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Außenhandel, Konjunktur

Volle Auftragsbücher, brummende Produktion - die Geschäfte von Deutschlands Exporteuren laufen derzeit gut.

08.07.2021 - 12:06:08

Stabilisierung nach Corona - Aufschwung beflügelt Exporteure. Die weltweite Konjunkturerholung beflügelt. Doch wegen Lieferengpässen wachsen die Sorgen.

Wiesbaden - Die deutsche Exportwirtschaft arbeitet sich dank der weltweiten Konjunkturerholung aus dem Corona-Tief - wenn auch zuletzt mit weniger Tempo. Angesichts von Lieferengpässen und Rohstoffknappheit warnen Volkswirte und Industrievertreter vor Rückschlägen im Außenhandel.

«Nach turbulenten Monaten der Pandemie stabilisiert sich die Erholung des deutschen Außenhandels», bilanzierte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner, am Donnerstag. Diese Entwicklung stehe jedoch auf wackligen Beinen. «Das derzeitige Chaos im Frachtverkehr, die immens gestiegenen Preise für Container sowie Rohstoffengpässe machen uns große Sorgen. Gleichwohl sind wir davon überzeugt, dass sich der Markt mittel- bis langfristig wieder einpendeln wird.»

Im Mai 2021 lieferten deutsche Hersteller nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes Waren «Made in Germany» im Wert von 109,4 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren nach Mitteilung der Wiesbadener Behörde vom Donnerstag 36,4 Prozent mehr als im schwachen Vorjahresmonat. Damals war der Außenhandel infolge von Grenzschließungen und Beschränkungen zur Bekämpfung der ersten Welle der Corona-Pandemie eingebrochen.

Von April auf Mai 2021 stiegen die Ausfuhren um 0,3 Prozent. Analysten hatten im Mittel mit einem deutlicheren Zuwachs um 0,6 Prozent gerechnet. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres zusammen liegen die Exporte nach Angaben des Bundesamtes mit einem Volumen von 554,1 Milliarden Euro um 15,3 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.

Die Corona-Krise hatte im vergangenen Jahr tiefe Löcher in die deutsche Exportbilanz gerissen. Für das laufende Jahr rechnet der Außenhandelsverband BGA mit einem deutlichen Plus, auch wenn zuletzt Materialmangel und knappe Rohstoffe die Geschäfte belasteten.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht in seiner jüngsten Prognose von einem Anstieg der Warenausfuhren um real 8,5 Prozent aus. «Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft ist erfreulich gut», stellte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Donnerstag fest. «Es besteht allerdings die Gefahr, dass anhaltende Transportengpässe vor allem in der Seeschifffahrt die Aufholjagd des Außenhandels ausbremsen.»

Aktuell profitiert die deutsche Exportwirtschaft wie kaum eine andere von der anhaltenden Erholung Chinas und anderer asiatischer Länder. Doch nach 13 Monaten in Serie mit steigenden Ausfuhrzahlen im Monatsvergleich warnt auch der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel, vor Übermut. Es sei nur eine Frage der Zeit, ehe sich die Materialknappheit auch auf die Ausfuhren niederschlagen werde. «Die Industrieproduktion war in diesem Jahr mit Ausnahme des März jeweils im Minus. Wird weniger produziert, wird auch weniger exportiert», bringt es Gitzel auf den Punkt.

Die deutsche Elektroindustrie jedoch berichtete am Donnerstag von einem kräftigen Auftragplus und anziehender Produktion. Die Bestellungen lagen nach Angaben des Branchenverbandes ZVEI im Mai um 49,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats und stiegen auch im Vergleich zum Mai des Vorkrisenjahres 2019 um gut 7 Prozent. Bei der Produktion verbuchte die heimische Elektroindustrie demnach im Mai 2021 real ein Plus von 22,5 Prozent zum Vorjahresmonat. Allerdings liege der Wert noch um 5 Prozent unter dem Niveau von Mai 2019, der jedoch auch mehr Arbeitstage gehabt habe.

Die Einfuhren nach Deutschland lagen im Mai nach Angaben des Bundesamtes mit 97,1 Milliarden Euro um 32,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Von April auf Mai 2021 legten die Importe um 3,4 Prozent zu. Für die ersten fünf Monate summierten sich die Importe auf 474,3 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 13,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

© dpa-infocom, dpa:210708-99-305644/3

@ dpa.de