Deutschland, Europa

Viele Menschen müssen zurzeit den Gürtel enger schnallen.

16.08.2022 - 09:54:24

Trotz Ukraine-Krieg und Inflation: Luxus boomt. Doch bei anderen sitzt das Geld trotz des Ukraine-Krieges und drastischer Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln nach wie vor locker.

Wegen der dramatischen Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln müssen immer mehr Menschen in Deutschland den Gürtel enger schnallen. Es wird gespart - bei Lebensmitteln ebenso wie bei Schmuck und Kleidung. Von allen? Nein. Dem Luxusgütermarkt scheinen Ukraine-Krieg und die galoppierende Inflation bisher nichts anhaben zu können. Das Geschäft mit dem Luxus brummt.

Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut (DMI) beobachtet im Modehandel eine «extreme Polarisierung» des Marktes. «Je teurer, desto besser oder je billiger, desto besser. Aber die Mitte verschwindet», sagte er kürzlich am Rande einer Modemesse in Düsseldorf. Axel Augustin vom Handelsverband Textil Schuhe Bekleidung (BTE) beobachtet, dass sich die Läden mit gut situierter Kundschaft aktuell deutlich besser schlagen als die Konkurrenz. Es gebe eben zahlreiche Kunden, die auch jetzt nicht auf ihr Geld achten müssten.

Auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn klagen zwar über eine insgesamt sinkende Kauflust der Kunden, beobachten aber markante Unterschiede je nach Preislage. «Die Kaufzurückhaltung betrifft eher das untere und mittlere Segment», sagte Finanzvorstand Florian Wieser. Der Premiumbereich entwickele sich dagegen weiter positiv.

Tatsächlich zeigt sich die Luxusbranche bislang weltweit weitgehend immun, was die Herausforderungen durch Pandemie, Krieg und Inflation angeht. Luxusgüterkonzerne wie LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy), Kering (Gucci, Yves Saint Laurent, Balenciaga), Hermes oder Prada glänzten im ersten Halbjahr allesamt mit hohen Umsatzzuwächsen und üppigen Gewinnen. Vor allem in Europa und den USA liefen die Geschäfte hervorragend.

Zweistellig bei Umsatz und Gewinn

LVMH berichtete, die Erträge bei den hauseigenen Modemarken wie Luis Vuitton, Dior oder Fendi hätten neue Rekordhöhen erreicht. Aber auch das Geschäft mit Champagner, Cognac und Uhren sei hervorragend gelaufen. Der Umsatz des Luxuskonzerns stieg in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent auf fast 37 Milliarden Euro. Der operative Gewinn wuchs um 34 Prozent auf mehr als 10 Milliarden Euro. Auch Wettbewerber wie Kering, Hermes oder Prada wuchsen bei Umsatz und Gewinn deutlich zweistellig.

Dabei hatte die Corona-Krise der Luxusgüterindustrie im Jahr 2020 noch den größten Einbruch ihrer Geschichte beschert. Doch war das ein eher kurzes Zwischenspiel. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Bain übertraf der weltweite Markt für persönliche Luxusgüter wie Kleidung und Schmuck schon 2021 mit 288 Milliarden Euro wieder das Vor-Corona-Niveau. Und der Aufwärtstrend scheint aktuell ungebrochen.

«Bislang kaum Auswirkungen auf die Edelmarken»

«Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie die daraus resultierende hohe Inflationsrate samt Konjunkturabschwächung haben bislang kaum Auswirkungen auf die Edelmarken», stellen die Experten von Bain in ihrer zusammen mit dem italienischen Luxusgüterverband Fondazione Altagamma erstellten aktuellen Studie zum Luxusgütermarkt fest.

«Die Luxusgüterindustrie zeigt einmal mehr hohe Resilienz, was Krisen angeht», betonte die Bain-Branchenexpertin Marie-Therese Marek. In diesem Jahr könne der Gesamtumsatz der Luxusgüterindustrie trotz Ukraine-Krieg und Inflation sogar auf 320 bis 330 Milliarden Euro ansteigen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Leichter Preisrückgang - Deutsche Gasspeicher werden immer voller. Das Gas kommt über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher steigt weiter. (Wirtschaft, 23.09.2022 - 15:33) weiterlesen...

Deutsche Gasspeicher werden immer voller. Das Gas kommt über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher steigt weiter. (Wirtschaft, 23.09.2022 - 15:29) weiterlesen...

Missbrauch, Folter, Tod: UN-Report zu russischen Kriegsverbrechen. Die Experten haben unter anderem sexuelle und geschlechtsbezogene Gewalttaten mancher russischer Soldaten dokumentiert, wie der Kommissionsvorsitzende Erik Møse am Freitag in einem ersten mündlichen Zwischenbericht erklärte. Die Opfer dieser Verbrechen seien zwischen 4 und 82 Jahre alt, sagte er im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf. GENF - Eine UN-Untersuchungskommission hat eigenen Angaben zufolge verschiedene russische Kriegsverbrechen in der Ukraine festgestellt. (Wirtschaft, 23.09.2022 - 15:08) weiterlesen...

Entwicklungsministerium sagt Moldau Millionenhilfe in Energiekrise zu. Das kündigte das Ministerium am Freitag vor einem Treffen von Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) mit der moldauischen Staatspräsidentin Maia Sandu in Berlin an. Dabei sollte es um den Reformkurs des Landes Richtung EU und weitere Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gehen. Moldau ist wegen der Fluchtbewegungen aus dem Nachbarland, aber auch den Folgen der Corona-Pandemie stark getroffen. Über ein Viertel der Bevölkerung lebt bereits in absoluter Armut. Nun kommt die Energiekrise hinzu: In den letzten zwölf Monaten ist der Einkaufspreis für Gas in Folge des russischen Angriffskrieges um das Zwölffache gestiegen. BERLIN - Das Entwicklungsministerium wird die an die Ukraine grenzende Republik Moldau mit zusätzlich 60 Millionen Euro zur Bewältigung der Energiekrise unterstützen. (Wirtschaft, 23.09.2022 - 06:18) weiterlesen...

Ukrainischer Außenminister: Russland will keine Friedensgespräche. "Die russische Führung sucht nur nach einer militärischen Lösung", sagte Kuleba am Donnerstag in New York vor dem UN-Sicherheitsrat in Bezug auf den russischen Angriffskrieg gegen sein Land. Russischen Diplomaten warf er ein "außergewöhnliches Maß an Lügen" vor. NEW YORK - Russland hat nach Einschätzung des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba keinerlei Interesse an Friedensgesprächen. (Wirtschaft, 22.09.2022 - 19:30) weiterlesen...

Lawrow verlässt Sicherheitsrat - Großbritannien 'nicht überrascht'. "Er hat den Saal verlassen", sagte Cleverly dem Gremium am Donnerstag in New York. "Ich bin nicht überrascht." Er glaube nicht, dass Lawrow sich die kollektive Verurteilung seines Landes in dem Gremium anhören wolle. NEW YORK - Der britische Außenminister James Cleverly hat sich im UN-Sicherheitsrat "nicht überrascht" vom Verhalten seines russischen Amtskollegen Sergej Lawrow gezeigt, der den Saal bei einem Treffen zur Ukraine zuvor zu spät betreten und dann direkt nach seiner Rede wieder verlassen hatte. (Wirtschaft, 22.09.2022 - 18:34) weiterlesen...