Welthandel, Auto

Trump hat den Handelskrieg mit China drastisch verschärft.

14.05.2019 - 18:14:24

Deutsche Industrie besorgt - Trump: Einigung im Handelsstreit mit China «absolut möglich». Jetzt signalisiert der US-Präsident eher wieder Gesprächsbereitschaft. Die Anleger weltweit sind beunruhigt - auch die deutsche Industrie.

Washington - US-Präsident Donald Trump hält eine Einigung mit China im Handelsstreit ungeachtet der jüngsten Eskalation nach wie vor für möglich. «Wir haben gerade eine kleine Zankerei mit China», sagte Trump am Dienstag vor seiner Abreise in den Bundesstaat Louisiana. «Wenn sie einen Deal machen wollen, dann ist das absolut möglich», betonte der US-Präsident.

Er beharrte aber auch auf seiner Position, die USA seien in dem von gegenseitig erhobenen Sonderzöllen geprägten Konflikt in der besseren Position. «Wir haben eine viel größere Volkswirtschaft als China», sagte Trump. «Das sind unterschiedliche Welten.»

Ob es wie angedroht zu weiteren Sonderzöllen auf Warenimporte aus China in Höhe von noch einmal 325 Milliarden Dollar kommen werde, ließ Trump offen. «Wir schauen uns das sehr genau an», sagte er. Dass Importeure in den USA von den Zöllen hart getroffen werden, ließ er nicht gelten. «Kein Unternehmen muss Zölle zahlen. Alles was sie tun müssen, ist, in den USA zu produzieren.»

Die US-Regierung hatte am vergangenen Freitag Sonderzölle auf Warenimporte im Wert von 200 Milliarden Dollar aus China von bisher zehn Prozent auf 25 Prozent erhöht. Trump begründete den Schritt mit zu langsamen Fortschritten bei den Handelsgesprächen beider Länder. Am Dienstag sagte er, China habe nicht nur versucht nachzuverhandeln, sondern einen möglichen Deal zerstört.

Zuvor hatte er gesagt, die Gespräche hätten in 95 Prozent der offenen Punkte zur Übereinstimmung geführt. Trump will Ende Juni beim G20-Gipfel in Osaka (Japan) mit Chinas Staatschef Xi Jinping zusammentreffen.

Die Unsicherheiten im Zollkrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften ließen nach den Verlusten an der Wall Street auch die asiatischen Börsen fallen.

Die deutsche Industrie warnte vor einer Eskalation. «Der anhaltende Konfrontationskurs zwischen den USA und China gefährdet die Weltwirtschaft massiv», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Handelskonflikt wirke sich umso stärker auf die Weltkonjunktur aus, je länger er dauere. «Unternehmen investieren nicht, wenn unklar ist, ob ihre Geschäfte bald durch Zölle unterbrochen werden.» Der Konflikt treffe direkt europäische Unternehmen, die Produktionsstätten in den USA und China haben.

«Maximalen Druck auf China auszuüben, wird nicht funktionieren», kommentierte am Dienstag die staatliche Nachrichtenagentur Chinas, Xinhua. Die USA «schießen sich nur selbst in den Fuß». Der Kommentator schob Washington die Schuld am Scheitern der jüngsten Handelsgespräche zu und sprach von «typischer Handelsschikane».

Die Unwägbarkeiten irritierten die asiatischen Aktienmärkte, die am Dienstag abrutschten und sich nur teilweise wieder erholten. In Japan sackte der Nikkei-225-Index in den ersten 15 Handelsminuten um 1,8 Prozent ab, schloss aber nur mit 0,58 Prozent im Minus. Dagegen fiel der Hang Seng in Hongkong um 1,5 Prozent. Auch die Börsen in China lagen klar im Minus.

Wegen ihres großen Handelsdefizits mit China fordern die USA größeren Marktzugang, einen besseren Schutz von Urheberrechten und Geschäftsgeheimnissen oder auch mehr Bemühungen, um zwangsweisen Technologietransfer bei US-Unternehmen zu verhindern. Auch stören sie sich an staatlichen Subventionen Chinas, die den Markt verzerren.

Die schlechten Aussichten durch die Handelsstreitigkeiten mit den USA dämpfen auch die Weltkonjunktur. Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsforscher hatten ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bereits deutlich gesenkt. Das belastet die exportstarke deutsche Wirtschaft. Auch der Streit zwischen den USA und der EU ist weiter nicht beigelegt.

Die Reaktion aus Peking beweise, wie schädlich Zollspiralen für Verbraucher und Unternehmen seien, sagte BDI-Chef Lang. Die schnelle Antwort drohe die kontraproduktive Entwicklung zu beschleunigen. Auch angedrohten US-Zölle auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile seien ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft, so Lang. «Eine Eskalation würde US-Verbraucher und US-Wirtschaft sowie die Wirtschaft der engsten Verbündeten der USA treffen.»

China und die USA seien wichtige Märkte für deutsche Unternehmen. «Die Zollspirale ist eine immense Gefahr für die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft», sagte Lang. «Wirtschaftlich wird kein beteiligtes Land von einem Handelskonflikt profitieren. Nationale Alleingänge und Zölle sind falsch.»

@ dpa.de

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