Auto, Personalien

VW-Markenchef Diess ist neuer Konzernlenker.

12.04.2018 - 20:01:24

Diess neuer Konzernlenker - Konzernumbau: VW führt neue Markengruppen ein. Und Noch-Konzernchef Müller könnte eine andere Aufgabe bekommen.

  • Herbert Diess - Foto: Philipp von Ditfurth

    Der 59-jährige Diess galt bereits länger als «Kronprinz» Müllers. Foto: Philipp von Ditfurth

  • Volkswagen - Foto: Julian Stratenschulte/Illustration

    Die Schatten von Vorstandsmitgliedern der Volkswagen AG. Foto: Julian Stratenschulte/Illustration

Herbert Diess - Foto: Philipp von DitfurthVolkswagen - Foto: Julian Stratenschulte/Illustration

Wolfsburg/Berlin - Volkswagen führt im Zuge eines umfassenden Konzernumbaus neue Markengruppen ein. Damit soll der Autokonzern künftig nicht mehr so zentral geführt werden.

Eingeführt werden die Markengruppen «Volumen», «Premium» und «Super Premium», wie das Unternehmen am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Für die Nutzfahrzeugeinheit Truck & Bus sollen die Voraussetzung geschaffen werden, diese an die Börse zu bringen.

Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzlich Konzernführungsaufgaben. Der neue Konzernchef Herbert Diess verantwortet demnach die Konzernentwicklung- und Forschung, Audi-Chef Rupert Stadler den Konzernvertrieb und Porsche-Chef Oliver Blume die Konzernproduktion.

Der bisherige VW-Markenchef Herbert Diess wird neuer Volkswagen-Konzernchef. Damit löst er Vorgänger Matthias Müller ab, wie der Volkswagen-Aufsichtsrat an diesem Donnerstag in Wolfsburg beschloss.

Müller selbst könnte nach «Handelsblatt»-Informationen eine neue Funktion erhalten, sein regulärer Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2020. Die einzelnen Marken wollen die Kontrolleure dem Vernehmen nach in mehrere Gruppen aufteilen, um den riesigen Konzern insgesamt effizienter zu machen.

Auf der Aufsichtsratssitzung solle zwar beschlossen werden, dass Müller seinen Posten räumt, meldete die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Seinen Vorstandsvertrag werde er aber behalten. «Eine Vertragsaufhebung würde keinen Sinn machen, da die Abfindung genauso hoch sein würde wie der laufende Vertrag», sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person dem Blatt. Im vergangenen Jahr hatte Müller mehr als 10,1 Millionen Euro eingestrichen.

Daneben sollen die Aufseher nach Angaben aus dem Konzernumfeld weitere Personalien beschließen. Gunnar Kilian, noch Generalsekretär im Betriebsrat, soll Personalvorstand werden und auf Karlheinz Blessing folgen. Außerdem wolle der langjährige Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz seinen Posten abgeben, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Zugleich solle Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand aufrücken. Zuvor hatten die «Automobilwoche» und das «Handelsblatt» darüber berichtet. Sanz ist seit 2001 Vorstand bei VW und auch Aufsichtsratschef beim Bundesligisten VfL Wolfsburg.

Bei den schweren Nutzfahrzeugen der VW-Gruppe steht ein Umzug der Verwaltungszentrale von Braunschweig nach München an. Auch ein Börsengang der Sparte mit Scania und MAN gilt als möglich.

Die Aufseher zogen ihre Beratungen um einen Tag vor, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Ursprünglich war das Treffen für den Freitag geplant, an dem nun die Öffentlichkeit über die Beschlüsse informiert werden soll. Auch eine Neufassung wichtiger Strukturen sei angedacht, bekräftigten Quellen aus dem Konzern. Wie konkret diese Pläne bereits diskutiert oder gar beschlossen werden könnten, blieb vorerst unklar.

Nach «Spiegel»-Informationen sollen die einzelnen Marken in vier Gruppen aufgeteilt werden - für Volumenmodelle (VW, Skoda, Seat), Oberklasse-Autos (Audi, Bentley), Sportwagen (Porsche, Bugatti, Lamborghini) und Nutzfahrzeuge (MAN, Scania, leichte Nutzfahrzeuge). Ein Sprecher des VW-Aufsichtsrates wollte dies nicht kommentieren.

In der Debatte ist seit längerem auch eine separate Ausgliederung des Lkw-Geschäfts mitsamt eigenem Börsengang oder eine Holding-Struktur. Eine Verlagerung der Sparte von Braunschweig nach München werde kommen, hieß es aus Kreisen der Kontrolleure zu einem Bericht des «Handelsblatts». Der Schritt dürfte auch im Zusammenhang mit einem möglichen Börsengang der Volkswagen Truck & Bus GmbH stehen. Bayerns Landeshauptstadt ist auch bereits die Heimat von MAN.

Am Dienstag hatte VW überraschend einen Umbau der Führungsetage angekündigt. Die Angaben waren mit Blick auf weitere Details aber noch sehr vage geblieben. Dem seit Herbst 2015 amtierenden Vorstandschef Müller soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen werden, der geplante Umbau demnach einen «Aufbruch» ermöglichen.

Der 59-jährige Diess galt bereits länger als «Kronprinz». In seiner Zeit als Chef der Marke VW mit Modellen wie Golf oder Passat hat er die Effizienz bei den ertragsschwachen Wolfsburgern bereits verbessert. Er scheut auch Konflikte mit dem Betriebsrat nicht, gilt in Teilen der Belegschaft aber auch als umstritten.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nannte Diess eine gute Wahl. Zugleich warnte er vor einer Personalunion aus Konzern- und VW-Markenvorsitz. «Unter (den früheren Vorstandschefs Martin) Winterkorn und (Ferdinand) Piëch hat man gesehen, dass die Gefahr des Besserwissers und Alleinentscheiders an der Spitze sehr groß ist», sagte Dudenhöffer der «Passauer Neuen Presse».

Den letzten grundlegenden Umbau hatte Volkswagen 2012 vollzogen. Damals hatte der Konzern unter anderem die Allianz seiner Nutzfahrzeug-Geschäfte vertieft, die Aktivitäten in China ausgebaut und Dutzende Management-Positionen neu besetzt - bei VW selbst, Audi, den leichten Nutzfahrzeugen, Bentley und in anderen Bereichen.

«Dieselgate» erhöhte dann den Druck, weitere Kosten einzusparen. 2015 wurde eine Trennung von Konzern- und Markenfunktionen angeschoben. Die Verantwortung der Vertriebsregionen wurde ebenfalls gestärkt. So schuf VW eine eigene Marktregion Nordamerika, wo die Kernmarke lange der Konkurrenz hinterherfuhr. Später rief Müller die «Strategie 2025» aus - ein Ziel war der Abbau des Zentralismus im VW-Reich.

Im Asien-Geschäft peilt der Konzern auch eine Partnerschaft mit dem japanischen Lkw-Bauer Hino Motors an, der zum Erzrivalen Toyota gehört. Beide Seiten gaben eine Rahmenvereinbarung hierzu bekannt.

@ dpa.de