei" in Gewahrsam genommen worden war, für große Empörung in der Bevölkerung gesorgt. Die Proteste dauern seit Tagen an. Auf Verlangen der Regierungsfraktionen SPD, FDP und Grüne sollen sich nun auch die Abgeordneten des Deutschen Bundestags mit der Lage im Iran auseinandersetzen. BERLIN - In einer Aktuellen Stunde debattiert der Bundestag am Mittwoch über die landesweiten Proteste im Iran. (Wirtschaft, 27.09.2022 - 18:11) weiterlesen...

Kommission zur Zukunft der Landwirtschaft arbeitet weiter. Ihre "geballte Expertise" sei als Forum des Interessenausgleichs in Zeiten der Transformation hin zu einer krisenfesten und nachhaltigen Landwirtschaft besonders wertvoll, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag. Die Kommission habe bereits Historisches geleistet, wenn es darum gehe, scheinbar unendlich große Gräben und Widersprüche zu überwinden. BERLIN - Eine noch von der früheren Bundesregierung eingesetzte Kommission zur Zukunft der Landwirtschaft setzt ihre Arbeit auf Bitten von Agrarminister Cem Özdemir fort. (Boerse, 27.09.2022 - 17:45) weiterlesen...

Facebook-Konzern stoppt russische Falschinformations-Kampagne. Über ein Netzwerk aus hunderten Accounts wurden gefälschte Artikel verbreitet, die vorgaben, unter anderem vom "Spiegel", der "Bild-Zeitung" und der britischen Zeitung "The Guardian" zu stammen. Darin wurde auch vor ukrainischen Flüchtlingen gewarnt, wie Meta in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht schrieb. Auch wurde darin behauptet, die Sanktionen gegen Russland würden nur dem Westen selbst schaden. MENLO PARK - Der Facebook-Konzern Meta hat die bisher größte russische Kampagne mit Falschinformationen im Angriffskrieg gegen die Ukraine gestoppt. (Boerse, 27.09.2022 - 17:25) weiterlesen...

Gefährlicher Hurrikan 'Ian' erreicht Kuba und nimmt Kurs auf Florida (weitere Details) (Boerse, 27.09.2022 - 17:23) weiterlesen...