Bundesregierung, Koalition

Vom Experiment zum Dauerangebot: Nach dem 9-Euro-Ticket plant der Bund ein reguläres bundesweites Nahverkehrsticket.

05.09.2022 - 15:30:26

Verkehr - Was kann das geplante Nahverkehrsticket?. Doch der Preis wird höher sein, die Länder sollen ins Boot.

  • Verkehr - Foto: Hannes P Albert/dpa

    Die Ampel plant einen Nachfolger f?r das 9-Euro-Ticket, der zwischen 49 und 69 Euro kosten soll. Foto: Hannes P Albert/dpa

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    Reisende warten am Hauptbahnhof am ersten Freitag nach dem letzten 9-Euro-Ticket-Wochenende auf ihren Zug. Foto: Bodo Marks/dpa

Verkehr - Foto: Hannes P Albert/dpaHamburg - Foto: Bodo Marks/dpa

Berlin der Mediengruppe VRM.

Auto-Pendler:

Viele haben sich daran gewöhnt: allmorgendlich Stau, Nervenprobe auf Einfallstraßen der Großstadt. Ein neues, dauerhaft günstiges Ticket für Busse und Bahnen könnte da manche ins Grübeln bringen - und vielleicht zum Umstieg bewegen. Jedoch: Bus- und Bahnfahren ist in den meisten Fällen schon jetzt günstiger als ein eigenes Auto. Denn dieses schlägt jeden Monat mit mehreren hundert Euro zu Buche. Viele fahren trotzdem Auto, der Preis ist für sie nicht das Hauptargument.

Ausflügler:

Das 9-Euro-Ticket hat sich vor allem an touristischen Zielen bemerkbar gemacht. Viele nutzten die Gelegenheit für günstige Ausflüge. Das dürfte sich bei einer Nachfolgelösung für 49 bis 69 Euro ändern. Denn für gelegentliche Tagesausflüge, gerade mit mehreren Reisenden, sind häufig die bestehenden Länder-Tickets der Bahn oder das bundesweite Quer-durchs-Land-Ticket günstiger.

Dorfbewohner:

Wenn in der Nähe selten Busse oder Züge halten, bringt auch die günstigste Fahrkarte nicht viel - so wie in vielen Dörfern. An mehr als jeder dritten Haltestelle in Deutschland kann man nach Berechnungen der Bahn-Tochter Ioki nicht mal einmal pro Stunde in die eine oder die andere Richtung fahren. Auch der Autofahrerclub ADAC mahnt an, weiterhin Lücken im öffentlichen Angebot zu schließen.

Es müsse nicht nur Geld für günstigere Fahrkarten geben, sondern auch für mehr Busse und Bahnen, heißt es beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). «Andernfalls müssen im kommenden Jahr umfassend Leistungen abbestellt werden, da diese mit den vorhandenen Mitteln nicht mehr finanziert werden können», ergänzt der Bundesverband Schienennahverkehr.

Familien:

«Es fehlt die Familienkomponente», kritisiert Karl-Peter Naumann, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn. Denn eine kostenfreie Kindermitnahme wie beim Vorbild 9-Euro-Ticket ist bisher jedenfalls nicht angekündigt. Das werde manche davon abhalten, auf Bus und Bahn umzusteigen. «Für den Autofahrer macht es bei den Kosten aber keinen Unterschied, ob er seine Kinder mitnimmt.»

Fernreisende und Fernpendler:

Eine gute Stunde fährt der ICE morgens von Berlin nach Wolfsburg, eine Verbindung, die auch Berufspendler nutzen. Wollten sie das neue Ticket nutzen, müssten sie mehr als drei Stunden in Nahverkehrszügen verbringen - keine gute Alternative. Das gleiche gilt für Fernreisen durch Deutschland, sofern man nicht sehr viel Zeit hat. Doch wer viel Zeit hat, kann sich auch rechtzeitig Sparpreis-Tickets für den Fernverkehr ab 17,90 Euro sichern und mit dem ICE fahren.

Finanzpoker zwischen Bund und Ländern:

Damit das neue Ticket überhaupt kommt, sollen die Länder mit an Bord. Schon bisher ringen sie hart mit dem Bund um einen Nachschlag bei den normalen Regionalisierungsmitteln, mit denen sie Leistungen bei den Verkehrsanbietern bestellen. Regulär kommen aus Berlin in diesem Jahr schon 9,4 Milliarden Euro, dazu eine Milliarde aus einem anderen Topf. Akuter Handlungsbedarf besteht wegen gestiegener Betriebskosten bei Bussen und Bahnen. Es beginnt also das große Rechnen.

Wäre das 9-Euro-Ticket verlängert worden, hätte es den Bund pro Jahr 14 Milliarden Euro gekostet. Nun sollen es 1,5 Milliarden Euro sein, und die Ampel wünscht sich von den Ländern «mindestens den gleichen Betrag». Die Vorsitzende der Verkehrsminister, die Bremer Senatorin Maike Schaefer (Grüne), verwies auf nötige Abstimmungen, wie hoch der Anteil der Länder bei welchem Ticket sein müsste. Nächster Halt ist ein Sondertreffen mit Wissing am 19. September. Eines ließ Schaefer erkennen: «Ich persönlich halte 69 Euro als Nachfolgeticket für zu hoch, auch wenn es überregional für ganz Deutschland gelten sollte.»

@ dpa.de